
KNDS-Chef: Panzerhersteller könnte 2026 an die Börse gehen – Umsatz steigt um 30 %
Der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS hält die Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang im Jahr 2026 aufrecht, nachdem der für Juli geplante Gang aufs Parkett verschoben wurde. Für das Gesamtjahr wird ein Umsatzwachstum von rund 30 % erwartet.
Marktumfeld und Börsenpläne
Der deutsch-französische Hersteller gepanzerter Fahrzeuge KNDS ist weiterhin auf einen möglichen Börsengang im Jahr 2026 vorbereitet, sollte das Marktumfeld den Erwartungen der Anteilseigner entsprechen. Der Aufsichtsrat hatte Ende Juni 2026 entschieden, die Transaktion wegen veränderter Bewertungen im Rüstungssektor auf Eis zu legen. Vorstandschef Jean-Paul Alary erklärte, die Unternehmensführung habe vom Aufsichtsrat die ausdrückliche Weisung erhalten, für einen unmittelbaren Börsengang in Bereitschaft zu bleiben. Der Konzern war vor zehn Jahren aus der Fusion des französischen Staatsunternehmens Nexter mit dem deutschen Hersteller Krauss-Maffei Wegmann entstanden. Wäre der ursprüngliche Zeitplan im Juli 2026 umgesetzt worden, hätte das Unternehmen in diesem Oktober seinen neunzigsten Tag als börsennotiertes Unternehmen begangen.
Der Börsengang ist vorerst ausgesetzt, aber nicht abgesagt.
Ein Börsengang im Jahr 2026 ist weiterhin möglich, sofern das Marktumfeld den Erwartungen der Anteilseigner entspricht.
Aktionärsstruktur und Beteiligung der KfW
KNDS wird derzeit zu gleichen Teilen von 50 % vom französischen Staat und von der deutschen Familie Wegmann über deren Holding gehalten. Die etablierte Referenzstruktur für die Transaktion sieht vor, dass jeder der beiden bestehenden Eigentümer 10 % seiner Anteile verkauft, um einen Streubesitz von 20 % zu schaffen. Diese Transaktion ist unmittelbar damit verbunden, dass der Bund über die staatliche Förderbank KfW eine eigene Beteiligung erwirbt. Die geplante Transaktionsstruktur würde Frankreich und Deutschland mit identischen Anteilen von 40 % zurücklassen und Berlin gleiche Mitbestimmungsrechte einräumen. Das Rahmenwerk für das öffentliche Angebot soll zudem Privatanlegern ermöglichen, Aktien neben institutionellen Fonds zu zeichnen. Die Beratungsgesellschaft EY berichtete, dass Börsengänge in Deutschland in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern verhalten blieben.
- Französischer Staat
- 40 %
- Deutscher Staat
- 40 %
- Streubesitz
- 20 %
Marktdruck und Bewertung im Rüstungssektor
Europäische Rüstungsaktien hatten zuvor starkes Anlegerinteresse verzeichnet, befeuert durch steigende Militärbudgets weltweit und in der Europäischen Union. In den vergangenen Monaten geriet der Sektor jedoch anhaltend unter Druck, da Anleger Gewinne mitnahmen und die Branche kritischer prüften. Die Aktien von Rheinmetall, Deutschlands größtem Rüstungsunternehmen und wichtigstem Bewertungsmaßstab für KNDS, sind um mehr als 50 % von ihrem Höchststand von rund 2.000 Euro vor einem Jahr gefallen. Die Stimmung am deutschen Markt wurde zusätzlich gedämpft, als Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius das Beschaffungsprogramm für die Fregatte F126 beendete. Berichte deuteten darauf hin, dass die Familie Wegmann eine Unternehmensbewertung zwischen 12,5 und 15 Milliarden Euro anstrebte; Alary erklärte jedoch, KNDS habe diese Bewertungszahl nie offiziell bestätigt.
Produktionswachstum und politische Erwägungen
Die operative Nachfrage nach gepanzerten Kampffahrzeugen wächst bei den europäischen Armeen trotz der Börsenschwankungen weiter. KNDS, Hersteller des Kampfpanzers Leopard 2, rechnet für das Gesamtjahr mit einem Umsatzwachstum von rund 30 %. Der Hersteller treibt aktiv industrielle Partnerschaften voran, um die Produktionskapazitäten an seinen Standorten auszuweiten. Das Management betrachtet einen früheren Börsengang als operatives Instrument zur Finanzierung der künftigen Unternehmensexpansion und will ihn nicht über 2026 hinaus verschieben. Eine Verschiebung ins Jahr 2027 birgt das Risiko, mit dem französischen Präsidentschaftswahlkampf zusammenzutreffen – ein Umstand, der nach Alarys Worten politische Unsicherheit für Transaktionen mit staatlichem Vermögen mit sich bringt.
- Der Aufsichtsrat setzt den für Juli geplanten Börsengang wegen des Marktumfelds aus
- Ursprünglich anvisiertes Zeitfenster für den Börsengang verstreicht
- CEO Jean-Paul Alary bestätigt, dass ein Börsengang 2026 bei günstigem Marktumfeld weiterhin möglich ist

