
Ehemaliger Chirurgie-Chef des Warschauer Krankenhauses kehrt mit Anwalt zur Staatsanwaltschaft zurück, nachdem TV-Interview tödliche Notaufnahmefehler behauptete
Emil Jędrzejewski, ehemaliger Leiter der Chirurgie am Südkrankenhaus Warschau, erschien am Montag zum zweiten Mal vor der Staatsanwaltschaft. Er kam mit seinem Rechtsbeistand, nachdem er zuvor ohne einen solchen die Aussage verweigert hatte.
Die Vorwürfe des Whistleblowers
Emil Jędrzejewski, Chirurg und ehemaliger Leiter der chirurgischen Abteilung am Südkrankenhaus in Warschau, löste mit einem Interview auf dem Kanal Kanał Zero am vergangenen Dienstagabend einen großen öffentlichen Aufruhr aus. Er behauptete, dass in der Notaufnahme des Krankenhauses, die von Dawid Kacprzyk koordiniert wurde, medizinische Eingriffe mangelhaft durchgeführt wurden. Laut Jędrzejewski führten Fehler zu Komplikationen und in einigen Fällen zum Tod von Patienten. Er behauptete zudem, dass Dokumente gefälscht wurden und dass Politiker der regierenden Bürgerkoalition in einem sogenannten „Salonik“ bevorzugten Zugang erhielten.
Dort sterben Menschen, weil jemand lernt. Und das ist der Kern des ganzen Chaos.
Kacprzyk, ein Stadtrat, der zuvor der Bürgerkoalition nahestand, wies die Anschuldigungen zurück und kündigte rechtliche Schritte an. Er hatte zuvor seine Stelle im Krankenhaus verloren, nachdem seine hohen Einkünfte als Arzt ohne Facharztausbildung öffentlich bekannt geworden waren.
Erste Anhörung: Schweigen und ein Zettel
Der Chirurg wurde am darauffolgenden Mittwoch zur Bezirksstaatsanwaltschaft Warschau vorgeladen. Angesichts mehrerer Dutzend Fragen verweigerte er die Aussage mit der Begründung, er wolle ohne Anwalt nicht aussagen. Er reichte lediglich einen Zettel mit den Namen und den Personenkennzahlen (PESEL) zweier Personen ein, die er als Opfer bezeichnete. Eine davon war eine Patientin, die auf der Toilette der Notaufnahme starb; die andere war zuvor in keiner Akte aufgetaucht.
Der Staatsanwalt Piotr Antoni Skiba, der Sprecher der Behörde, sagte, der Zeuge habe „mehrere Dutzend Fragen mit Schweigen übergangen“. Die Ermittler wollten auch ein Telefon sicherstellen, das angeblich eine Nachricht über Fahrlässigkeit im Krankenhaus enthielt, doch Jędrzejewski erklärte, dass das von ihm mitgebrachte Gerät nicht dasjenige sei, von dem die Meldung gesendet worden war.
Zweite Anhörung mit Anwalt
Am Montagmorgen, kurz vor 9 Uhr, kehrte Jędrzejewski zur Staatsanwaltschaft zurück. Dieses Mal wurde er von Rechtsanwalt Tomasz Jendrasiak begleitet. Der Rechtsbeistand betonte den Status des Arztes.
Der Arzt wird als Zeuge geladen. Er ist nicht Verfahrensbeteiligter.
Jendrasiak fügte hinzu, dass etwaige Aussagen nach der Sitzung von dem die Sache führenden Staatsanwalt abhingen. Journalisten, die draußen warteten, erhielten vom Arzt keinen Kommentar.
Politische Einmischung
Premierminister Donald Tusk äußerte sich nach der ersten Anhörung öffentlich und stellte Jędrzejewskis Glaubwürdigkeit in Frage.
Die Glaubwürdigkeit von Herrn Emil Jędrzejewski und seinen sensationellen Aussagen nach einem Vernehmungsversuch durch die Staatsanwaltschaft erscheint zweifelhaft.
Tusk fügte hinzu, dass diejenigen, die für Verleumdungen verantwortlich sind, nicht straffrei ausgehen würden.
Ermittlungen laufen
Die Staatsanwaltschaft führt zwei Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Südkrankenhaus. Eines betrifft Betrug in Höhe von über 500.000 Złoty. Das andere betrifft Amtsmissbrauch durch einen öffentlichen Amtsträger, einschließlich angeblicher Verstöße gegen die Triage-Regeln bei der Einstufung von Notfallpatienten. Beide Ermittlungen laufen unabhängig von der Aussage des Zeugen weiter.
- Jędrzejewski gibt Interview auf Kanał Zero, in dem er tödliche Fehler und Dokumentenfälschung im Krankenhaus behauptet.
- Erste Anhörung bei der Staatsanwaltschaft: verweigert die Aussage ohne Anwalt, reicht Zettel mit Namen zweier angeblicher Opfer ein.
- Zweite Anhörung: erscheint mit Anwalt Tomasz Jendrasiak, behält Zeugenstatus bei.


