
US-Regierung zwingt Anthropic zur weltweiten Abschaltung von Fable 5 und Mythos 5; Europa warnt vor Verlust digitaler Souveränität
Das US-Handelsministerium hat Anthropic angewiesen, den Zugang zu seinen fortschrittlichsten KI-Modellen, Fable 5 und Mythos 5, für alle ausländischen Staatsangehörigen zu sperren, was eine weltweite Abschaltung zur Folge hatte. Der Schritt, der mit nationalen Sicherheitsbedenken begründet wurde, stieß bei europäischen Amtsträgern und Führungskräften der KI-Branche auf scharfe Kritik.
Ein plötzlicher globaler Blackout
Am späten Freitag, dem 12. Juni, deaktivierte Anthropic seine beiden fortschrittlichsten KI-Modelle, Fable 5 und Mythos 5, in allen Regionen. Das in San Francisco ansässige Labor handelte nach einer direkten Anordnung des US-Handelsministeriums – erlassen unter der Trump-Administration –, die den Ausschluss aller ausländischen Staatsangehörigen unter Verweis auf die nationale Sicherheit forderte. Da das Unternehmen Nutzer nicht zuverlässig nach Nationalität unterscheiden konnte, war die einzige Möglichkeit zur Einhaltung der Vorgaben die vollständige Abschaltung der Dienste. Der Entwickler Simon Willison verfolgte die Abschaltung in Echtzeit: Um 18:59 Uhr pazifischer Zeit reagierte Fable 5 nicht mehr und Anthropic begann, Nutzer auf das ältere Modell Opus 4.8 umzuleiten.
Warum die Regierung eingriff
Auslöser war ein Bericht, der der Regierung von einer ungenannten dritten Partei – die später von mehreren Medien als Amazon, ein bedeutender Investor von Anthropic, identifiziert wurde – vorgelegt wurde. Darin wurde behauptet, eine Methode gefunden zu haben, um die in Fable 5 eingebauten Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Diese Schutzmechanismen sollten verhindern, dass das Modell für Cyberangriffe, einschließlich der Entdeckung von Software-Schwachstellen sowie der Entwicklung chemischer oder biologischer Waffen, missbraucht wird. Anthropic bezeichnete die entdeckte Lücke als „eng“ und die offengelegten Schwachstellen als „geringfügig“. Das Unternehmen betonte, es habe vor der Veröffentlichung tausende Stunden damit verbracht, seine Sicherheitsmaßnahmen gemeinsam mit Regierungsstellen und unabhängigen Experten zu testen. Dennoch handelte die Regierung umgehend. Das Verhältnis zwischen dem Weißen Haus unter Trump und Anthropic war bereits belastet: Das Unternehmen hatte sich geweigert, dem US-Militär seine Modelle für die Inlandsüberwachung oder für vollautonome Waffensysteme zur Verfügung zu stellen, was es auf eine schwarze Liste der Regierung für Lieferketten brachte.
Europäischer Alarm wegen digitaler Souveränität
Die Abschaltung löste in Europa Schockwellen aus, wo Unternehmen, Forscher und öffentliche Einrichtungen von der US-KI-Infrastruktur abhängig sind. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sagte, der Vorfall habe „mehr als deutlich“ gemacht, dass Deutschland und Europa beim Zugang zu den leistungsfähigsten KI-Modellen dem Wohlwollen Washingtons ausgeliefert seien. Er warnte vor unmittelbaren Auswirkungen auf die industrielle Leistungsfähigkeit, die öffentliche Verwaltung, die Sicherheit und die wissenschaftliche Exzellenz. Die EU-Kommission kündigte an, die praktischen Konsequenzen für europäische Nutzer zu prüfen, und wertete den Vorfall als weiteren Beweis dafür, dass Europa seine technologische Souveränität beschleunigen müsse.
Deutschland und Europa sind beim Zugang zu den stärksten KI-Modellen auf das Wohlwollen der US-Regierung angewiesen. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit unserer klassischen Industrien und Verwaltungen und beeinträchtigt zudem unsere Sicherheit und die Exzellenz unserer Wissenschaft.
„Es ändert die Regeln für die gesamte Branche“
Die Entscheidung stieß sowohl bei Befürwortern als auch bei Skeptikern der KI-Regulierung auf scharfe Kritik. Der Unternehmer Martin Varsavsky bezeichnete die Auswirkungen als „enorm“ und argumentierte, dass jedes Startup, das an Spitzenmodellen arbeite, nun „der Regierung ausgeliefert“ sei. Die Anordnung, so sagte er, „bestraft nicht nur Anthropic. Sie ändert die Regeln für die gesamte Branche.“ Der Forscher Gary Marcus äußerte sich schockiert darüber, dass die Regierung die Wettbewerbsfähigkeit der USA untergraben habe: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Trump-Administration die US-Bemühungen von hinten sabotieren könnte – aber genau das ist gerade passiert.“ Der Schritt ist für eine demokratische Regierung beispiellos. Während China schon lange Beschränkungen in KI-Modelle vor deren Veröffentlichung integriert, hatte noch nie zuvor eine US-Regierung ein heimisches Unternehmen gezwungen, ein bereits eingesetztes, fortschrittliches Modell abzuschalten.
Die Anordnung bestraft nicht nur Anthropic. Sie ändert die Regeln für die gesamte Branche.
Ich hätte nicht gedacht, dass die Trump-Administration die US-Bemühungen von hinten sabotieren könnte – aber genau das ist gerade passiert.
Vom Start bis zum Blackout: eine Chronologie
Die Geschwindigkeit der Ereignisse war bemerkenswert. Anthropic veröffentlichte Fable 5 am 10. Juni, wobei CEO Dario Amodei öffentlich eine „verbindliche Regulierung“ von Spitzen-KI forderte. Bis zum Nachmittag des 12. Juni hatte die Trump-Administration ihre weitreichende Zugangsbeschränkung erlassen. Am selben Abend verschwanden die Modelle für jeden Nutzer auf dem Planeten.
- Anthropic veröffentlicht Fable 5, eine eingeschränkte Version von Mythos 5; CEO Dario Amodei fordert eine verbindliche KI-Regulierung.
- Die Trump-Administration weist Anthropic an, den Zugang zu Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Staatsangehörige unter Verweis auf die nationale Sicherheit zu sperren.
- Anthropic schaltet Fable 5 weltweit ab; der Entwickler Simon Willison dokumentiert den Moment, in dem das Modell nicht mehr reagiert.
- Die EU-Kommission erklärt, sie prüfe die praktischen Konsequenzen; Bitkom warnt vor Risiken für die digitale Souveränität.


