Japans Wirtschaft wächst annualisiert um 1,1% im zweiten Quartal, verfehlt Prognosen, da Konsum stagniert
Japans Wirtschaft wuchs im April-Juni annualisiert um 1,1% und blieb damit unter der Markterwartung von 2,0%, da der private Konsum stagnierte und die Investitionsausgaben aufgrund der Störungen durch den Nahost-Krieg um 1,2% sanken.
BIP-Wachstum verlangsamt sich im zweiten Quartal
Die japanische Wirtschaft wuchs im April-Juni-Quartal annualisiert um 1,1%, wie vorläufige Regierungsdaten des Kabinettsbüros am Montag zeigten, und blieb damit hinter den Markterwartungen zurück. Eine Reuters-Umfrage hatte ein annualisiertes Wachstum von 2,0% prognostiziert, während eine Jiji-Press-Umfrage unter 17 Denkfabriken einen Median von 2,1% ergab. Der vierteljährliche Anstieg betrug 0,3% und lag damit unter dem Median von 0,5%. Nominal stieg das BIP im Quartalsvergleich um 1,2%, was einem annualisierten Anstieg von 4,8% entspricht. Die reale BIP-Messung folgte auf eine nach oben revidierte annualisierte Expansion von 1,9% im Vorquartal und verlängerte Japans Wachstumsphase auf drei aufeinanderfolgende Quartale.
- Q1 2026 (revidiert)
- 1.9 %
- Q2 2026
- 1.1 %
- Q3 2026 (Prognose)
- 0.05 %
Konsum und Investitionen schwächeln
Der private Konsum, der mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht, stagnierte im zweiten Quartal und verfehlte damit die Markterwartung eines Anstiegs um 0,5%. Höhere Rohstoffkosten und Lieferunterbrechungen im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg belasteten die Haushaltsausgaben. Die Investitionsausgaben, ein wichtiger Treiber der privaten Nachfrage, fielen im Quartal um 1,2%, gegenüber einem prognostizierten Anstieg von 0,4%, da Unsicherheiten infolge des Nahost-Konflikts die Unternehmensinvestitionen dämpften.
- BIP
- 0.3 %
- Privater Konsum
- 0 %
- Investitionsausgaben
- -1.2 %
- Nettoexporte (PP)
- 0.5 %
Exporte federn die Verlangsamung ab
Die Nettoauslandsnachfrage, also Exporte minus Importe, trug 0,5 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Die Exporte blieben widerstandsfähig, gestützt durch eine solide US-Nachfrage nach japanischen Hybridfahrzeugen und anhaltende globale Investitionen in Künstliche Intelligenz, die die Ausfuhren von Halbleiterausrüstungen und -komponenten ankurbelten. Die Exporte stiegen im Juni im Jahresvergleich um 19,3% – das schnellste Tempo seit November 2022, angetrieben durch den Verkauf von Halbleiterausrüstungen und den schwachen Yen. Der Yen war vor einer gemeinsamen Intervention der USA und Japans zur Stützung der Währung auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren gegenüber dem Dollar gefallen. Der geschwächte Yen hat japanischen Exporteuren geholfen, indem er sie international wettbewerbsfähiger machte.
Inflation und politische Reaktion
Die Kerninflation (ohne frische Lebensmittel) beschleunigte sich im Juni auf 1,6% im Jahresvergleich, angeheizt durch stark steigende Energiepreise, da Japan stark von Kohlenwasserstoffimporten abhängig ist. Die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi verabschiedete im Frühjahr neue Hilfsmaßnahmen zur Stützung des privaten Konsums, nach einem massiven Konjunkturpaket Ende 2025 und umfassenden Steuererleichterungen bei Energie. Takaichi kündigte Ende Juli an, dass die Regierung die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel von 8% auf 1% senken werde, beginnend im April.
Der Anstieg der Reallöhne und die Senkung der Kraftstoffsteuern haben wahrscheinlich den privaten Konsum gestützt.
Er stellte außerdem fest, dass die Wirtschaft trotz der Störungen der Rohölversorgung im Zusammenhang mit dem Konflikt mit dem Iran standgehalten habe.
BOJ und Ausblick
Konsum- und Lohntrends sind Schlüsselfaktoren, die die Bank of Japan beobachtet, um die Wirtschaftskraft zu beurteilen und den Bedarf an weiteren Zinserhöhungen zu bestimmen. Das Handelsblatt berichtete, dass die BOJ offenbar eine Zinserhöhung plane, während der Yen zulege.
Analysten warnten, dass steigende Importkosten und zunehmender Preisdruck auf die Verbraucher durchschlagen könnten, was ein Risiko für die Ausgaben im weiteren Jahresverlauf darstelle. Der private Konsum könnte im Juli-September-Quartal zurückgehen, nachdem politische und regulatorische Änderungen die Nachfrage nach langlebigen Gütern wie Autos und Klimaanlagen im April-Juni vorübergehend angekurbelt hatten. Eine Umfrage des Japan Center for Economic Research in diesem Monat ergab, dass 37 Ökonomen für das Juli-September-Quartal ein durchschnittliches annualisiertes BIP-Wachstum von 0,05% prognostizieren.


