
Kasachstans regierende Adilet-Partei liegt bei erster Wahl zum Einkammer-Kurultai mit über 70 % vorn
Kasachstan hat am 23. August 2026 vorgezogene Parlamentswahlen für das neue 145 Sitze umfassende Kurultai abgeschlossen. Laut staatlichen Medien und Hochrechnungen errang die präsidentennahe Adilet-Partei zwischen 70 % und 72 % der Stimmen.
Neues Parlament und Hochrechnungen
Kasachstan führte am 23. August 2026 vorgezogene Wahlen durch, um 145 Abgeordnete für sein neues Einkammerparlament, das Kurultai, zu wählen. Die Wahl folgte auf Verfassungsänderungen, die das bisherige Zweikammersystem aus Senat und Meschilis auflösten. Laut Hochrechnungen staatlicher Medien errang die präsidentennahe Adilet-Partei zwischen 70 % und 72 % der Stimmen. Adilet war Anfang 2026 durch die Übernahme der langjährigen Regierungspartei Amanat gegründet worden und übernahm deren Vermögenswerte und Personal. Sieben politische Parteien und 545 Kandidaten standen auf dem Stimmzettel und traten auf Parteilisten mit einer Fünf-Prozent-Hürde für eine fünfjährige Amtszeit an.
- Präsident Tokajew leitet Verfassungsreform zur Abschaffung des Zweikammerparlaments ein
- Neue Verfassung tritt in Kraft und schafft das Einkammer-Kurultai
- Vorgezogene Wahlen in 10.423 Wahllokalen im Inland
- Frist für die Zentrale Wahlkommission zur Bekanntgabe der endgültigen offiziellen Ergebnisse
Wahlbeteiligung und regionale Unterschiede
Die Zentrale Wahlkommission meldete eine vorläufige landesweite Wahlbeteiligung von 74,19 %. 9.352.151 der 12.605.788 registrierten Wähler gaben ihre Stimme ab. Die Behörden öffneten im ganzen Land mit 20,5 Millionen Einwohnern 10.423 Wahllokale im Inland und 79 Standorte in Botschaften und Konsulaten im Ausland. Die Wahlbeteiligung wies erhebliche geografische Unterschiede auf: Die höchste Beteiligung wurde in der Region Turkistan mit 92,16 % verzeichnet, gefolgt von den Regionen Schetissu und Kysylorda. In städtischen Zentren war die Beteiligung deutlich niedriger. In der Hauptstadt Astana lag die Wahlbeteiligung bei 51,67 %, in der ehemaligen Hauptstadt und bevölkerungsreichsten Stadt Almaty bei 43,23 %. Das kasachische Wahlrecht sieht keine Mindestwahlbeteiligung vor, damit die Wahl gültig ist.
- Region Turkistan
- 92.16 %
- Landesdurchschnitt
- 74.19 %
- Astana
- 51.67 %
- Almaty
- 43.23 %
Verfassungsreform und neue exekutive Befugnisse
Das Kurultai wurde durch eine von Präsident Kassym-Schomart Tokajew im Herbst 2025 eingeleitete Verfassungsreform geschaffen; die neue Verfassung trat am 1. Juli 2026 in Kraft. Die Behörden stellten den Übergang zu einem Einkammersystem als Mittel dar, um Gesetzgebungsverfahren zu beschleunigen und die Rolle der politischen Parteien zu stärken. Das neue Parlament hat die Befugnis, Gesetze zu verabschieden, Staatshaushalte zu genehmigen, Misstrauensvoten gegen das Kabinett auszusprechen und Kandidaten für das Amt des Premierministers, der Verfassungsrichter und anderer Staatsorgane zu bestätigen. Die neue Verfassung schuf auch das Amt des Vizepräsidenten. Tokajew erklärte, er werde die Person für den Vizepräsidentenposten innerhalb von zehn Tagen nach der Wahl benennen.
Die internationale Nachrichtenagentur Reuters bewertete das politische Ergebnis der Wahl.
Das Ergebnis dürfte die Macht des Präsidenten über dieses Land, einen wichtigen Exporteur von Energie und mineralischen Rohstoffen, festigen.
Beobachterreaktionen und Wahlkritik
Oppositionsgruppen und unabhängige Beobachter kritisierten den Wahlprozess und verwiesen auf das völlige Fehlen echter Oppositionsparteien und unabhängiger Kandidaten auf dem Stimmzettel. Alle sieben teilnehmenden Parteien – darunter Auyl, Ak Schol, die Volkspartei Kasachstans, Baitak, die landesweite Sozialdemokratische Partei und Respublica – unterstützen die Regierung Tokajews. Die Wähler hatten auch die Möglichkeit, auf ihrem Stimmzettel die Option „Gegen alle“ zu wählen. Mehrere hundert internationale Beobachter und Parlamentarier aus über 40 Ländern, darunter Polen, überwachten die Wahlvorgänge im ganzen Land. Die Zentrale Wahlkommission muss die offiziellen Wahlergebnisse bis zum 30. August 2026 bekannt geben. Danach wird das Kurultai mit den Verfahren zur Bildung der neuen Regierung beginnen.

