Regierung · Istanbul, Izmir und Ankara

Türkische Polizei nimmt Dutzende vor Istanbuler Gerichtsgebäude nach landesweiten LGBTQ+-Razzien fest

Beamte zerstreuten Demonstranten und Journalisten am Caglayan-Gerichtsgebäude, während die Proteste gegen die Operation ‚Meine Familie ist sicher‘ mit 162 Verdächtigen in 15 Provinzen zunahmen.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von BBC, Washington Post, N-tv und weiteren Medien. Geändert . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Istanbul, Izmir, Ankara · Türkei
Wie es dazu kam
  1. 13.09.Polizei führt Razzien der Aktion ‚Meine Familie ist sicher‘ in 15 Provinzen durch
  2. 14.09.Gericht in Izmir verhängt Untersuchungshaft gegen 16 Verdächtige; digitale Konten eingeschränkt
  3. 15.09.Polizei löst Gerichts-Demonstration auf und nimmt Dutzende fest

Auflösung der Kundgebung am Gericht und Festnahmen

Die türkische Polizei umstellte und löste am Dienstag eine Demonstration vor dem Caglayan-Gerichtsgebäude in Istanbul auf und nahm Dutzende Teilnehmer fest, die sich gegen eine landesweite Razzia gegen LGBTQ+-Organisationen versammelt hatten. Demonstranten hielten Transparente mit der Aussage, dass es kein Verbrechen sei, LGBTQ+ zu sein und sich zu organisieren, und skandierten Parolen, bevor die Beamten die Versammlung per Lautsprecher für illegal erklärten. Die Schätzungen der Festnahmen vor dem Gerichtsgebäude variieren je nach Quelle: zwischen 80 und 90 nach Angaben der Progressiven Anwaltsvereinigung und der Zeitung Cumhuriyet, 91 in türkischen Medienberichten, die von deutschen Medien zitiert werden, und mindestens 150 nach Angaben von Zeugen, die von Reuters zitiert werden. Zu den Festgenommenen vor dem Gerichtsgebäude gehörten mindestens zwei Journalisten, namentlich ein Reporter der Tageszeitung BirGun und ein türkischer Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen deutschen Senders ARD. Der Journalistenverband der Türkei lehnte die seiner Ansicht nach stattfindende Kriminalisierung des Journalismus nach den Festnahmen ab.

Umfang der Operation „Meine Familie ist sicher“

Der Dienstagsprotest folgte auf polizeiliche Razzien am Wochenende, die im Rahmen einer Operation namens „Meine Familie ist sicher“ koordiniert wurden. Justizminister Akin Gurlek erklärte, dass die Operation 162 Verdächtige, neun Vereinigungen und 13 Unternehmen in 15 Provinzen ins Visier nahm und von den Generalstaatsanwaltschaften in Istanbul, Ankara, Izmir, Aydin und Mersin koordiniert wurde. Regierungsvertreter erklärten, die Maßnahmen dienten dem Schutz von Kindern, der öffentlichen Ordnung und der Institution Familie. Die polizeilichen Aktionen am Wochenende umfassten Razzien in Vereinsbüros, Privatwohnungen und Geschäftsräumen und führten zu etwa 70 Festnahmen, wobei Amnesty International mindestens 60 Festnahmen verzeichnete. Am Montag ordnete ein Gericht in der westlichen Provinz Izmir die Untersuchungshaft für 16 Festgenommene an.

Wochenend-Festnahmen in türkischen Provinzen erfasstPersonen
Istanbul
26 Personen
Ankara
21 Personen
Izmir
18 Personen

Daten aus dem Artikeltext

Digitale Einschränkungen und politischer Hintergrund

Neben den physischen Festnahmen blockierten die türkischen Behörden digitale Plattformen, darunter die Website von KAOS GL, einer der ältesten LGBTQ+-Rechtsorganisationen des Landes, und rund 20 Konten auf der Social-Media-Plattform X. Zu den gesperrten Konten gehörte der offizielle Feed der türkischen Sektion von Amnesty International sowie Seiten von feministischen und Menschenrechtsgruppen. Ein weiterer Journalist, der am Sonntagabend wegen einer Berichterstattung über die LGBTQ+-Bewegung in Georgien festgenommen worden war, sollte am Dienstag einer staatsanwaltschaftlichen Anhörung unterzogen werden. Die Regierung stellte das Vorgehen in den Rahmen der Initiative „Jahrzehnt der Familie und Bevölkerung“, eine nationale Politik, die im Mai 2025 angekündigt wurde, um die sinkenden Geburtenraten zu bekämpfen und traditionelle Familienstrukturen zu fördern. Die türkischen Behörden verbieten die Istanbul Pride seit 2015, und im Sommer 2026 verweigerten die Behörden einem LGBTQ+-Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer die Anlegeerlaubnis.

Reaktionen von Zivilgesellschaft und internationaler Gemeinschaft

Die Razzia stieß auf scharfe Kritik europäischer Menschenrechtsgremien und türkischer zivilgesellschaftlicher Gruppen. Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty, forderte die sofortige Freilassung der wegen ihrer zivilgesellschaftlichen Arbeit Festgenommenen.

„Bloße Verweise auf „Familienwerte“ oder „Kinderschutz“ können nicht als rechtliche Rechtfertigung für Menschenrechtseinschränkungen dienen.“

Michael O'Flaherty, Menschenrechtskommissar des Europarats

In der Türkei unterzeichneten 120 Frauenrechtsorganisationen eine gemeinsame Erklärung, die sich gegen die Regierungsaktion stellt, und argumentieren, dass die Maßnahmen einen Versuch darstellen, die zivilgesellschaftliche Organisation zu unterdrücken. Yildiz Taghizade von der Gruppe „Frauen für die Rechte der Frauen“ erklärte, dass die Politik darauf abziele, LGBTQ+-Bürger aus dem öffentlichen Raum auszuschließen.

„Das Ziel ist nicht nur, LGBTQ+-Menschen ins Visier zu nehmen, sondern der LGBTQ+-Gemeinschaft praktisch zu verbieten, sich politisch zu engagieren, sich zu organisieren, Rechte einzufordern und im öffentlichen Raum präsent zu sein.“

Yildiz Taghizade, Vertreterin

Protestierende vor dem Gerichtsgebäude wiederholten diese Einwände und wiesen auf die zunehmende offizielle Rhetorik gegen sexuelle Minderheiten hin.

„Wir erleben eine Zeit, in der die herrschende Macht versucht, LGBT+-Menschen als Ursache für jedes Problem in dieser Gesellschaft darzustellen.“

Banu Aslan, Demonstrantin

Fragen zu diesem Text

Quellen und Kontext

Pollar ist kostenlos und ohne Werbung im Text. Getragen wird es von seinen Mitgliedern.

Pollar unterstützen