
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies fordert EU-Zölle auf chinesische Hybridautos
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat an europäische und deutsche Spitzenpolitiker geschrieben und Importzölle auf chinesische Plug-in-Hybride gefordert. Er warnt vor einem Anstieg der Exporte um 70 Prozent und einer Marktverzerrung.
Forderung nach Zöllen auf Plug-in-Hybrid-Importe
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat die Europäische Union und die Bundesregierung aufgefordert, Importzölle auf in China hergestellte Hybridfahrzeuge zu erheben. In Aussagen gegenüber dem regionalen öffentlich-rechtlichen Rundfunk NDR argumentierte der SPD-Politiker, dass der derzeitige Handelsrahmen eine regulatorische Lücke im europäischen Marktschutz hinterlasse. Während die Europäische Union derzeit Ausgleichszölle auf reine Batterie-Elektroautos aus China wegen subventionierter Wettbewerbsvorteile erhebt, bleiben Plug-in-Hybrid-Modelle von diesen Handelsmaßnahmen ausgenommen. Lies erklärte, dass diese Disparität ein ungleiches Spielfeld schaffe, das einheimische Autohersteller benachteilige. Um das Problem anzugehen, sandte der Ministerpräsident im Juli 2026 einen formellen Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil. Der Brief drängte die europäischen und bundesdeutschen Führungskräfte, unverzüglich Zölle auf Hybridfahrzeuge zu erlassen.
Regulierungslücke und Verdrängungsrisiken
Laut Lies hat die Europäische Kommission vor zwei Jahren während ihrer formellen Untersuchung staatlich gestützter Marktverzerrungen eine Unterlassung begangen. Die EU-Untersuchung prüfte unfaire Wettbewerbsvorteile für reine Batterie-Elektrofahrzeuge, unterließ es jedoch, Plug-in-Hybrid-Modelle in ihren Geltungsbereich einzubeziehen. Lies stellte in seinem Brief fest, dass chinesische Hersteller die letzten zwei Jahre systematisch damit verbracht haben, Plug-in-Hybride in den europäischen Binnenmarkt einzuführen. Er erklärte, dass ausländische Autohersteller diese Hybridfahrzeuge in einem gezielten Verdrängungswettbewerb einsetzen, um etablierte europäische Hersteller aus dem Markt zu drängen. Lies warnte, dass das Versäumnis, schnell Zölle einzuführen, in den kommenden Jahren zur dauerhaften Zerstörung europäischer Industriestrukturen führen könnte.
Wir erwarten von der Kommission und der Bundesregierung, dass sie unsere Handelspolitik gegenüber China anders gestalten.
Anstieg der chinesischen Hybridlieferungen
Der erneute Vorstoß für Handelsbeschränkungen folgt auf einen erheblichen Anstieg der Automobilimporte aus chinesischen Produktionsstätten nach Europa. Von Lies zitierte Handelszahlen zeigen, dass die Exporte von in China hergestellten Fahrzeugen, wobei Plug-in-Hybrid-Modelle die Expansion anführen, im Mai und Juni 2026 im Jahresvergleich um etwa 70 Prozent gestiegen sind. Lies charakterisierte dieses starke Wachstum als direkten Beweis für Wettbewerbsverzerrungen im gesamten Automobilsektor. Er argumentierte, dass das Fehlen von Zöllen auf Plug-in-Hybride ausländische Hersteller dazu ermutige, ihr Angebot an Plug-in-Hybriden in Europa auszuweiten, während sie die auf vollelektrische Modelle angewandten Zölle umgehen.
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Branchenbelastungen und politische Übereinstimmung
Die Zollinitiative der niedersächsischen Landesregierung fällt mit finanziellen und strukturellen Belastungen bei Volkswagen zusammen, wo Lies als Mitglied des Aufsichtsrats tätig ist. Niedersachsen ist ein wichtiger institutioneller Aktionär des in Wolfsburg ansässigen Automobilkonzerns, was den Landesbeamten ein direktes Interesse an der Sicherung der heimischen Produktionskapazitäten verleiht. Der Appell von Lies reiht sich ein in frühere Forderungen nach Handelsinterventionen, die von deutschen Automobilmanagern und regionalen politischen Persönlichkeiten geäußert wurden. Volkswagen-CEO Oliver Blume hatte zuvor die Einführung von Zöllen auf chinesische Hybridmodelle gefordert, um einen fairen Wettbewerb zu erhalten. Sebastian Lechner, der CDU-Landeschef in Niedersachsen, hat ebenfalls Handelsbeamte aufgefordert, die regulatorische Lücke bei importierten Hybridautos zu schließen.


