Michael Jung gewinnt Einzelgold in der Vielseitigkeit bei den Weltmeisterschaften in Aachen, Deutschland holt Mannschaftssilber
Der deutsche Reiter Michael Jung hat bei den Weltmeisterschaften in Aachen seinen ersten Einzeltitel in der Vielseitigkeit seit 16 Jahren gewonnen. Er beendete den Wettbewerb mit 23,0 Strafpunkten auf dem 18-jährigen Chipmunk. Großbritannien gewann Mannschaftsgold, Deutschland holte Silber und die Vereinigten Staaten Bronze.
Einzelgold für Jung nach 16 Jahren Wartezeit
Michael Jung gewann Einzelgold in der Vielseitigkeit bei den Weltmeisterschaften in Aachen, seinen zweiten Einzeltitel nach Lexington 2010. Auf dem 18-jährigen Chipmunk behielt der 44-jährige Deutsche in der abschließenden Springprüfung die Nerven und beendete den Wettbewerb nach vier Wettkampftagen und drei Phasen mit 23,0 Strafpunkten, knapp vor der Britin Rosalind Canter mit Graffalo und Laura Collett mit London. Jung baute seine Führung am Samstag im Gelände aus, wo er und Chipmunk das einzige Paar unter den Top Fünf waren, das den 5.600 Meter langen Kurs mit 24 Hindernissen ohne Strafpunkte absolvierte. Rund 35.000 Zuschauer verfolgten die Geländestrecke der Vielseitigkeit.
Der Sieg schloss ein persönliches Kapitel der Weltmeisterschaften 2022 in Pratoni del Vivaro, Italien, wo Jung ebenfalls mit Führung in den letzten Tag gegangen war, aber nach zwei Abwürfen mit Chipmunk auf den fünften Platz zurückfiel. In Aachen, als letzter Starter am Sonntagnachmittag, hielt Jung alle Stangen oben, auch wenn die Stangen zwei- oder dreimal klapperten, als Chipmunks Hufe das Holz streiften. Jung und Chipmunk hatten 2024 in Paris auch gemeinsam Olympiagold gewonnen.
Für mich ist er 18 Jahre jung. Man merkt ihm das Alter nicht an, die Begeisterung ist noch voll da, deshalb ist auch nicht ans Ende seiner Karriere zu denken.
Nach dem Gelände hatte Jung die Kraft von Chipmunk über die 24 Hindernisse gelobt.
Er war so kraftvoll. Er kämpft, ergaloppiert, ein unglaubliches Pferd!
- Jung gewinnt ersten Einzeltitel in Lexington
- Chipmunk startet bei den Weltreiterspielen mit Julia Krajewski
- Jung verliert Einzelgold bei der WM in Pratoni del Vivaro nach zwei Abwürfen, fällt auf Platz fünf
- Jung und Chipmunk gewinnen Olympiagold in Paris
- Gelände: Jung und Chipmunk bleiben fehlerfrei über 24 Hindernisse, einziges Top-Fünf-Paar ohne Strafpunkte
- Springfinale: Jung hält alle Stangen oben, gewinnt Einzelgold mit 23,0 Strafpunkten
Mannschaftssilber für Deutschland hinter Großbritannien
Großbritannien holte Mannschaftsgold, das Gastgeberland Deutschland Silber und die Vereinigten Staaten Bronze. Die deutschen Titelverteidiger beendeten den Wettbewerb mit 90,4 Strafpunkten. Die Siegpunktzahl der Briten wurde je nach Quelle mit 80,5 oder 85,0 Strafpunkten angegeben. Das britische Team ging mit einer deutlichen Führung in den letzten Tag, trotz eines Sturzes im Gelände.
Das deutsche Team mit Jung (Chipmunk), Julia Krajewski (Nickel), Malin Hansen-Hotopp (Carlitos Quidditch) und Libussa Lübbeke (Caramia) trat ohne Teamtrainer Peter Thomsen an, der aufgrund eines Reitunfalls fehlte. Krajewski, die Vizeweltmeisterin von 2022, kassierte vier Strafpunkte für einen Springfehler und wurde mit 39,6 Strafpunkten 17. Hansen-Hotopp belegte nach 1,2 Zeitstrafpunkten den neunten Platz. Lübbeke beendete ihre erste Weltmeisterschaft mit 61,1 Strafpunkten auf Rang 41 nach einem Abwurf. Der Einzelreiter Christoph Wahler wurde 16.
Ich heule schon die ganze Zeit. Ich hoffe, dem baut jetzt mal einer ein Denkmal.
Sie bezog sich auf Chipmunk, den sie bei den Weltreiterspielen 2018 geritten hatte, bevor das Pferd zu Jungs Stall wechselte.
Schweizer Team fällt aus dem Medaillenrennen
Das Schweizer Vielseitigkeitsteam fiel nach der Springprüfung vom dritten auf den fünften Platz zurück. Mélody Johner, Felix Vogg, Robin Godel und Nadja Minder hatten die Schweiz nach einem starken Gelände in Medaillennähe gebracht, konnten den dritten Zwischenrang aber nicht halten. Das Team beendete den Wettbewerb mit 128,1 Strafpunkten, ebenfalls hinter Irland. Johner erzielte mit Platz 18 das beste Schweizer Einzelergebnis.
Dressur: Fry doppelt, Werth holt Bronze
In der Dressur gewann die Britin Charlotte Fry sowohl den Grand Prix Spécial unter den besten 30 Paaren als auch die Kür unter den besten 18 und erzielte in letzterer 91,907 Punkte, um ihren Titel vor knapp 40.000 Zuschauern zu verteidigen. Kein Schweizer Paar trat in einer der beiden Dressurentscheidungen an. Die 57-jährige Deutsche Isabell Werth holte Bronze in der Kür, ihre insgesamt 14. WM-Medaille, davon zehn goldene. Werth beschrieb ihren Ansatz als „Flug nach vorne und Risiko, Risiko, Risiko“.


