
Rund 10.000 marschieren in Stockholm und fordern Klimaschutz vor der schwedischen Wahl
Rund 10.000 Demonstranten beteiligten sich drei Wochen vor der Parlamentswahl am 13. September an einem Marsch durch Stockholm und protestierten gegen die Absenkung der nationalen Emissionsziele.
Mobilisierung in Stockholm
Rund 10.000 Menschen zogen am Sonntag durch die Straßen Stockholms, um stärkere Maßnahmen der Regierung gegen den Klimawandel zu fordern. Nach Angaben von Polizei und Organisatoren beteiligten sich etwas mehr als 200 Umweltgruppen und zivilgesellschaftliche Organisationen an der Veranstaltung. Der Marsch begann um 13:00 Uhr Ortszeit (11:00 Uhr GMT) in friedlicher Atmosphäre und brachte Jugendgruppen, Sportverbände, Gewerkschaften, ländliche Vereinigungen, Forscher, Religionsgemeinschaften und Menschenrechtsorganisationen zusammen. Die Demonstranten versammelten sich, um ihrer Besorgnis über die Änderungen der nationalen Umweltpolitik vor der bevorstehenden Parlamentswahl Ausdruck zu verleihen. Unter den Erstteilnehmern war die 21-jährige Studentin Kliff Lindberg, die anmerkte, dass die große Beteiligung denen, die sich um das Thema sorgten, ein beruhigendes Gefühl gab.
Wir sind so viele Menschen, die sich um dieses Problem sorgen.
Die Klimaaktivistin Greta Thunberg schloss sich der Demonstration an und sprach mit AFP über die politische Reaktion auf Umweltbelange. Thunberg erklärte, dass keine der Parlamentsparteien Pläne vorgelegt habe, die dem von Klimaforschern empfohlenen Maßnahmenumfang entsprechen.
Es gibt absolut keine Partei in Schweden, die auch nur ansatzweise eine Politik vorschlägt, die dem nahekommt, was die Wissenschaft sagt, damit wir eine Klimakatastrophe vermeiden können.
Thunberg fügte hinzu, dass fehlende Kurskorrekturen zu einem umfassenden ökologischen Zusammenbruch führen würden, und erklärte, dass Anzeichen des Zusammenbruchs bereits sichtbar seien.
Streit um nationale Emissionsziele
Der Protest konzentrierte sich auf die Umweltbilanz der rechtsgerichteten Regierung von Ministerpräsident Ulf Kristersson, die 2022 mit parlamentarischer Unterstützung der Schwedendemokraten ihr Amt antrat. Nach ihrer Bildung senkte die Regierung die Steuern auf Benzin und reduzierte die Anforderungen an Kraftstoffhändler, kohlenstoffarme Alternativen beizumischen. Eine offizielle Kommission, die mit der Überwachung der schwedischen Klimaziele beauftragt ist, hat die Regierung wiederholt für diese Maßnahmen gerügt. Die Kommission warnte davor, dass die Lockerung der Kraftstoffauflagen und die Senkung der Transportsteuern zu einem Anstieg der nationalen Emissionen geführt haben, wodurch Schweden Gefahr läuft, seine gesetzlich vorgeschriebenen Ziele zu verfehlen.
- Die rechtsgerichtete Regierung unter Ministerpräsident Ulf Kristersson übernimmt die Macht
- Verian-Umfrage auf SVT zeigt: 37 % priorisieren das Klima vor der Parlamentswahl
- Rund 10.000 Demonstranten marschieren durch Stockholm
- Schweden hält allgemeine Parlamentswahl ab
- Ziel: Reduzierung der Verkehrsemissionen um 70 % gegenüber dem Niveau von 2010
- Ziel: Netto-Null-Emissionen erreichen
Im Rahmen seiner festgelegten Ziele hat sich Schweden verpflichtet, die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors bis 2030 um 70 % gegenüber dem Niveau von 2010 zu senken und bis 2045 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die Regierung Kristersson lehnte formelle Empfehlungen der Überwachungskommission ab, die eine Abschaffung fossiler Brennstoffe durch höhere Steuern auf Benzin und Diesel vorsahen. Als Reaktion auf die Kritik von Umweltorganisationen erklärte die Regierung, der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen müsse schrittweise erfolgen, um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und schwedische Unternehmen zu schützen.
Wahlkampfthemen und Wählerpräferenzen
Die Kundgebung fand drei Wochen vor der Parlamentswahl am 13. September statt, bei der Umfragen zufolge der regierende rechte Block hinter der Opposition liegt. Die Umweltpolitik spielte im Wahlkampf eine herausragende Rolle. Eine vom Institut Verian durchgeführte und am Donnerstag vom öffentlich-rechtlichen Sender SVT veröffentlichte Umfrage ergab, dass 37 % der Befragten das Klima als das wichtigste Thema ansehen, das ihre Wahl beeinflusst. Die Organisatoren der Kundgebung argumentierten, dass sofortige politische Änderungen notwendig seien, um die nationale Ausrichtung vor Beginn der nächsten Legislaturperiode wieder an die wissenschaftlichen Erfordernisse anzupassen.


