Große Koalition in Rheinland-Pfalz stolpert über Pharmakürzungen und Lotto-Affäre
Die erste Große Koalition in Rheinland-Pfalz gerät schon vor der ersten Regierungserklärung von Ministerpräsident Gordon Schnieder ins Wanken – Pharmakonzerne kürzen Investitionen, eine Postenaffäre sorgt für Unmut.
Wahl des Ministerpräsidenten
Gordon Schnieder (CDU) wurde vor knapp einem Monat mit deutlicher Mehrheit zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt – dennoch verweigerten acht Koalitionsmitglieder ihm ihre Stimme. Die Abweichler sind zwar weniger als die 19 Enthaltungen, die Cem Özdemir eine Woche zuvor in Baden-Württemberg erlebte, deuten aber auf Unruhe in der frisch gebildeten Großen Koalition hin – just bevor Schnieder in Mainz seine erste Regierungserklärung abgibt.
Pharmainvestitionen zurückgefahren
Zwei Pharmariesen haben der Wirtschaftskraft des Landes einen Dämpfer versetzt. Der US-Konzern Eli Lilly wird den verbleibenden Umfang seiner geplanten Produktionsanlage in Alzey um 50 Prozent im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen reduzieren. Der Standort, der ursprünglich rund 1.000 Arbeitsplätze und Investitionen von 2,5 Milliarden Dollar für injizierbare Medikamente wie das Diabetesmittel Mounjaro und das Abnehmpräparat Zepbound bringen sollte, soll nun Ende 2027 mit weniger Stellen den Betrieb aufnehmen. Gleichzeitig setzt Boehringer Ingelheim, ebenfalls in Rheinland-Pfalz ansässig, geplante Ausgaben in Deutschland für die Jahre 2027 bis 2030 mit einem Gesamtvolumen von 900 Millionen Euro aus. Beide Unternehmen begründen ihre Entscheidungen mit Unzufriedenheit über die Gesundheitspolitik der Bundesregierung.
Lotto-Affäre
Ein umstrittener Versuch, eine zweite Geschäftsführerstelle bei Lotto Rheinland-Pfalz zu schaffen, ist nach hinten losgegangen. Der Kandidat, der frühere Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD), zog sich nach öffentlicher Kritik zurück und erklärte auf Social Media:
Der Plan sorgt zusammen mit der Entscheidung, in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten das Landtagspräsidium auf drei Vizepräsidenten (CDU, SPD, Grüne) zu erweitern, vielerorts für Kopfschütteln.Vertrauen in die Politik ist schnell verspielt – und schwer zurückzugewinnen.
Interner Druck auf die SPD
Nach der Wahlschlappe fordern viele in der Sozialdemokratie eine gründliche Selbstkritik. Kommunale Vertreter und die Jugendorganisation Jusos kritisieren öffentlich Personalentscheidungen und das Fehlen einer ehrlichen Analyse. Marko Boss, Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, postete:
Gerade an der kommunalen Basis erleben wir täglich, wie groß die Unzufriedenheit vieler Menschen über einzelne Personalentscheidungen nach der Wahlschlappe ist und wie sehr man sich eine ehrliche Aufarbeitung wünscht.


