Solarpaneele, Drohnen und Sensoren: Franken testet den Kirschgarten der Zukunft
Eine Pilotanlage in der Fränkischen Schweiz kombiniert Photovoltaikmodule mit Kirschbäumen und erntet sowohl Strom als auch Obst – bei gleichzeitigem Schutz vor Hagel und Dürre.
Die Kirschernte in der Fränkischen Schweiz läuft, doch die Erzeuger blicken bereits voraus auf eine widerstandsfähigere Zukunft. Am Obstinformationszentrum in Forchheim überspannt eine neu errichtete Agri-Photovoltaik-Anlage Kirschbäume, erzeugt Strom und schützt die Ernte vor extremen Wetterbedingungen. Die Region ist mit rund 250.000 Kirschbäumen auf 25 Quadratkilometern eines der größten zusammenhängenden Kirschenanbaugebiete Europas.
Ein Doppelnutzendach
Die Solarmodule sind vier Meter über dem Boden montiert, sodass die darunter stehenden Bäume bis zu 3,50 Meter hoch wachsen können. Die Y-förmige Konstruktion leitet Regenwasser in einen Speichertank, der anschließend die Obstplantage bewässert. Aktuelle Tests messen, wie viel Lichtdurchlässigkeit optimal für die Entwicklung von Bäumen und Früchten ist; Sensoren sind direkt an den Pflanzen angebracht. Der Strom deckt bereits den Energiebedarf der Unterrichtsräume und Büros des Zentrums.
Wir wollen zeigen, was technisch möglich ist. Natürlich zeigen wir das Maximum.
Das Dach verhindert, dass Starkregen und Hagel Blätter und Früchte treffen, und blockt übermäßige Sonneneinstrahlung, die bei Kirschen Sonnenbrand verursachen kann. Gleichzeitig produziert es Strom, ohne landwirtschaftliche Flächen zu versiegeln.
Wasser ohne Anzapfen des Leitungsnetzes
Längere Trockenperioden machen künstliche Bewässerung zu einem immer drängenderen Thema. Das System der Pilotanlage leitet gesammeltes Regenwasser direkt zu den Bäumen, sodass selbst während der aktuellen Trockenphase kein Trinkwasser angezapft werden muss. Maußner bezeichnete Wasserspeicherung und Bewässerung als „riesige Themen“ für die Zukunft des Kirschenanbaus in Franken.
Augen am Himmel
Drohnen sind ein weiterer Bestandteil des Zukunftsszenarios. Überflüge könnten Schädlinge früher erkennen und gezielte Gegenmaßnahmen nur dort ermöglichen, wo sie nötig sind. Fruchtgröße, Blattzustand und viele weitere Details ließen sich so schnell aus der Luft erfassen.
Tradition unter Druck
Der Kirschenanbau in der Region steht vor einer Vielzahl von Bedrohungen: Eine einzige Frostnacht im Frühling oder ein Hagelsturm im Juni können die gesamte Ernte vernichten. Die Betriebe kämpfen zudem mit Nachfolgeproblemen, steigenden Kosten und ausländischer Konkurrenz. Trotz der Herausforderungen bleibt Maußner überzeugt, dass die Kirsche eine Zukunft hat.
Das gehört zu unserer Kulturlandschaft.
Jeder Betrieb kann die Versuchsanlage besichtigen und dann entscheiden, welche Lösung individuell passt. Das Zentrum räumt die hohen Kosten einer solchen Anlage ein, insbesondere für Nebenerwerbsbetriebe, betont aber, dass es bei der Demonstration um die Auslotung der technischen Grenzen geht.


