
Russland schickt Lehrer und Beamte an Tankstellen, während sich die Treibstoffkrise verschärft
In der Region Krasnodar werden Lehrer in den Sommerferien angewiesen, an Tankstellen für Ordnung zu sorgen, während Treibstoffknappheit infolge ukrainischer Angriffe auf Raffinerien herrscht. Ähnliche Maßnahmen breiten sich in ganz Russland aus.
Treibstoffkrise durch ukrainische Angriffe ausgelöst
Russlands Treibstoffversorgung wurde durch eine Reihe ukrainischer Angriffe auf inländische Raffinerien und Ölinfrastruktur schwer beeinträchtigt. Die Schäden haben zu weit verbreiteten Engpässen bei Benzin und Diesel geführt und zwingen regionale Regierungen zu außergewöhnlichen Maßnahmen, um die Folgen zu bewältigen.
Lehrer eingesetzt, um wütende Autofahrer zu beruhigen
In der Region Krasnodar, einer südlichen Region am Schwarzen Meer und Asowschen Meer, wurden Lehrer in ihren Sommerferien angewiesen, sich an Tankstellen zu melden. Ihre Aufgabe ist es, wütende Autofahrer zu besänftigen und an den Zapfsäulen für Ordnung zu sorgen, während die Schlangen länger werden. Im Gegenzug wird ihnen nur Tee und Kaffee angeboten. Die Entscheidung stieß auf scharfe Kritik, nachdem der Telegram-Kanal Antijob.net, der Arbeitsrechtsverstöße beobachtet, eine Nachricht einer Lehrkraft veröffentlichte.
Wir, junge Lehrerinnen und Lehrer, wiegen weniger als 50 Kilogramm und müssen wütende Menschen an einer Tankstelle beruhigen. Kostenlos und verpflichtend, (...) sonst könnten wir entlassen werden.
Die Regionalbehörden bestreiten den Vorwurf der Nötigung. Gegenüber dem lokalen Medium Schywaja Kuban betonten Vertreter der Verwaltung, dass nur Männer teilnehmen und ihre Beteiligung völlig freiwillig sei.
Beamte und Freiwillige in den Dienst gepresst
Die Praxis, Personal zur Bewältigung der Schlangen an Tankstellen einzusetzen, breitet sich aus. In der Oblast Pskow rekrutieren lokale Beamte aktiv „Freiwillige“, um an Tankstellen des Surgutneftegas-Netzwerks Dienst zu tun. Zu ihren Aufgaben gehören die Erklärung der Benzinverkaufsregeln und die Hilfe bei der Regelung der Schlangen. Auf dem Gelände der Pskownefteprodukt-Tankstellen sind bereits Mitglieder sogenannter Bürgerwehren im Einsatz.
In der Oblast Irkutsk schlagen die Behörden einen anderen Ansatz vor: ein elektronisches Registrierungssystem, das es Autofahrern ermöglicht, online einen Tanktermin zu buchen, um physische Schlangen ganz zu vermeiden.
Kennzeichen-Rationierung in acht Regionen
Mehrere Regionen greifen zur Rationierung nach Fahrzeugkennzeichen. Laut dem unabhängigen Medium 7x7 erhalten Bewohner der Oblaste Karelien, Mordwinien, Orjol, Nischni Nowgorod, Lipezk, Pskow, Astrachan und Kirow SMS-Nachrichten, die sie darauf hinweisen, dass Benzin bald danach verteilt wird, ob ihr Kennzeichen auf eine gerade oder ungerade Zahl endet. Das System erinnert an ähnliche Maßnahmen in früheren Krisen.
Öffentliche Wut online, Stille auf der Straße
Die Treibstoffknappheit hat eine Flut von Online-Debatten ausgelöst. Die Nowaja Gaseta Europa berichtet, dass Telegram-Nutzer seit dem 1. Mai mehr als 6.600 Beiträge und knapp 40.000 Kommentare zur Krise verfasst haben. Die intensivsten Diskussionen konzentrieren sich auf die annektierte Krim, Moskau, Krasnodar, Rostow, die Oblast Moskau und besetzte ukrainische Gebiete.
Doch trotz des digitalen Aufruhrs bleiben physische Proteste fast völlig aus. Nur eine öffentliche Demonstration wurde offiziell angekündigt: eine Kundgebung in Perm, um gegen die Benzinknappheit zu protestieren. In anderen Regionen wurden keine nennenswerten Versammlungen oder Demonstrationen gemeldet.


