
Niederländische Kinder fahren ab 2027 kostenlos im ÖPNV, Seniorenrabatt entfällt
Ab 2027 reisen Kinder im Alter von 4 bis 11 Jahren kostenlos in allen niederländischen öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn sie von einem zahlenden Erwachsenen begleitet werden. Gleichzeitig wird der automatische Fahrpreisrabatt von 34 Prozent für rund 3,5 Millionen Senioren in Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen gestrichen.
Neue Tarifstruktur
Kinder zwischen 4 und 11 Jahren werden ab 2027 kostenlos in allen niederländischen öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Straßenbahn, U-Bahn) reisen, sofern sie von einem zahlenden Erwachsenen begleitet werden. Bis zu drei Kinder pro Erwachsenem können kostenlos mitfahren. Bereits jetzt reisen Kinder unter 4 Jahren kostenlos, und die nationale Bahn (NS) bietet seit Langem ein kostenloses ‚Kids Vrij‘-Abonnement für unter 12-Jährige an. Der allgemeine Rabatt von 34 Prozent, der derzeit für rund 3,5 Millionen Menschen ab 65 Jahren im Nahverkehr gilt, wird gleichzeitig abgeschafft. An seine Stelle sollen einkommensabhängige Unterstützungsprogramme treten, wobei Details und regionale Unterschiede noch unklar sind.
Gründe für die Änderung
Der Dachverband DOVA (Zusammenarbeit der Provinzen und städtischen Verkehrsregionen) traf die Entscheidung, um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bereits in jungen Jahren zu fördern und Mittel für gezielte Unterstützung einkommensschwacher Fahrgäste freizusetzen. DOVA-Direktor Jan van Selm sagte:
Was man in jungen Jahren lernt, behält man ein Leben lang. Wenn Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern öffentliche Verkehrsmittel nutzen, kommt das den Fahrgästen von morgen zugute.
Die niederländische Regierung unterstützt den Schritt und weist darauf hin, dass er Familien mit knappem Budget die Möglichkeit zu Ausflügen gibt und Kinder an öffentliche Verkehrsmittel heranführt. Ziel ist es, zugleich den Autoverkehr zu reduzieren und eine neue Generation von Fahrgästen aufzubauen.
Kritik von Seniorenverbänden
Seniorenorganisationen haben enttäuscht reagiert. SeniorenNetwerkNL erklärte:
Für viele ältere Menschen sind öffentliche Verkehrsmittel kein Luxus, sondern eine notwendige Einrichtung, um unabhängig zu bleiben. Der 34-prozentige Rabatt fällt für rund 3,5 Millionen Menschen weg, während diese Gruppe zunehmend mit steigenden Kosten für Wohnen, Pflege und Lebenshaltung konfrontiert ist.
Die Seniorencoalitie, ein Dachverband von Seniorenverbänden, zu dem auch Anbo-Pcob gehört, befürchtet einen ‚Flickenteppich von Regelungen‘, der ärmere Senioren ohne die benötigte Unterstützung zurücklassen könnte. Der ursprüngliche Seniorenrabatt wurde in den 1970er Jahren eingeführt, um soziale Isolation zu verhindern; Kritiker warnen, dass die Streichung ohne klaren Ersatz gefährdete ältere Menschen in die Isolation treiben könnte.
Reaktionen von Fahrgastverbänden und Experten
Der Fahrgastverband Rover begrüßte die Änderung und bezeichnete sie in einer schriftlichen Stellungnahme als ‚eine Frage der Solidarität und Fairness‘. Rover argumentierte, dass die Abschaffung des automatischen Seniorenrabatts finanziellen Spielraum schaffe, um Fahrgäste mit niedrigem Einkommen direkt zu unterstützen, warnte jedoch vor komplexen Antragsverfahren oder digitalen Hürden für das neue System. Professor Erik Verhoef, Raumwirtschaftswissenschaftler an der Vrije Universiteit Amsterdam, sagte, er könne die DOVA-Entscheidung ‚sehr gut nachvollziehen‘ und betrachte sie als eine logische Neuverteilung begrenzter öffentlicher Mittel.
Was bleibt gleich
Der zusätzliche außerhalb der Hauptverkehrszeiten gewährte Rabatt für Senioren in NS-Zügen bleibt nach derzeitiger Information erhalten. Die konkreten einkommensabhängigen Maßnahmen für einkommensschwache Gruppen müssen noch ausgearbeitet werden und können von Region zu Region unterschiedlich ausfallen. Das Ministerium befürwortet die Politik, die Umsetzung erfolgt jedoch auf regionaler Ebene.


