Kurz gefasst
- 20.10.Der Raad van Kerken veröffentlicht den Aufruf, erste Gemeinden melden Platz für drei Personen
- November 2026Eine Kirche bietet im November 2026 zwanzig Plätze an
- 1.12.Eine Kirche hat Plätze frei, sobald ihre Ferienhäuser geräumt sind
Ein landesweiter Aufruf an die Kirchen
Der Raad van Kerken in Nederland richtete den Aufruf am Dienstag, 20. Oktober 2026, über seine Kampagne Actie Onderdak an die Gemeinden. Die Protestantse Kerk in Nederland und die Rooms-Katholieke Kerk gehören zu den Partnern, zusammen mit neunzehn angeschlossenen Konfessionen und mehreren Dachorganisationen. Die Gemeinden werden gebeten, Statusinhaber – Menschen mit Aufenthaltsgenehmigung, die aber noch keine Wohnung haben – für jeweils drei Monate unterzubringen. Im Mittelpunkt stehen Familien mit Kindern; als Unterkunft kommen ein Gemeindesaal, ein leerstehendes Pfarrhaus oder ein Ferienhaus infrage. Die Organisatoren sagen, der Aufenthalt ermögliche es den Familien, ihre neue Umgebung kennenzulernen, bevor sie weiterziehen.
Wohnungsmangel als Hintergrund
Statusinhaber haben Anspruch auf eine Wohnung, doch es gibt zu wenige, sodass viele in Asylzentren des COA bleiben und dort Plätze für Neuankömmlinge blockieren. De Volkskrant berichtete, dass derzeit 19.000 Statusinhaber in diesen Zentren leben, Trouw nannte eine Zahl von mehr als 18.000. Die Organisatoren verweisen zudem auf einen Bericht des Onderzoeksraad voor Veiligheid, der Ende September 2026 feststellte, dass Kinder in Notunterkünften strukturell unsicheren Bedingungen ausgesetzt sind. John van Tilborg, Mitorganisator der Aktion, sagt, die Initiative sei auch eine Reaktion auf diese Situation. Kinder bräuchten ein sicheres Leben, schnellen Zugang zur Schule und Integration in der Gemeinde, in der sie sich niederlassen.
Erste Angebote und Einwände
Innerhalb von Stunden nach dem Aufruf meldeten die ersten Gemeinden Platz. Van Tilborg, der auch das Netzwerk INLIA leitet, beschrieb eine Kirche mit Platz für drei Personen in einem kleinen leerstehenden Küsterhaus. Eine andere Kirche könne im November 2026 zwanzig Plätze mit Duschen und getrennten Schlafzimmern anbieten, eine dritte habe ab dem 1. Dezember 2026 Plätze, sobald ihre Ferienhäuser frei seien.
Nicht jede Kirche ist bereit, Menschen aufzunehmen. Eugen Graas, Priester an der Onze Lieve Vrouwekerk im Zentrum von Amsterdam, sagte, der Aufruf sei sympathisch, doch die Kirche könne keine Übernachtungen anbieten.
„Aber wir haben hier keine Einrichtungen für Übernachtungen.“
Er ergänzte, das Begegnungszentrum der Kirche werde täglich genutzt, und Statusinhaber hätten dort keine Privatsphäre. An der Andrieskerk in Buitenveldert sagte ein Verantwortlicher, in dem Saal könnten etwa achtzig Betten aufgestellt werden, doch dort fänden auch Gottesdienste statt, weshalb die Kirche nicht als Unterkunft gedacht sei.
Reaktionen von Kirche und Regierung
Johan Visser, Scriba der Protestantse Kerk Amsterdam, unterstützte den Aufruf und verknüpfte ihn mit der biblischen Tradition und dem christlichen Sozialdenken.
„Die Aktion des Raad van Kerken passt gut dazu, wie wir als Kirchen gastfreundliche Orte sein wollen.“
Asylminister Bart van den Brink (CDA) habe laut den Kirchen gesagt, der Plan habe ein warmes Herz. Das COA erklärte, es freue sich über jeden zusätzlichen Platz, der entstehe. Die Kosten der Kirchen würden erstattet, INLIA leiste Hilfe und Begleitung, und das COA sorge dafür, dass die Menschen nach drei Monaten an einen neuen Ort weiterziehen könnten. Der nationale Vorstand der Protestantischen Kirche schrieb zudem an seine Gemeinden, die Bilder von Menschen, die in Ter Apel auf Gras oder im Schlamm schliefen, seien schmerzhaft anzusehen. Auch das Bistum Roermond in Limburg hat sich dem Aufruf angeschlossen.
Wie es weitergeht
Die Organisatoren können nur schwer einschätzen, wie viele Statusinhaber die Kirchen aufnehmen können, da noch nicht bekannt ist, wie viele Gemeinden sich anmelden. Auch die Kapazitäten unterscheiden sich von Kirche zu Kirche. Derk Stegeman von der Arbeitsgruppe des Raad van Kerken räumte ein, dass der Mangel nach drei Monaten nicht kleiner sein werde, doch die Kirchen wollten ein Signal senden, dass Menschen einen würdigen Platz zum Wohnen verdienen. Die Christelijke Gereformeerde Kerken, die dem Rat nicht angeschlossen sind, beteiligen sich nicht.