
Russland beschuldigt Ukraine, zwei Raffinerien getroffen zu haben – Kiew nennt Vorwurf erfunden
Moskau zufolge haben ukrainische Drohnen Raffinerien in den Regionen Saratow und Rjasan getroffen, doch Kiew bestreitet dies, und unabhängige Belege liegen nicht vor.
Russlands Raffinerie-Vorwurf
Vize-Regierungschef Alexander Nowak, der den Energiesektor beaufsichtigt, erklärte am Mittwoch, dem 14. Oktober, ukrainische Drohnen hätten zwei Ölraffinerien in den Regionen Saratow und Rjasan angegriffen. Interfax und Tass verbreiteten seine Darstellung, in der er argumentierte, die Angriffe zeigten, dass Kiew sich nicht auf einen Energie-Waffenstillstand zubewege. Nowak nannte die Raffinerien nicht und legte keine Belege vor; eine unabhängige Bestätigung der Angriffe gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Die beiden Regionen tauchen auch in der Nachtzusammenfassung des russischen Verteidigungsministeriums auf, die meldete, die Drohnenangriffe seien von Augenzeugen bestätigt worden.
- Trump kündigt in einem Beitrag in den sozialen Medien einen Energie-Waffenstillstand an
- Das russische Verteidigungsministerium meldet Angriffe auf ukrainische Energie- und Kommunikationsanlagen; Drohnenangriffe über Saratow und Rjasan gemeldet
- Nowak sagt, ukrainische Drohnen hätten zwei Raffinerien getroffen; Kiew dementiert noch am selben Tag
Kiew und lokale Vertreter bestreiten den Vorwurf
Dmytro Lytwyn, Kommunikationsberater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, sagte gegenüber Ukrainska Prawda, es seien keine Raffinerien angegriffen worden, und nannte die russische Behauptung erfunden. Er sagte, ein Rechenzentrum sei erfolgreich getroffen worden und weitere Objekte seien getroffen worden, aber keine Raffinerien. Der ukrainische Generalstab hatte in seinen offiziellen Erklärungen für die Nacht zum 14. Oktober keine Angriffe auf russische Raffinerien gemeldet. The Insider erklärte, es habe in den vergangenen 24 Stunden keine Bestätigung für Angriffe auf russische Energieanlagen gefunden. Die Auswertung der Branddaten von NASA FIRMS zeigte Brände im Industriegebiet Balakowo, die meisten davon in der Nähe eines im Bau befindlichen Sberbank-Rechenzentrums und eines Hüttenwerks, und keine in der Nähe der großen Raffinerie Saratow. Der Gouverneur von Saratow, Roman Busargin, bestätigte einen Angriff auf das Sberbank-Rechenzentrum und meldete Schäden an Wohngebäuden, aber keine Schäden an Energieanlagen. In Rjasan sagte Gouverneur Pawel Malkow, sieben Drohnen seien abgeschossen worden und niemand sei verletzt worden; weder lokale Medien noch Telegram-Kanäle berichteten über Folgen.
Trumps Energie-Waffenstillstand
Trump kündigte am Wochenende des 10. und 11. Oktober in einem Beitrag in den sozialen Medien einen Energie-Waffenstillstand an, wobei die Angaben zum Tag auseinandergehen. Selenskyj sagte, er habe von der Vereinbarung aus diesem Beitrag erfahren und sei bereit, sie zu akzeptieren, wenn Russland dies ebenfalls tue. Ukrainischen Berichten zufolge sollte sie nach Trumps Vorstellung nur Raffinerieangriffe abdecken, nicht alle Energieziele, und Trump hat Fragen zu Verstößen nicht direkt beantwortet. Selenskyj sagte, die Ukraine habe Angriffe auf die russische Ölindustrie ausgesetzt und erwarte, dass Russland Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung einstelle. Trump soll versuchen, Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen, die er für hohe globale Dieselpreise verantwortlich macht. Peskow sagte am Vortag, dem 13. Oktober, es gebe keine konkreten Details zu einem Energie-Waffenstillstand. Am Mittwoch erklärte der Kreml, es sei keine Vereinbarung geschlossen worden, Russland könne sie also nicht brechen.
Angriffe auf die Ukraine gehen weiter
Russische Raketen und Drohnen trafen in denselben Tagen weiterhin das ukrainische Energiesystem. Ukrenergo erklärte, russische Raketen hätten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch drei Wärmekraftwerke in der Region Kiew getroffen und Versorgungsausfälle verursacht. Das russische Verteidigungsministerium meldete an diesem Morgen Angriffe auf Energie- und Kommunikationseinrichtungen, wobei die Zahl der Ziele in einer Darstellung mit sieben und in einer anderen mit acht angegeben wurde. Zu den in den Berichten genannten Orten gehörten das Wärmekraftwerk Darnyzja und das Wärmekraftwerk Kiew 5 in Kiew sowie das Wärmekraftwerk Trypilska in der Region Kiew. Moskau greift die Ukraine weiterhin mit ballistischen Raketen und Drohnen an, während Russland erklärt, die Gespräche über einen Energie-Waffenstillstand, der auch Russland binden würde, liefen noch.
