
Hacker stehlen Daten von 31,000 juristischen Personen aus dem wirtschaftlichen Eigentümerregister Liechtensteins
Unbekannte Täter haben in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli auf das Geldwäschebekämpfungsregister des Fürstentums zugegriffen und Daten von Unternehmen, Stiftungen und Trusts kopiert, bevor der Einbruch entdeckt wurde.
Der Einbruch
Unbekannte Angreifer verschafften sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli unbefugten digitalen Zugang zum Register der wirtschaftlichen Eigentümer Liechtensteins und kopierten Daten, bevor Unregelmäßigkeiten bemerkt wurden. Die Regierung teilte mit, dass das betroffene System vorsorglich offline genommen wurde, nachdem das Amt für Justiz Auffälligkeiten gemeldet und das Amt für Informationstechnologie eingeschaltet hatte. Die Regierung wurde am Freitag informiert, und die vorläufigen Ermittlungsergebnisse erreichten sie am Samstag.
Nach vorläufigen Erkenntnissen hat ein unbekannter Täter auf digitalem Wege unbefugt auf das Register zugegriffen.
Was gestohlen wurde
Das Register beruht auf dem Gesetz vom 3. Dezember 2020 über das Register der wirtschaftlichen Eigentümer von juristischen Personen, das seit dem 1. April 2021 in Kraft ist und die fünfte Geldwäschebekämpfungsrichtlinie der Europäischen Union umsetzt und ein Gesetz vom 6. Dezember 2018 ersetzt. Es enthält Namen und andere Details von Personen hinter Unternehmen, Stiftungen und Trusts. Die Regierung bestätigte, dass Daten von etwa 31.000 juristischen Personen kopiert wurden. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Daten im System verändert oder gelöscht wurden, und es sind keine Lösegeldforderungen eingegangen. Der Liechtensteinische Bankenverband, dessen Direktor Simon Tribelhorn ist, teilte Reuters mit, dass keine Banken und keine Bankkundendaten betroffen seien.
Es ist ein bedauerlicher Vorfall und darf auch nicht verharmlost werden.
Krisenreaktion
Ein Krisenstab unter der Leitung von Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler wurde am Samstagabend einberufen. Seine Hauptziele sind die gründliche Untersuchung des Vorfalls, die Information der Betroffenen und die Umsetzung von Gegenmaßnahmen. Eine zentrale Anlaufstelle für betroffene Personen wird eingerichtet, um Fragen zu beantworten. Die Regierung erklärte, dass sie daran arbeite, diejenigen, deren Daten kompromittiert wurden, so schnell wie möglich zu benachrichtigen.
Es gibt bislang weder Lösegeldforderungen noch ist das Verzeichnis im Darknet und zum Verkauf angeboten.
Reputationsschäden
Peter V. Kunz, Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern, bezeichnete den Einbruch als Worst-Case-Szenario für Liechtenstein, dessen Finanzplatz seit Jahrzehnten durch Stiftungen und Trusts, die Diskretion bieten, Vermögen anzieht. Er warnte, dass wohlhabende Personen, die Wert auf Privatsphäre legen, das Fürstentum nun meiden werden. Kunz argumentierte auch, dass der Schaden auf die Schweiz übergreift, die in den Köpfen internationaler Investoren eng mit Liechtenstein verbunden ist und im Herbst ihr eigenes Transparenzregister einführen will.
Schlechte Nachrichten für Liechtenstein sind auch schlecht für die Schweiz.
Die Position des Fürstentums
Liechtenstein mit rund 41.000 Einwohnern und einer Fläche von 160 Quadratkilometern ist eines der kleinsten und reichsten Länder der Welt gemessen am BIP pro Kopf. Finanz- und Bankdienstleistungen gehören zu seinen erfolgreichsten Sektoren. Bis zur Abschaffung des Bankgeheimnisses in Steuerfragen im Jahr 2017 wurde das Fürstentum von zahlreichen Steuerhinterziehern, insbesondere Europäern, genutzt, die lokale Stiftungen und Konten missbrauchten. Die Regierung hat auf umfangreiche Reformen zur Bekämpfung ihres Images als Steueroase hingewiesen, und das nun gehackte Register war selbst Teil dieser Transparenzbemühungen.
Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums sagte, es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass Deutschland oder deutsche Bürger betroffen seien, betonte jedoch, dass sich die Situation ändern könne und dass Berlin den Angriff sehr ernst nehme. Der Krisenstab sollte am Montag ein Update geben.
- Unbekannte Täter erhalten unbefugten digitalen Zugriff auf das wirtschaftliche Eigentümerregister und kopieren Daten.
- Amt für Justiz bemerkt Unregelmäßigkeiten und schaltet das Amt für Informationstechnologie ein; betroffenes System wird offline genommen.
- Regierung wird über den Einbruch informiert.
- Erste bestätigte Ergebnisse der vorläufigen Ermittlungen werden der Regierung übermittelt; am Abend wird ein Krisenstab einberufen.
- Krisenstab wird unter Regierungschefin Haas und Justizminister Schädler formell bestätigt; Regierung gibt öffentliche Erklärung ab.

