
Koalitionsfraktionen einigen sich auf Reformfahrplan bis Jahresende, Bas hinterfragt Krankschreibungsregel
Die Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU und SPD vereinbarten in Münster, Steuer-, Renten- und Arbeitsmarktreformen bis Ende 2026 zu verabschieden, obwohl interne Meinungsverschiedenheiten über Krankschreibung und Frühverrentung wieder aufkamen.
Fraktionsklausur in Münster und Neustart der Koalition
Führungsdelegationen der CDU/CSU- und SPD-Fraktionen schlossen am Freitag eine anderthalbtägige Klausur in Münster ab und legten einen gemeinsamen viermonatigen Fahrplan fest, um die anstehenden innenpolitischen Reformen noch vor Jahresende zu verabschieden. Das Treffen war die erste gemeinsame Klausur für Thorsten Frei als Vorsitzender der Unionsfraktion, nach dem Rücktritt von Jens Spahn und einer Kabinettsumbildung. Gemeinsam mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und dem CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann bemühten sich die Fraktionsvorsitzenden, nach der Kabinettsklausur in Neuhardenberg Einheit zu demonstrieren. Die Zusammenkunft, die Gespräche mit dem Bischof von Münster und dem Vorstandsvorsitzenden von Mercedes-Benz umfasste, fiel mit dem 80. Jahrestag von Nordrhein-Westfalen zusammen. Um dem entgegenzuwirken, was Bundeskanzler Friedrich Merz als vorherrschendes Klima der Unzufriedenheit bezeichnete, stellte Hoffmann die Einigung unter ein neues Motto, den Mut von Münster, und berief sich auf den Geist von Würzburg, der bei ihrer Klausur vor einem Jahr begründet wurde.
Wir wollen Treiber und nicht Nicken der Regierung sein.
Rentenreform und interne Koalitionskonflikte
Die Gesetzesagenda konzentriert sich auf eine Überholung des Rentensystems auf der Grundlage von mehr als 30 Vorschlägen der Rentenkommission der Regierung. Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas beabsichtigen, die Maßnahmen als einheitliches Paket umzusetzen, einschließlich der Abschaffung des abzugsfreien Ruhestands nach 45 Beitragsjahren. Die Abschaffung stößt in beiden Parteien auf Widerstand, mit Ablehnung von drei CDU-Ministerpräsidenten in Ostdeutschland und vier SPD-Ministerpräsidenten. Als Reaktion erwägen die Abgeordneten Härtefallregelungen und Übergangsbestimmungen für körperlich anstrengende Berufe. Bas zeigte sich offen für eine fünfjährige Übergangsfrist und berief sich dabei auf die Vorsitzende der Rentenkommission, Constanze Janda. Regionale Spannungen traten auch in einem Brief von SPD-Abgeordneten aus dem Ruhrgebiet unter der Führung von Markus Töns zutage, die Merz einen Mangel an Respekt in der Kommunikation von Reform- und Ausgabenmaßnahmen vorwarfen.
Das ist ein fester Fahrplan, an dem sich Bürger und Unternehmen nun orientieren können.
- Koalitionsfraktionen begründen gemeinsame Zusammenarbeit bei ihrer Klausur in Würzburg
- Regierungsfraktionen einigen sich auf erstes Reformpaket vor der parlamentarischen Sommerpause
- Bundeskabinett hält Regierungsklausur in Neuhardenberg
- Unions- und SPD-Fraktionsvorsitzende verabschieden viermonatigen Reformfahrplan in Münster
- Zieltermin für die Verabschiedung des gesamten Reformpakets durch den Bundestag
- Geplanter Beginn der jährlichen Einkommensteuerentlastung in Höhe von 10 Milliarden Euro
Streit um Krankschreibung und Attestpflicht
Stunden nach dem Ende des Münster-Treffens stellte Arbeitsministerin Bärbel Bas den Koalitionsplan öffentlich infrage, der Arbeitnehmer verpflichtet, am ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen. Bas erklärte, die SPD habe der Attestpflicht ab dem ersten Tag widerwillig zugestimmt, um Forderungen der CDU/CSU nach unbezahlten Wartetagen und Kürzungen des gesetzlichen Krankengeldes zu verhindern. Sie argumentierte, dass weitreichende Ausnahmen, wie etwa für Unternehmen mit Tarifverträgen, die Regel untergrüben, und warnte, dass Arztbesuche am ersten Tag kurze Krankheiten in wochenlange Abwesenheiten verwandeln könnten. Bas kündigte zudem an, sie werde keinen Umsetzungsvorschlag vorlegen, bis Gesundheitsminister Carsten Linnemann begleitende Maßnahmen zur Sicherstellung von Arztterminen und Schlaganfallprävention vorstellt.
Ich bin loyal zur Koalition, aber wir sollten uns noch einmal fragen, ob das Sinn ergibt.
Steuerverhandlungen und der gesetzgeberische Fahrplan bis Jahresende
Die Einkommensteuerreform bleibt ein weiterer strittiger Punkt im Gesetzeskalender. Während sich die Koalition auf eine jährliche Einkommensteuerentlastung von 10 Milliarden Euro ab 2028 geeinigt hat, kritisierten Unionsabgeordnete den Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil, weil er die inflationsbedingte kalte Progression nicht ausgleiche. Die SPD hielt dagegen, dass eine weitergehende Entlastung Zugeständnisse der Union beim Spitzensteuersatz oder bei der Erbschaftsteuer erfordere, während Parteimitglieder auch eine Vermögensteuer für Milliardäre vorschlugen. Der vereinbarte Münster-Fahrplan beauftragt das Parlament zudem, bis Jahresende Maßnahmen zu befristeten Arbeitsverträgen, Altenpflege, Klimapolitik, Mietrecht, Sicherheit und Bürokratieabbau zu verabschieden.

