KI-Hedgefonds Situational Awareness muss 16-Milliarden-Dollar-Portfolio an Citadel verkaufen, nachdem Wetten auf Chipaktien nach hinten losgehen
Der vom 24-jährigen Leopold Aschenbrenner geführte Fonds wurde im Juli von einem Halbleiter-Ausverkauf und Nachschussforderungen getroffen, was zu einer nächtlichen Auktion führte, bei der Ken Griffins Citadel den Großteil des Portfolios mit einem Abschlag erwarb.
Leopold Aschenbrenner, der 24-jährige deutsche Gründer des Hedgefonds Situational Awareness, war gezwungen, die überwiegende Mehrheit der Bestände seines Fonds zu verkaufen, nachdem gehebelte Wetten auf KI-Infrastruktur und Chipaktien im Juli 2026 stark gegen ihn gelaufen waren. Der Notverkauf, eine der größten überstürzten Aktientransaktionen in der Geschichte der Wall Street, führte dazu, dass Ken Griffins Citadel ein Portfolio im Wert von rund 16 Milliarden Dollar mit einem Abschlag von mehr als 10% erwarb.
Der Aufstieg eines 'K-Nostradamus'
Aschenbrenners Aufstieg war meteoritenhaft. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Statistik an der Columbia University wechselte er zu OpenAI, wo er an der Kontrolle zukünftiger übermenschlicher KI-Modelle arbeitete. Nachdem er im Frühjahr 2024 von OpenAI entlassen worden war – das Unternehmen sprach von der Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen – verfasste er einen 165-seitigen Aufsatz mit dem Titel „Situational Awareness“, in dem er vorhersagte, dass KI die Gesellschaft schneller verändern würde als allgemein erwartet. Der Aufsatz wurde zur Blaupause für seinen Hedgefonds, den er ohne vorherige Erfahrung in der Finanzbranche gründete. Innerhalb von zwei Jahren wuchs das verwaltete Vermögen von einigen hundert Millionen Dollar auf seinen Höchststand von 45 Milliarden Dollar, wie CNBC und das Wall Street Journal berichten. Ende Juni 2026 meldete Aschenbrenner den Anlegern, dass der Fonds seit Jahresbeginn eine Rendite von mehr als 400% erzielt habe.
Hebelwirkung und eine Zangenbewegung
Hinter den Renditen verbarg sich eine extreme Hebelwirkung. CNBC berichtete, dass Situational Awareness etwa viermal so viel geliehenes Geld wie eigenes Kapital einsetzte. Der Fonds ging konzentrierte Long-Positionen in Halbleiterunternehmen wie dem südkoreanischen SK Hynix und anderen KI-Infrastrukturwerten ein, während er gleichzeitig Softwareunternehmen leerte, von denen er annahm, dass sie durch KI verdrängt würden. Im Juli wirkte sich die Strategie auf beiden Fronten negativ aus. Ein Bericht über einen angeblichen chinesischen Technologiesprung bei der Chipfertigungsausrüstung und ein Artikel des Wall Street Journal über Nvidias Pläne für Garantien in Höhe von rund 250 Milliarden Dollar für OpenAI lösten einen starken Ausverkauf bei Chipaktien aus. Die Aktien von SK Hynix verloren in dieser Woche trotz starker Gewinne bis zu 20%. Gleichzeitig erholten sich die Softwareaktien, was Aschenbrenners Short-Positionen Verluste einbrachte.
Nachschussforderungen und die nächtliche Auktion
Als der Wert der Sicherheiten des Fonds schrumpfte, verlangten die Banken zusätzliche Nachschüsse. Aschenbrenner benötigte sofort Bargeld. Am Mittwoch fand eine Auktion statt, die sich bis spät in die Nacht hinzog. Mehrere Wettbewerber wurden angesprochen. Citadel unter der Leitung von Ken Griffin ging als Sieger hervor und erwarb das Portfolio mit einem Abschlag von mehr als 10% auf seinen aktuellen Wert. Laut New York Times verkaufte Situational Awareness insgesamt Bestände im Wert von mehr als 10 Milliarden Dollar. Der Fonds behielt seine Beteiligung an der KI-Firma Anthropic, die auf schätzungsweise 3,5 bis 5 Milliarden Dollar geschätzt wird; die verbleibenden Investitionen werden auf mehr als 10 Milliarden Dollar beziffert. Aschenbrenner teilte den Anlegern mit, dass der Fonds seit Jahresbeginn immer noch ein Plus von 80% verzeichne.
Dem Rückgang gingen in den letzten Monaten ‚phänomenale Preissteigerungen‘ voraus.
Marktauswirkungen und Erholung
Griffins Eingreifen wird von einigen als Verhinderung einer breiteren Abwärtsspirale bei KI- und Chipaktien angesehen. Die Märkte erholten sich am Donnerstag nach Abschluss des Verkaufs deutlich. Das Handelsblatt merkte an, dass der Kauf durch Citadel den Ausverkauf faktisch gestoppt und zur Stabilisierung des Sektors beigetragen habe. In den sozialen Medien kursierten unterdessen Spekulationen, Griffin könnte die Märkte vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch bewusst verunsichert haben. Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer der Raiffeisen Schweiz, bezeichnete Aschenbrenners Sturz als Lehrbuchbeispiel dafür, dass Gier das Risikomanagement überwältigt habe, und fügte hinzu, der junge Manager sei naiv und unerfahren gewesen.
Eine Hochzeit und eine Warnung
Aschenbrenner soll an diesem Wochenende seine Verlobte Avital Balwit, Stabschefin von Anthropic-CEO Dario Amodei, heiraten. Der Zusammenbruch kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da ihn die Hochzeitsvorbereitungen Berichten zufolge in der entscheidenden Woche abgelenkt haben. Das Ereignis hat auch eine breitere Debatte über die Nachhaltigkeit der KI-getriebenen Markteuphorie ausgelöst. Aschenbrenners Fonds hatte seit seiner Gründung eine Gesamtrendite von 1.551% erzielt, aber wie Kommentatoren anmerkten, können zwei Jahre in einem günstigen Markt den Unterschied zwischen Können und konzentriertem Risiko verschleiern.


