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Konflikte·vorgestern

Parteitag der Linken verabschiedet Resolution, die Israels Gaza-Feldzug als Völkermord bezeichnet

Auf ihrem Bundesparteitag in Potsdam verabschiedete die deutsche Partei Die Linke eine Kompromissresolution, die Israel erstmals offiziell beschuldigt, im Gazastreifen Völkermord zu begehen, während sie sowohl das Existenzrecht Israels als auch Palästinas bekräftigt.

Parteitag eröffnet mit Angriffen auf Regierung und extreme Rechte

Zu Beginn ihres Bundesparteitags in Potsdam am Freitag warf Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner der regierenden schwarz-roten Koalition unter Kanzler Friedrich Merz vor, den „größten Sozialraub seit der Agenda 2010“ zu planen, und kündigte massiven Widerstand an. Sie warnte, dass die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) in den ostdeutschen Bundesländern „an der Schwelle zur Macht“ stehe, und gelobte: „Wir werden alles tun, um die AfD von den Hebeln der Macht fernzuhalten.“ Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek griff den Vorschlag der Regierung zur Einführung einer Wochenhöchstarbeitszeit an und erklärte, der Acht-Stunden-Tag sei eine historische Errungenschaft.

Die Einzigen, die uns zum Scheitern bringen können, sind wir selbst.

Schwerdtner nutzte ihre Rede auch, um einen bevorstehenden Kurswechsel im Nahen Osten anzukündigen, indem sie den Delegierten mitteilte, sie bezeichne die Lage in Gaza nun als „Völkermord“.

Die Völkermord-Resolution: ein hart erkämpfter Kompromiss

Nach stundenlangen Hinterzimmerverhandlungen präsentierte der scheidende Co-Vorsitzende Jan van Aken um 21:40 Uhr einen Kompromisstext, den die Parteiführung mit verschiedenen innerparteilichen Strömungen ausgearbeitet hatte. Erstmals übernahm Die Linke offiziell die Völkermord-Rhetorik und erklärte:

Internationale Organisationen, Menschenrechtsgruppen und viele internationale Juristen sprechen von Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen. Wir schließen uns dieser Bewertung an.

Resolution der Linken
Die Resolution wurde um 21:58 Uhr mit großer Mehrheit angenommen. Sie erkennt ausdrücklich Israels Existenzrecht als Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden an, fordert den Schutz jüdischen Lebens in Deutschland, verurteilt die weltweite Terrorkampagne gegen jüdische und israelische Einrichtungen und bekräftigt gleichzeitig das Recht auf palästinensische Staatlichkeit und gleiche Rechte für alle Menschen in Palästina. Der Text fordert die Entwaffnung der Hamas und der Hisbollah und befürwortet weiterhin eine Zweistaatenlösung, stellt jedoch fest, dass diese Option zunehmend in die Ferne rückt.

Zeitleiste: Die Linke verabschiedet Israel-Völkermord-Resolution
  1. Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner erklärt öffentlich, sie bezeichne die Ereignisse im Gazastreifen persönlich als Völkermord
  2. Der scheidende Co-Vorsitzende Jan van Aken präsentiert den Delegierten die Kompromissresolution
  3. Der Parteitag verabschiedet die Resolution mit großer Mehrheit

Interne Zerwürfnisse und Antisemitismus-Vorwürfe

Die Debatte offenbarte tiefe Gräben. Ein Gegenantrag der Palästina-Solidaritätsarbeitsgruppe der Partei, die die BDS-Bewegung verteidigte und Israel als Apartheidregime bezeichnete, erhielt etwa ein Drittel der Delegiertenstimmen. Mehrere Abgeordnete verwendeten offen feindselige Sprache: Bundestagsabgeordnete Cansın Köktürk nannte Israel einen „Apartheidstaat“, und die Europaabgeordnete Özlem Alev Demirel sprach von Deutschlands „Mitschuld an diesem Völkermord“. Die Spannungen wurden durch einen Vorbericht des Bayerischen Rundfunks (BR) verschärft, der antisemitische Beiträge in internen Chats der Jugendorganisation Linksjugend ['solid] aufdeckte, darunter Bezüge zu „israelischen Konzentrationslagern“ und eine brennende israelische Flagge mit der Bildunterschrift „Israel, vergehe!“ Die Parteiführung verurteilte die Vorfälle; Fraktionschefin Reichinnek sagte, wer die gemeinsamen Werte verletze, „müsse mit Konsequenzen rechnen“.

Gastredner und die Debatte über Israels Existenzrecht

Zwei israelische Rednerinnen ernteten begeisterten Applaus. Vered Berman, eine Nachfahrin von Holocaust-Überlebenden, berichtete vom Tod ihrer Mutter bei einem palästinensischen Angriff, würdigte aber auch palästinensische Opfer israelischer Gewalt und bestand darauf, dass beides nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfe.

Das gesamte Besatzungssystem muss abgebaut werden.

Die kommunistische Knessetabgeordnete Aida Touma-Soliman beschuldigte die israelische Regierung des Apartheids und Völkermords und forderte die deutsche Linke auf, an ihrer Kritik festzuhalten. Schwerdtner betonte, dass niemand in Deutschland Angst haben sollte, eine Synagoge zu besuchen oder eine Kippa zu tragen, und gelobte:

Wir schützen jüdisches Leben in diesem Land und überall.

Ausblick: Führungswahlen und Landtagswahlkämpfe

Der bis Sonntag dauernde Parteitag wird auch einen neuen Co-Vorsitzenden wählen, der van Aken ersetzt, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt. Bundestagsabgeordneter Luigi Pantisano ist der Kandidat, der neben der sich der Wiederwahl stellenden Schwerdtner das Amt übernehmen soll. Pantisano hat sich offen für Koalitionen auf Landesebene mit der CDU gezeigt, um die AfD zu blockieren, obwohl die Partei noch keine offizielle Position dazu bezogen hat. Der Leitantrag geißelt unterdessen die „Zeitenwende“ und Angriffe auf den Sozialstaat und gibt den Ton für die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin vor, wo Schwerdtner erklärte: „Wir werden den Osten nicht den Nazis überlassen.“

Potsdam

8 Quellen

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