Marine Le Pen startet Präsidentschaftswahlkampf in La Flèche nach Gerichtsurteil, das Verurteilung bestätigt, aber Kandidatur erlaubt
Marine Le Pen hat am Mittwoch offiziell ihren Präsidentschaftswahlkampf in La Flèche gestartet, einen Tag nachdem ein Berufungsgericht ihre Verurteilung wegen Untreue bestätigt, aber ihr Verbot, für ein Amt zu kandidieren, verkürzt hatte. Das sorgte sowohl für Jubel als auch für Buhrufe in der Menge.
Wahlkampfauftakt in La Flèche
Marine Le Pen hat am Mittwoch auf einem Straßenmarkt in La Flèche, einer Stadt im Loiretal, offiziell ihren Präsidentschaftswahlkampf gestartet. Die Veranstaltung zog eine volatile Mischung aus Jubel und Buhrufen an: Anhänger skandierten „Marine, Präsidentin!“, Gegner riefen „Gib das Geld zurück!“ und „Geh ins Gefängnis!“ Die 57-jährige Le Pen strebt zum vierten Mal die Präsidentschaft an und führt derzeit die Meinungsumfragen für die Wahl 2027 an. Sie wählte La Flèche, eine langjährige linke Hochburg, die im März einen 25-jährigen Bürgermeister des Rassemblement National wählte, und bezeichnete dies als Symbol für die wachsende Reichweite der Partei. Sie sagte der Menge:
Ihr Team veröffentlichte gleichzeitig eine Wahlkampf-Website mit dem Slogan „Für Frankreich, Wiederbelebung“ und einem Bild von Le Pen mit ausgebreiteten Armen. Sie ließ sich bereitwillig mit Unterstützern fotografieren, von denen einer ausrief: „Marine, du bist die Beste!“Das Ziel unseres Wahlkampfs ist es, die Wiederbelebung Frankreichs herbeizuführen.
Gerichtsurteil ebnet Weg
Der Start erfolgte nur einen Tag, nachdem das Pariser Berufungsgericht ihre Verurteilung vom März 2025 wegen Veruntreuung von EU-Parlamentsgeldern zur Bezahlung von Parteimitarbeitern bestätigt hatte. Entscheidend war, dass das Gericht ihr Verbot, für ein Amt zu kandidieren, verkürzte und so ihre Kandidatur ermöglichte. Das Gericht ordnete außerdem an, dass Le Pen ein Jahr lang eine elektronische Fußfessel tragen muss, doch ihre Ankündigung eines endgültigen Rechtsmittels beim obersten französischen Gericht setzte diese Auflage außer Kraft. Der Rassemblement National hatte bereits die Möglichkeit vorbereitet, dass ihr 30-jähriger Schützling Jordan Bardella als Kandidat der Partei antreten würde, doch Le Pens Entscheidung, selbst zu kandidieren, verzögert seine Ambitionen.
- Le Pen wegen Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt
- Berufungsgericht bestätigt Verurteilung, verkürzt aber Kandidaturverbot
- Le Pen startet Präsidentschaftswahlkampf in La Flèche
Politische Landschaft und Umfragen
Le Pen hat zwei frühere Präsidentschafts-Stichwahlen gegen Emmanuel Macron verloren, der nun aufgrund von Amtszeitbegrenzungen von einer dritten Kandidatur ausgeschlossen ist. Ihre Umfragewerte waren noch nie so hoch, und die entscheidende Runde im nächsten Jahr könnte sie gegen den linksextremen Anführer Jean-Luc Mélenchon antreten lassen. Die Verwendung des Wortes „Renaissance“ im Wahlkampf wird weithin als Seitenhieb auf Macron gesehen, dessen eigene Partei diesen Namen trägt. Le Pen stellt den Wettkampf als einen zwischen „dem Volk“ und „der Metropolenelite“ dar, eine Erzählung, die bei Wählern, die von der Ungleichheit desillusioniert sind, Anklang findet. Ihr Online-Plakat zeigt die französische Trikolore und den Untertitel „La Renaissance“.
Reaktionen und Spaltungen
Mehrmals nach dem Gerichtsurteil gefragt, klang Le Pen gereizt und sagte Reportern:
Die gemischte Aufnahme in La Flèche spiegelte die tiefen Spaltungen wider, die ihre Kandidatur hervorruft. Ein französischer Journalist verglich die politische Stimmung mit der Titanic, und Frankreich fühle sich an, als ob es sinke. Le Pen scheint darauf zu setzen, dass die Wähler ihre rechtlichen Probleme übersehen werden, ähnlich wie es die amerikanischen Wähler bei Donald Trump taten.Ich werde nicht meinen gesamten Wahlkampf damit verbringen, rechtliche Angelegenheiten zu analysieren.


