
Polnische Koalition uneins über Rentenalter: Ministerin bezeichnet Plan für kinderlose Frauen als 'grausam'
Familienministerin Agnieszka Dziemianowicz-Bąk erklärte, dass es solange die Linke in der Regierung sei, keine Anhebung des Rentenalters für irgendjemanden geben werde, nachdem ein Koalitionspartner vorgeschlagen hatte, dass kinderlose Frauen länger arbeiten sollten.
Ein Vorschlag, der Empörung auslöste
Ministerin für Fonds und Regionalpolitik Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz brachte kürzlich die Idee vor, das Rentenalter für Männer und Frauen anzugleichen und das Rentenalter von Frauen daran zu knüpfen, ob sie Kinder haben. Nach ihrem Vorschlag müssten kinderlose Frauen länger arbeiten. Der Vorschlag rief sofort eine scharfe Reaktion der Linken hervor, des kleineren Koalitionspartners in Polens Regierung.
Am Sonntagabend trafen sich Politiker der Linken im Rahmen ihrer Sommertour mit Wählern in Kazimierz Dolny. Die Ministerin für Familie, Arbeit und Sozialpolitik Agnieszka Dziemianowicz-Bąk sagte der Versammlung, sie werde häufig nach dem Rentenalter gefragt, wegen dessen, was sie als skandalöse Ideen im öffentlichen Diskurs bezeichnete.
"Grausam und skandalös"
Dziemianowicz-Bąk hielt sich nicht zurück. Sie bezeichnete die Vorstellung, das Renteneintrittsalter einer Frau an die Mutterschaft zu knüpfen, als grausam und warnte, dass damit diejenigen bestraft würden, die keine Kinder bekommen könnten.
Das ist grausam. Das bedeutet, dass eine Frau, die keine Kinder bekommen kann, mit längerer Arbeit bestraft werden soll, anstatt ihr zum Beispiel mit staatlich finanzierter In-vitro-Fertilisation zu helfen.
Sie fügte hinzu, dass die Entscheidung für Kinder eine private Wahl jeder Familie sei.
Die rote Linie der Linken
Die Familienministerin machte deutlich, dass ihre Partei ihre Position in der Regierung nutzen werde, um jede Erhöhung des Rentenalters zu blockieren.
Als Linke sagen wir ein klares 'Nein' zu solchen Ideen. Ich möchte klar kommunizieren: Solange die Linke in der Regierung ist, solange die Linke für diesen Bereich verantwortlich ist, wird es keine Anhebung des Rentenalters für Frauen oder Männer geben. Nicht für Väter, nicht für Mütter, nicht für Kinderlose. Wir werden das Rentenalter nicht anheben.
Alternative Wege
Dziemianowicz-Bąk betonte, dass die Diskussion über das Rentenalter in eine andere Richtung gehen sollte. Sie sagte, die einzig akzeptable Diskussion wäre die Angleichung des Rentenalters nach unten auf 60 Jahre für beide Geschlechter oder die Erleichterung für Menschen, die über das Rentenalter hinaus freiwillig arbeiten möchten. Sie brachte auch die Idee ins Spiel, die Arbeitszeit älterer Arbeitnehmer zu verkürzen, während ihr Gehalt unverändert bleibt, um ihnen mehr Zeit für Erholung zu geben.
Demografischer Hintergrund
Der Konflikt ereignet sich vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft. Laut dem Statistischen Hauptamt Polens (GUS) könnte das Medianalter der Bevölkerung bis 2060 über 50,25 Jahre steigen, etwa 7 Jahre höher als 2024. Die Prognose unterstreicht den langfristigen Druck auf das Rentensystem, auch wenn die Koalitionspartner weiterhin tief gespalten sind, wie darauf reagiert werden soll.

