
Katalonien entlässt Bildungschef nach ungültigen 23,2 % PISA-Testausnahmen
Die katalanische Bildungsministerin Esther Niubó entließ die Generalsekretärin Teresa Sambola und leitete Disziplinarmaßnahmen gegen drei Beamte ein, nachdem eine Ausnahmerate von 23,2 % bei Schülern die regionalen PISA-Ergebnisse 2025 ungültig gemacht hatte.
Verwaltungsentlassungen und Disziplinarmaßnahmen
Die katalanische Ministerin für Bildung und Berufsbildung Esther Niubó gab am Montag die Entlassung von Generalsekretärin Teresa Sambola bekannt, nach einer internen Untersuchung zu Unregelmäßigkeiten bei den PISA-Tests. Marta Clari, zuvor Leiterin für soziale Rechte, Gesundheit, Zusammenarbeit und Gemeinwesen im Stadtrat von Barcelona, wurde als Sambolas Nachfolgerin benannt. Die Behörde leitete Disziplinarverfahren gegen zwei Beamte und einen leitenden Angestellten ein, um die Verantwortlichkeit für die Testverfahren zu klären. Während Niubó die Umstrukturierung der Führung als Teil eines Bemühens beschrieb, die Bildungsqualität zu beschleunigen, räumte sie ein, dass die Testkontroverse als Katalysator für die Entscheidung diente. Die Verwaltungsänderungen erfolgen eine Woche vor Wiedereröffnung der katalanischen Schulen für das neue Schuljahr.
Ausnahmeraten und unbeachtete Warnungen
Eine vor sechs Monaten eingeleitete interne Untersuchung ergab, dass 23,2 % der ausgewählten 15-jährigen katalanischen Schüler von den PISA-Tests 2025 befreit wurden, die zwischen dem 31. März und dem 16. Mai stattfanden. Die Ausnahmerate überstieg deutlich die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung festgelegte Höchstgrenze von 5 %, wodurch die regionalen Daten für den bevorstehenden Bericht vom 8. September ungültig wurden. Ausnahmen wurden für Schüler mit unzureichenden Sprachkenntnissen sowie kognitiven, verhaltensbezogenen oder emotionalen Herausforderungen gewährt. Zwischen April und Mai 2025 gab das Nationale Institut für Bildungsbewertung sieben separate Warnungen zur erhöhten Ausschlussrate heraus, beginnend mit einer ersten Mitteilung am 9. April. Die Warnungen erreichten den inzwischen aufgelösten Obersten Rat für Bewertung des Bildungssystems, wurden jedoch weder der Ministerin noch den einzelnen Schulen übermittelt.
- Katalonien 2025
- 23.2 %
- Von der OECD empfohlene Höchstgrenze
- 5 %
Die Verantwortung lag bei der Behörde und wir übernehmen sie.
Gewerkschaftsreaktionen und geplanter Streik
Die Bildungsgewerkschaften lehnten die Entlassungen als unzureichend ab und argumentierten, dass Personalveränderungen die tieferen strukturellen Defizite nicht beheben. Die Gewerkschaft Ustec-Stes forderte eine unabhängige Prüfung, vollständigen Zugang zu den Testunterlagen und die sofortige Wiederaufnahme der Branchenverhandlungen und wies darauf hin, dass die Verwaltung seit März von den Ausnahmen wusste. Laura Gené, Generalsekretärin der CGT Ensenyament, kritisierte die Ministerin dafür, dass sie Ankündigungen machte, ohne direkt mit den Gewerkschaftsvertretern zu verhandeln. Die Lehrer haben für den 8. September, den ersten Tag des Schuljahres, einen ganztägigen Streik ausgerufen, wegen nicht eingehaltener Zusagen zu Raumtemperaturkontrollen und Schüler-Lehrer-Verhältnissen. Vertreter der Gewerkschaft Aspepc-Sps fragten, warum ausgeschlossene Schüler die Prüfung nicht zu einem späteren Zeitpunkt ablegen durften.
- Das Zeitfenster für die PISA-Bewertungstests öffnet sich in Katalonien
- Nationales Institut für Bildungsbewertung sendet erste Warnung zu Ausschlussraten
- PISA-Testzeitraum endet in den teilnehmenden Schulen
- Bildungsbehörde entlässt Generalsekretärin und leitet drei Disziplinarverfahren ein
- Geplante Veröffentlichung des OECD-PISA-Berichts und geplanter Streik der katalanischen Lehrer
Parlamentarische Reaktionen und politischer Druck
Oppositionsparteien im katalanischen Parlament forderten vollständige ministerielle Erklärungen und langfristige Strukturreformen. Anna Erra, Bildungssprecherin von Junts, reichte einen formellen Antrag ein, dass Niubó vor einem parlamentarischen Ausschuss erscheinen solle, um die vollständigen Ergebnisse des Ressortberichts offenzulegen. Oriol Junqueras, Vorsitzender der Republikanischen Linken Kataloniens, erklärte, dass Verwaltungssanktionen allein die Herausforderungen im Klassenzimmer nicht lösen würden, und erneuerte seine Forderung nach einem unabhängigen Expertenrat mit einem 12-jährigen Mandat. David Cid, parlamentarischer Sprecher der Comuns, bezeichnete den Umgang der Verwaltung mit den sieben ministeriellen Warnungen als Versagen. Beide Parteien forderten die Regierung von Salvador Illa auf, einen breiten nationalen Pakt mit dem Bildungssektor auszuhandeln.
