
Angehörige des Air-India-Absturzes fordern ein Jahr nach 260 Toten in Ahmedabad weiterhin Antworten
Am ersten Jahrestag der Katastrophe von Air-India-Flug AI171 versammelten sich die Hinterbliebenen in Ahmedabad zu Gebeten, während die Untersuchung des Absturzes mit 260 Toten noch immer nicht abgeschlossen ist.
Gedenkfeiern zum ersten Jahrestag
Angehörige der 260 Menschen, die beim Absturz von Air-India-Flug AI171 in Ahmedabad ums Leben kamen, versammelten sich am Freitag zu Gebeten und Kerzenlicht-Trauerkundgebungen. Air India legte in allen Niederlassungen weltweit von 13:39 bis 13:41 Uhr IST eine zweiminütige Schweigeminute ein – genau zum Zeitpunkt der Katastrophe vor einem Jahr.
Zum Gedenken an AI171 werden wir am 12. Juni von 13:39 bis 13:41 Uhr IST eine zweiminütige Schweigeminute einlegen. Die Mitarbeiter können diesen Moment an ihren Arbeitsplätzen begehen.
Der Absturz und seine Opfer
Am 12. Juni 2025 prallte die nach London unterwegs Boeing 787 Dreamliner Sekunden nach dem Start gegen ein Wohnheim einer medizinischen Hochschule. Bei dem Aufprall kamen 241 der 242 Menschen an Bord sowie 19 weitere am Boden ums Leben, 67 wurden verletzt. Ein Passagier, Vishwash Kumar Ramesh, überlebte. Die beschädigten Wohnheimgebäude bleiben geschlossen; der Bundesstaat Gujarat plant ihren Abriss mit Mitteln der Tata Group, die 75 % der Anteile an Air India hält.
Stockende Ermittlungen sorgen für Frustration
Das indische Büro für Flugunfalluntersuchung (AAIB) hat noch keinen Abschlussbericht vorgelegt. Nach internationalen Regeln muss ein Abschlussbericht innerhalb eines Jahres vorgelegt werden, oder es muss an jedem Jahrestag ein Zwischenbericht erscheinen. Quellen bei Reuters zufolge soll am Freitag ein Zwischenbericht erscheinen, die abschließende Untersuchung verzögert sich jedoch aufgrund laufender Triebwerksanalysen um Monate. Die Ermittler testeten die Triebwerke im April und besuchten im Mai Frankreich, um die Triebwerkssteuereinheit zu untersuchen.
Ein im Juli 2025 veröffentlichter Vorbericht stellte fest, dass die Treibstoffsteuerschalter Sekunden nach dem Start von „Run“ auf „Cutoff“ und 10 Sekunden später wieder zurück bewegt wurden, die Triebwerke jedoch bereits ausgehungert waren. Die Cockpit-Aufzeichnung deutete darauf hin, dass der Kapitän möglicherweise den Treibstoff abgestellt hatte, doch das AAIB erklärte, es sei zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen.
Familien fordern Wahrheit
Angehörige sagen, sie hätten von der Fluggesellschaft kaum Informationen erhalten; einige beschreiben Schweigen als Antwort auf E-Mail-Anfragen. Bhavika Patel, die ihren Ehemann und ihre Schwiegermutter verlor, brachte die Frustration vieler zum Ausdruck.
Ich weiß nicht, wessen Fehler, aber wer auch immer den Fehler gemacht hat, sie müssen uns die Wahrheit sagen.
Pushkar Raj Sabharwal, der Vater des Kapitäns, hat beim Obersten Gerichtshof Indiens eine unabhängige Untersuchung beantragt.
Wie kann man ihm die Schuld geben?
Suresh Patni, dessen Sohn einen Teestand betrieb und bei der Katastrophe ums Leben kam, sagte, die Familie trauere noch immer tief.
Ich kann nicht glauben, dass es schon ein Jahr her ist.
Rechtsstreitigkeiten und offizielle Signale
Mindestens 135 Familien sind in Klagen gegen Air India und Boeing in Großbritannien und den USA vertreten. Der Luftfahrtanwalt Mike Andrews sagte, die Angehörigen seien von der Fluggesellschaft auf „Hindernisse“ gestoßen. Indiens ziviler Luftfahrtminister Ram Mohan Naidu erklärte letzten Monat, die Untersuchung befinde sich in der „letzten Phase“ und der Bericht werde „voraussichtlich“ bis zum Jahrestag fertig sein, fügte jedoch hinzu, dass das AAIB unabhängig arbeite und kein Fertigstellungstermin garantiert sei.
- Flug AI171 stürzt in Ahmedabad ab, 260 Tote
- Vorbericht veröffentlicht: Treibstoffschalter auf Cutoff gestellt
- Triebwerkstests im Rahmen der Ermittlungen durchgeführt
- Ermittler besuchen Frankreich zur Untersuchung der Triebwerkssteuereinheit
- Erster Jahrestag: Zwischenbericht erwartet, Abschlussbericht verzögert


