Jodrell-Bank-Observatorium droht Schließung: Großbritannien kürzt Astronomie-Finanzierung und riskiert Physiker-Exodus
Der Science and Technology Facilities Council plant, die Finanzierung des legendären Radioobservatoriums und seines e-Merlin-Netzwerks bis März 2028 einzustellen – Teil von Einsparungen in Höhe von 162 Millionen Pfund, die auch Rubin, La Palma und das Event Horizon Telescope treffen.
Ein Pionierobservatorium
Im Dezember 1945 zog der Physiker Bernard Lovell mit Armee-Überschussradar aufs Land in Cheshire, um kosmische Strahlung zu untersuchen. Stattdessen entdeckte er Funkreflexionen von Meteorspuren und begründete damit die Radioastronomie in Jodrell Bank. Das 1957 fertiggestellte Lovell-Teleskop war damals das größte Radioteleskop der Welt und das einzige Instrument, das den sowjetischen Sputnik-Satelliten verfolgen konnte. Während des Kalten Krieges überwachte die Anlage sowjetische Raketen. 2019 erhielt Jodrell Bank den Unesco-Welterbestatus. Heute ist es das Herzstück von e-Merlin, einem Netzwerk aus sieben Teleskopen, das die nationale Radioastronomie-Kapazität Großbritanniens bildet.
Wissenschaftliches Erbe
Die Radioastronomie hat unser Verständnis des Universums revolutioniert. Mit dieser Technik haben Astronomen rotierende Neutronensterne identifiziert, die Strahlung wie Leuchttürme aussenden, Materie beobachtet, die um supermassereiche Schwarze Löcher wirbelt, und das schwache Nachglühen des Urknalls nachgewiesen. Jodrell Bank war zudem eine Ausbildungsstätte für Generationen von Astronomen.
Das Finanzierungsbeil
Der Science and Technology Facilities Council (STFC) plant, die Finanzierung im März 2028 einzustellen und damit alle wissenschaftlichen Beobachtungen zu beenden, sofern keine alternative Unterstützung gefunden wird. Die BBC berichtet, dass die Beobachtungen am 1. April 2028 eingestellt werden. Das Jahresbudget des Observatoriums beträgt 2,8 Millionen Pfund – ein kleiner Bruchteil des fast 10 Milliarden Pfund umfassenden Budgets von UK Research and Innovation. Der STFC erklärt, er müsse bis 2030 162 Millionen Pfund einsparen, angetrieben durch Kostenüberschreitungen aufgrund explodierender Strom- und Personalkosten sowie ungünstiger Wechselkurse für internationale Kooperationen.
Breitere Astronomie-Kürzungen
Die Schließung von Jodrell Bank ist Teil eines umfassenderen Rückzugs. Die britische Beteiligung am Rubin-Observatorium in Chile, das letzten Monat ein zehnjähriges Projekt zur Aufnahme des größten kosmischen Films aller Zeiten begann, wird um 20 % sinken. Die Finanzierung eines Observatoriums auf La Palma auf den Kanarischen Inseln wird ebenfalls um 20 % sinken, und die Arbeiten am Bison-Sonnenbeobachtungsnetzwerk werden um 40 % gekürzt. Großbritannien zieht sich aus dem Event Horizon Telescope zurück, das das erste Bild eines Schwarzen Lochs aufnahm, und wird nicht mehr am James-Clerk-Maxwell-Teleskop auf Hawaii teilnehmen. Astronomen bezeichneten die Nachrichten als verheerend, schockierend und katastrophal. Wissenschaftler nannten die Entscheidung herzzerreißend und wissenschaftlich fehlgeleitet.
Angst vor einem Exodus
Die Finanzierungskrise droht eine Abwanderung von Forschern auszulösen und trifft die britische Wissenschaft und das nationale Wachstum hart. Der Verlust von Jodrell Bank, einem Ort, der seit Jahrzehnten zukünftige Astronomen ausbildet, könnte einen Physiker-Exodus beschleunigen. Die Betonung des STFC auf Forschung mit größerem Potenzial zur Schaffung neuer Industrien und Arbeitsplätze hat die grundlegende Astronomie verwundbar gemacht.
- Bernard Lovell begründet Radioastronomie in Jodrell Bank
- Lovell-Teleskop fertiggestellt, verfolgt Sputnik
- Unesco-Welterbestatus verliehen
- UKRI kündigt Finanzierungskürzung an
- Alle wissenschaftlichen Beobachtungen enden
- Rubin-Observatorium
- 20 %
- La-Palma-Observatorium
- 20 %
- Bison-Sonnennetzwerk
- 40 %
- Event Horizon Telescope
- 100 %
- James-Clerk-Maxwell-Teleskop
- 100 %

