
Niederländischer Fußballverband entzieht Gianni Infantino die Unterstützung und ruft zu FIFA-Gipfel in Amsterdam auf
Der Königliche Niederländische Fußballverband hat am Sonntag das Vertrauen in FIFA-Präsident Gianni Infantino entzogen und schlägt einen internationalen Reformgipfel in Amsterdam vor dem Wahltermin im März 2027 vor.
Vertrauensentzug
Der Königliche Niederländische Fußballverband, bekannt als KNVB, gab am Sonntag bekannt, dass er kein Vertrauen mehr in FIFA-Präsident Gianni Infantino habe. Als Gründungsmitglied der FIFA im Jahr 1904 bestätigte der niederländische Verband, dass er Infantino vor der für März 2027 geplanten Präsidentschaftswahl ablehnen werde. Der KNVB hatte Infantino zuvor bei seiner Wiederwahlkampagne 2023 unterstützt, betonte jedoch, dass seine Unterstützung nie bedingungslos gewesen sei. Niederländische Vertreter kritisierten eine übermäßige Machtkonzentration auf das Präsidentenamt und nannten eine unzureichende Aufgabenteilung zwischen Präsident und Führungsstab. Der KNVB teilte seine Schlussfolgerungen in einem formellen Schreiben an UEFA-Präsident Aleksander Ceferin mit, die UEFA lehnte jedoch eine öffentliche Stellungnahme zu dem privaten Schriftwechsel ab.
Wir glauben, dass die FIFA ab 2027 neue Führung braucht. Aber ein neuer Präsident allein reicht nicht. Die Art und Weise, wie die FIFA regiert wird, muss sich ebenfalls ändern.
Vorgeschlagener Amsterdamer Gipfel
Anstatt sich nur auf den Personalwechsel zu konzentrieren, schlug der KNVB vor, einen Internationalen Gipfel zur Zukunft der FIFA in Amsterdam auszurichten. Der Verband lud alle 211 Mitgliedsverbände und Kontinentalverbände der Welt zur Teilnahme an der Konferenz ein. Niederländische Vertreter argumentierten, dass die Fußballbehörden zunächst festlegen müssten, welche Art von Leitungsgremium der Sport benötigt, bevor sie Kandidaten für die Führung prüfen. Der KNVB befürwortete eine Gewaltenteilung, bei der der Generalsekretär die Verwaltungsaufgaben leitet und der Präsident eine globale Repräsentationsrolle übernimmt. Nach diesem Modell würden wichtige politische Entscheidungen an den FIFA-Kongress unter Aufsicht des FIFA-Rats zurückgehen.
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Ursprünge des institutionellen Konflikts
Die Beziehungen zwischen den europäischen Leitungsgremien und Infantino verschlechterten sich nach der Vorstellung des FIFA-Forward-Enterprise-Vorschlags im Juli 2026. Das Projekt zielte darauf ab, Anteile an den wichtigsten FIFA-Wettbewerben, einschließlich der Männer-Weltmeisterschaft, an Private-Equity-Investoren zu verkaufen. Obwohl Infantino die Initiative Anfang August 2026 nach heftiger Kritik beendete, erklärten die europäischen Verbände, dass der Rückzug das beschädigte Vertrauen nicht wiederhergestellt habe. Die UEFA hatte zuvor einen umfassenden Boykott von FIFA-Wettbewerben erwogen und von einem US-Bundesgericht in Florida die Erlaubnis zur Sammlung von Unterlagen für eine geplante Schweizer Strafanzeige gegen Infantino beantragt. Die UEFA gab den Boykott Ende August auf und gab sechs europäischen Teams die Möglichkeit, an der U-20-Frauen-Weltmeisterschaft in Polen teilzunehmen.
Finanzziele und soziale Prioritäten
Der niederländische Verband strukturierte sein Reformmanifest um drei Säulen: verbesserte Regierungsführung mit unabhängiger Aufsicht, stärkere internationale Zusammenarbeit und die Fokussierung auf soziale Auswirkungen im Zentrum der Entscheidungsfindung. Der KNVB forderte die FIFA auf, bis zu 90 % ihrer ausschüttbaren Einnahmen direkt in die weltweite Fußballentwicklung zu reinvestieren. Diese Mittel sollten Basisinfrastruktur, Jugendentwicklung, Frauenfußballprogramme sowie die Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern unterstützen. Darüber hinaus forderte der Verband die FIFA auf, Menschenrechts-, Nachhaltigkeits- und Antidiskriminierungsstandards zu verbindlichen Kriterien bei der Auswahl künftiger WM-Gastgeber zu machen. Während Infantino in der Vorwoche erklärte, die FIFA müsse sich auf die Verringerung der finanziellen Unterschiede zwischen reichen und Entwicklungsländern konzentrieren, betonte der KNVB, dass Reformen kein isoliertes europäisches Projekt sein dürften.


