Regierung · Kremmen und Berlin
Gesetzliche Krankenkassen fordern 2,5 Mrd. Euro zusätzlich für Sparpaket, sonst drohen Beitragserhöhungen
Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben gewarnt, dass das geplante Sparpaket der Bundesregierung um mindestens 2,5 Milliarden Euro aufgestockt werden müsse, um Beitragserhöhungen im nächsten Jahr zu verhindern. Hintergrund ist ein sprunghafter Anstieg der Ausgaben im ersten Quartal um 8 Prozent.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von Wirtschafts Woche, DIE WELT, Süddeutsche Zeitung und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Krankenhausbehandlungen legten um 9,4 %, Arztbesuche um 7,3 % und Arzneimittel um 6,4 % zu – weit mehr als von der Regierung prognostiziert.
Die Lücke für 2027 ist um 3,5 Mrd. Euro gewachsen; der aktuelle Entwurf deckt nur 16,3 Mrd. Euro der nötigen Einsparungen ab.
Oliver Blatt besteht darauf, dass das Sparpaket aufgestockt werden muss. Das zusätzliche Geld soll aus dem Bundeshaushalt und von Pharmarabatten kommen, nicht von Beitragszahlern.
Die Koalition will das Gesetz noch vor der Sommerpause verabschieden; eine Bundestagsabstimmung könnte bereits in der Woche ab dem 23. Juni stattfinden.
Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt bei 3,1 % – über dem offiziellen Ziel von 2,9 %; der Gesamtbeitrag stieg von 15,7 % im Jahr 2020 auf 17,7 %.
- 16.06.GKV-Chef Oliver Blatt warnt vor 2,5 Mrd. Euro Lücke und fordert größeres Sparpaket
- 23.06.Mögliche Bundestagsabstimmung (genaues Datum unbestätigt)
- 15.07.Sommerpause – Frist für Verabschiedung des Gesetzes
Ausgabenanstieg
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) meldete für das erste Quartal 2026 einen unerwartet hohen Kostenanstieg. Die Gesamtausgaben für medizinische Leistungen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent – deutlich über den Prognosen der Regierung. Größter Treiber waren die Krankenhausbehandlungen (plus 9,4 Prozent), gefolgt von ambulanten Arztbesuchen (7,3 Prozent) und Arzneimitteln (6,4 Prozent). GKV-Vorstandsvorsitzender Oliver Blatt bezeichnete die Ausgabendynamik als „nahezu ungebrochen“ und erklärte, die Lage sei „leider etwas schlechter“ als die Regierung noch vor einem halben Jahr angenommen hatte.
- Gesamt
- 8 %
- Krankenhausbehandlungen
- 9.4 %
- Arztbesuche
- 7.3 %
- Arzneimittel
- 6.4 %
Daten aus dem Artikeltext
Sparlücke wird größer
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte ursprünglich jährliche Einsparungen von knapp 20 Milliarden Euro anvisiert, der Kabinettsentwurf umfasst aber nur noch 16,3 Milliarden Euro. Der prognostizierte Finanzierungsbedarf für 2027 ist bereits auf 18,8 Milliarden Euro gestiegen – 3,5 Milliarden Euro mehr als in früheren Schätzungen. Blatt sagte, dass die Kassen ohne zusätzliche 2,5 Milliarden Euro – und idealerweise eine größere Sicherheitsreserve – zum Jahreswechsel durchschnittlich die Beitragssätze anheben müssten.
„Wir wollen eine größere Reserve.“
Der gesamte Beitragssatz, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam tragen, liegt derzeit durchschnittlich bei 17,7 Prozent des Bruttogehalts, nach 15,7 Prozent im Jahr 2020. Der kassenindividuelle Zusatzbeitrag liegt bereits im Schnitt bei 3,1 Prozent – über dem von der Regierung angestrebten Wert von 2,9 Prozent. Blatt sagte, die Kassen wären zufrieden, wenn die Beiträge auf dem Niveau von 3,1 Prozent gehalten werden könnten.
Politischer Zeitplan
Die Koalition aus CDU/CSU und SPD will das Gesetz noch vor der Sommerpause Mitte Juli verabschieden. Eine Abstimmung im Bundestag könnte bereits in der kommenden Woche stattfinden. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat angeordnet, dass das gesamte Sparvolumen nicht weiter reduziert werden dürfe. Widerstand aus der Pharmaindustrie und aus den Reihen der Koalition hat jedoch bereits mehrere geplante Kürzungen abgeschwächt.
Grünen-Haushaltsexpertin Paula Piechotta kritisierte den engen Zeitplan und erklärte, unter den gegebenen Umständen sei es kaum glaubwürdig, bei den Arzneimitteleinsparungen Zugeständnisse zu machen.
„Die Reform nächste Woche durchs Parlament zu peitschen – auf Kosten von Gründlichkeit und Ausgewogenheit.“
Woher das Geld kommen soll
Der GKV-Spitzenverband fordert zwei Hauptquellen für zusätzliche Mittel: einen höheren Bundeszuschuss zu den Krankheitskosten von Sozialhilfeempfängern und höhere Rabatte von Pharmaunternehmen. Blatt machte deutlich, dass es keine zusätzliche Belastung für Beitragszahler oder Patienten geben dürfe. Die Kassen lehnen zudem eine geplante Kürzung der Bundesleistungen für sogenannte versicherungsfremde Leistungen ab und warnen, dass dies lediglich die Kosten auf die Beitragszahler abwälzen würde. „Linke Tasche, rechte Tasche – Bund lässt Beitragszahlende im Regen stehen“, heißt es in den Unterlagen des Verbandes.
Ausblick
Ministerin Warken hat bereits signalisiert, dass das Sparziel im Gesetzentwurf angehoben wird, um weitere Beitragserhöhungen zu verhindern. Da die Finanzierungslücke in einigen Szenarien jedoch auf bis zu 22,8 Milliarden Euro anwächst und die Koalition unter Druck von Gesundheitslobbyisten steht, bleibt eine Lösung vor der Sommerpause unsicher. Sollte kein vergrößertes Paket vereinbart werden, droht den 75 Millionen Versicherten der GKV im Januar eine weitere Beitragserhöhung.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- Wirtschafts WocheKrankenkassenbeiträge steigen: GKV-Chef warnt vor Erhöhung
- DIE WELTGKV-Finanzlücke: Krankenkassen warnen wegen steigender Milliarden-Ausgaben - höhere Beiträge drohen
- Süddeutsche ZeitungKassen fordern Aufstocken des Sparpakets
- Berliner ZeitungGesetzliche Krankenversicherungen fordern mehr Mittel für Beitragsstabilität
- Oliver Blatt
- Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes
- Nina Warken
- Bundesgesundheitsministerin (CDU)
- Friedrich Merz
- Bundeskanzler (CDU)
- Paula Piechotta
- Haushaltspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag
- Orte
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