
Hacker stehlen 31.000 Datensätze aus dem liechtensteinischen Transparenzregister
Der Einbruch in das 2021 eingeführte Register, das der Bekämpfung von Geldwäsche dienen soll, ereignete sich in der Nacht zum 30. Juli. Premierministerin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler leiten einen Krisenstab; es wurde keine Lösegeldforderung gestellt.
Der Einbruch
In der Nacht zum 30. Juli 2026 verschafften sich unbekannte Angreifer unbefugten digitalen Zugang zum liechtensteinischen „Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen“ (VwbP), dem nationalen Register der wirtschaftlich Berechtigten. Der Einbruch wurde am Donnerstag entdeckt, als Mitarbeiter des Amtes für Justiz Unregelmäßigkeiten bemerkten. Das Amt für Informationstechnologie wurde hinzugezogen und nahm das betroffene System vom Netz. Bis Freitag war die Regierung offiziell informiert, und am Samstagabend wurde ein Krisenstab einberufen. Die Regierung gab den Vorfall am Sonntag, dem 2. August, auf einer hastig einberufenen Pressekonferenz in Vaduz bekannt.
Das Register
Das VwbP wurde 2021 eingeführt, um die EU-Geldwäscherichtlinie umzusetzen. Es enthält die Namen und Details der Personen, die letztlich Eigentümer von oder Kontrolle über Unternehmen, Stiftungen und Trusts im Fürstentum haben. Das Register ist ein Compliance-Instrument zur Verhinderung von Geldwäsche, Vortaten zur Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Der Angriff gefährdete Datenkopien von rund 31.000 juristischen Personen, eine Zahl, die sich der gesamten erwachsenen Bevölkerung des Landes mit 41.000 Einwohnern nähert.
Reaktion der Regierung
Premierministerin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler leiten den Krisenstab. Auf der Pressekonferenz erklärte Haas, es gebe keine Hinweise darauf, dass Daten verändert oder gelöscht wurden. Sie ging auch auf die Frage der Erpressung ein.
Bislang wurden keine Lösegeldforderungen gestellt, und die Daten sind nicht im Darknet aufgetaucht.
Für betroffene Personen wurde eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, und die Regierung sagte zu, alle Betroffenen proaktiv zu informieren. Das VwbP bleibt bis zum Abschluss der Ermittlungen offline.
Ein Finanzplatz unter Beobachtung
Liechtenstein, eingebettet zwischen der Schweiz und Österreich, ist eines der reichsten Länder der Welt pro Kopf, wobei Finanz- und Bankdienstleistungen einen Eckpfeiler seiner Wirtschaft bilden. Jahrzehntelang nutzten Europäer seine Stiftungen und Konten, um Vermögen vor Steuerbehörden zu verstecken. Das Bankgeheimnis in Steuerfragen wurde erst 2017 aufgehoben. Der Einbruch in ein Register, das ausdrücklich zur Transparenz undurchsichtiger Unternehmensstrukturen geschaffen wurde, ist daher besonders heikel und verwandelt ein Transparenzinstrument in eine datenschutzrechtliche Haftungsfalle.
Wie es weitergeht
Der Krisenstab wird voraussichtlich am Montag weitere Updates geben. Die Identität der Angreifer bleibt unbekannt, die Ermittlungen dauern an. Der Vorfall wirft Fragen zur Cybersicherheit staatlich geführter Transparenzregister in ganz Europa auf, da immer mehr Länder unter EU-Vorschriften ähnliche Instrumente einführen.
- Unbefugter Zugriff auf das VwbP-Register
- Unregelmäßigkeiten entdeckt; System offline genommen
- Regierung über den Vorfall informiert
- Krisenstab unter Haas und Schädler einberufen
- Pressekonferenz; keine Lösegeldforderung, Daten nicht im Darknet


