Schweiz kassiert in letzter Minute den Ausgleich gegen WM-Neuling Katar
Ein Kopfball von Boualem Khoukhi in der 95. Minute machte Breel Embólos frühen Elfmeter zunichte – die Schweiz trennt sich von Katar mit einem 1:1-Unentschieden, das für Katar den ersten WM-Punkt der Verbandsgeschichte bedeutet.
Die Hoffnungen der Schweiz auf eine dominante WM-Kampagne erhielten am ersten Spieltag einen Dämpfer: Im Levi’s Stadium in Santa Clara (Kalifornien) reichte es nur zu einem 1:1 gegen Katar. Kapitän Granit Xhaka hatte zuvor die „beste WM aller Zeiten“ für sein Team versprochen, doch eine verschwenderische Chancenverwertung und ein spätes Abwehrversagen verhinderten den Sieg gegen eine Mannschaft, die erst ihr zweites WM-Turnier bestreitet.
Umstrittener Elfmeter bringt die Führung
In der 17. Minute ging die Schweiz in Führung, als Katars Torhüter Mahmud Abunada Remo Freuler im Strafraum zu Fall brachte. Breel Embolo verwandelte den Strafstoß souverän, doch TV-Wiederholungen deuteten darauf hin, dass Freuler vor dem Foul im Abseits gestanden haben könnte. Die VAR-Prüfung bestätigte Schiedsrichter Said Martínez’ Entscheidung – beim ehemaligen FIFA-Referee Thorsten Kinhöfer sorgte das für Unverständnis.
Ich hätte ein Abseits erwartet. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Kamera eine falsche Perspektive gezeigt hat oder die halbautomatische Abseitslinie versagt hat.
Auch Per Mertesacker, Weltmeister von 2014 und als TV-Experte im Einsatz, zeigte sich irritiert über die ausbleibende Abseitsflagge. Die Schweiz beschwerte sich nicht und kontrollierte den Rest der ersten Halbzeit.
Vergebene Chancen
Trotz Ballbesitzdominanz und mehreren klaren Torchancen gelang es der Schweiz nicht, die Führung auszubauen. Dan Ndoye war auf dem Flügel stets gefährlich, blieb aber ohne Torerfolg, während Katars Keeper Abunada mehrere starke Paraden zeigte. Kurz vor der Pause musste Gregor Kobel gegen Edmilson Junior aus kurzer Distanz klären – eine Warnung, dass Katar in Kontern gefährlich sein kann.
Nach dem Seitenwechsel ließ das Tempo spürbar nach. Die Schweizer hatten lange Phasen sterilen Ballbesitzes und konnten eine zunehmend organisierte katarische Abwehr nicht bezwingen. In der zweiten Halbzeit glich die Partie zeitweise einem Testspiel in der Saisonvorbereitung; selbst die Geräuschkulisse im Stadion verebbte, bis während der Trinkpausen Musik lief.
Bestrafung in letzter Minute
Gerade als die Schweiz auf dem Weg zu einem knappen Sieg schien, schlug Katar tief in der Nachspielzeit zu: Eine hohe Flanke in den Strafraum erreichte Boualem Khoukhi, der erst wenige Minuten zuvor eingewechselt worden war und wuchtig einköpfte. Der Ball schlug neben Kobel ein und löste bei den katarischen Spielern und Betreuern ausgelassene Szenen aus.
Wir sind hungriger denn je.
Xhakas Aussagen vor der Partie wirken nun hohl. Die Schweiz muss sich rasch sammeln, bevor am Donnerstag (21:00 Uhr MESZ) in Los Angeles das Spiel gegen Bosnien-Herzegowina ansteht. Für Katar hingegen ist dieser Punkt ein historischer Meilenstein: Nie zuvor hatte der Verband bei einer WM etwas geholt; 2022 als Gastgeber waren alle drei Vorrundenspiele verloren gegangen.
- Anstoß im Levi's Stadium, Santa Clara
- Elfmeter für die Schweiz; Breel Embolo trifft (1:0)
- Edmilson Junior zwingt Gregor Kobel zu einer Glanzparade
- Boualem Khoukhi köpft den Ausgleich (1:1)
Wie es weitergeht
Das Schweizer Team kehrte unmittelbar nach der Partie an seinen Stützpunkt in San Diego zurück. Trainer Murat Yakin muss die schwache Chancenauswertung beheben, wenn die Mannschaft in einer Gruppe, zu der auch Bosnien-Herzegowina gehört, Erster werden will. Katar, unter Julen Lopetegui trainiert, wird aus der disziplinierten Defensivleistung und dem von wenigen vorhergesagten Ergebnis Selbstvertrauen ziehen.


