Brandenburger JU-Chefin verlässt CDU und wirft Partei unter Merz Glaubwürdigkeitsverlust vor
Die Landesvorsitzende der Jungen Union in Brandenburg ist von ihrem Amt zurückgetreten und aus der CDU ausgetreten. Sie wirft der Parteiführung unter Kanzler Friedrich Merz vor, Wahlversprechen gebrochen zu haben und eine Politik zu betreiben, die die arbeitende Bevölkerung belastet.
Rücktritt und Kritik
Laura Strohschneider, die 29-jährige Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) Brandenburg, ist am 30. Juli 2026 von ihrem Amt zurückgetreten und aus der CDU ausgetreten. In einer der dpa vorliegenden Nachricht an die Mitglieder erklärte sie, sie habe das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Partei und die Richtung der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz verloren. Strohschneider, die seit 2016 CDU-Mitglied und seit 2023 Vorsitzende der Brandenburger JU war, legte auch ihr Amt als Ostbeauftragte der JU Deutschland nieder.
Fast zehn Jahre habe ich mich engagiert, weil ich glaubte, dass wir dieses Land wieder voranbringen könnten. Diesen Glauben habe ich verloren.
Sie sagte, sie habe begonnen, Gespräche über ihre politische Arbeit zu vermeiden, weil sie diese nicht mehr rechtfertigen könne. Strohschneider verwies auf die Grundgesetzänderung zur Schuldenbremse und die Einkommensteuerreform als Beispiele für eine Politik, die aus ihrer Sicht das Leben für Leistungsträger erschwert. Sie warnte, dass viele Menschen nach den erwarteten Anstiegen der Sozialabgaben ein sinkendes Nettoeinkommen sehen würden.
Wir haben uns aus ideologischen Gründen in eine Sackgasse manövriert, getrieben von der Angst, den Koalitionspartner zu verlieren, und versäumen es, dringend notwendige Reformen im erforderlichen Umfang durchzusetzen.
Reaktion der Partei
CDU-Generalsekretär Julian Brüning bedauerte den Rücktritt und nutzte den Moment, um schnellere Maßnahmen der Bundesregierung zu fordern. Er sagte, die jüngste Kabinettsumbildung müsse zu fokussierteren und schnelleren Lösungen für die drängenden Probleme des Landes führen.
Wir bedauern den Rücktritt von Laura Strohschneider. Gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir in der Union Menschen, die mit Leidenschaft daran arbeiten, Deutschland wieder auf einen Aufwärtspfad zu bringen.
Brüning fügte hinzu, jeder wisse, was getan werden müsse, und die Regierung müsse nun gemeinsam liefern.
Hintergrund der Kabinettsumbildung
Der Rücktritt erfolgte kurz nach einer größeren Personalrochade, die durch den Weggang des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn ausgelöst wurde. Thorsten Frei, zuvor Kanzleramtschef, übernahm die Fraktionsführung. Nina Warken wechselte vom Gesundheitsministerium an die Spitze des Kanzleramts. Carsten Linnemann, der frühere CDU-Generalsekretär, wurde Gesundheitsminister, und die Schatzmeisterin Franziska Hoppermann folgte ihm als Generalsekretärin. Im Verkehrsministerium wurde Patrick Schnieder durch Steffen Bilger ersetzt, der zuvor parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion war.
- Eintritt in die CDU
- Kreisvorsitzende der Jungen Union Jena
- Wahl zur Landesvorsitzenden der Jungen Union Brandenburg
- Rücktritt als JU-Landesvorsitzende und Austritt aus der CDU
Interner Unmut über Renten
Der Rücktritt verdeutlicht auch die breitere Unruhe innerhalb der CDU. Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten wehren sich gegen eine Empfehlung der Rentenkommission, die Rente ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Ihr Widerstand erhöht den Druck auf die Merz-Regierung, die bereits aus den eigenen Jugendorganisationen Kritik an einem politischen Kurs erntet, der, wie Strohschneider es formulierte, „es den Fleißigen schwerer macht“.
Strohschneiders Abgang hinterlässt die Brandenburger JU in den Händen ihrer Stellvertreter. Sie sagte, sie habe die Organisation bis zur letzten Minute mit Energie geführt und es geschafft, die Mitgliederzahlen entgegen dem Bundestrend zu steigern.


