Wasserstoffbereite Industrie-KMU haben Anschlussprobleme, da Deutschlands Kernnetz Großverbraucher priorisiert
Während die Wasserstofftechnologie für die industrielle Nutzung ausgereift ist, soll das geplante 9.000 km lange deutsche Kernnetz vor allem Großverbraucher anbinden und viele mittelständische Firmen wie die HMT Höfer Metall Technik zwingt, eigene Wege zu gehen.
Wasserstoff als Hebel zur Dekarbonisierung
Wasserstoff gilt als ein Schlüsselfaktor zur Dekarbonisierung der Industrie, insbesondere in Bereichen, die hohe Temperaturen benötigen (Gießereien, Glaswerke, Chemie) und wo eine Elektrifizierung nicht einfach ist. Grüner Wasserstoff soll fossile Brennstoffe ersetzen und die CO₂-Emissionen deutlich senken.
Ein Netz für Großabnehmer
Das deutsche Wasserstoffkernnetz, das Ende 2024 von der Bundesnetzagentur genehmigt wurde, soll bis 2032 rund 9.000 Kilometer umfassen. Ein Großteil baut auf umgewidmete Erdgaspipelines auf und verbindet große Industriezentren, Speicherstätten, Produktionsanlagen und Importpunkte. Die Auslegung lässt jedoch viele kleine und mittlere Unternehmen ohne direkten Anschluss.
HMTs ‚Operation am offenen Herzen‘
Ein solches KMU ist die HMT Höfer Metall Technik in Hettstedt, Sachsen‑Anhalt. Mit rund 250 Mitarbeitern produziert das Unternehmen Aluminiumprofile und -gussteile für die Automobilindustrie. Seit 2021 forscht es an Wasserstoff für seine Schmelzöfen, in Zusammenarbeit mit dem Gas‑ und Wärme‑Institut (GWI) und der Otto‑von‑Guericke‑Universität Magdeburg. Die ersten Versuche mit Wasserstoff sollen in den kommenden Wochen beginnen.
Die Umstellung einer laufenden Produktion ist eine Operation am offenen Herzen. Die Anlagen müssen modernisiert werden, ohne die Produktion zu stoppen oder die Produktqualität zu beeinträchtigen.
Technologie bereit, Versorgung fehlt
Anne Giese vom GWI sagt, die Technologie selbst sei weitgehend ausgereift. Moderne Brennersysteme können bereits mit Erdgas, Wasserstoff oder Gemischen betrieben werden. Bisherige Tests hätten keine Hinweise darauf ergeben, dass Wasserstoff die Aluminiumeigenschaften verändere, doch nun seien reale Produktionsversuche nötig. Das größere Hindernis sei die Versorgung: Viele KMU würden nicht an das Kernnetz angeschlossen und müssten eigene Wasserstoffquellen finden.
Die Technologie ist ausgereift. Die Herausforderung ist jetzt die Versorgung – viele kleine und mittlere Unternehmen werden keinen direkten Anschluss an das Wasserstoffkernnetz bekommen.
Wettbewerbsvorteil trotz Kosten
Für HMT könnte klimafreundliches Aluminium zu einem Wettbewerbsvorteil werden, wenn der wirtschaftliche Rahmen sich verbessert, sagt Schwarz. Das Unternehmen beliefert bereits die Automobilindustrie, wo die Nachfrage nach kohlenstoffarmen Materialien steigt. Aber ohne garantierte, bezahlbare Wasserstoffversorgung bleibt der Investitionsfall unsicher.
- Deutsches Wasserstoffkernnetz von der Bundesnetzagentur genehmigt
- HMT beginnt mit ersten Wasserstofftests in seinen Schmelzöfen
- 9.000 km langes Wasserstoffkernnetz soll fertiggestellt sein
Die Meilensteine des Infrastrukturausbaus und der Praxistests zeigen die Kluft zwischen nationaler Planung und der Realität der KMU. Während das Kernnetz auf seine 2032er Deadline zusteuert, treiben Unternehmen wie HMT ihren eigenen Wandel voran – oft ohne zu wissen, wann und wie sie den benötigten Wasserstoff bekommen.


