
Jacobs' Versuch um dritten Europameistertitel über 100 m endet mit Adduktorenverletzung im Finale von Birmingham
Der italienische Sprinter Marcell Jacobs stoppte am 11. August im 100-m-Finale der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham mitten im Rennen – eine erneute Adduktorenverletzung beendete seinen Versuch, zum dritten Mal in Folge Europameister zu werden.
Die Verletzung
Marcell Jacobs ging als Favorit ins 100-m-Finale der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham am 11. August, nachdem er sein Halbfinale am selben Abend in 10,08 Sekunden dominiert hatte. Der 31-jährige Italiener, Olympiasieger von Tokio 2021 und zweifacher Europameister (München 2022, Rom 2024), strebte einen dritten kontinentalen Titel in Folge an – eine Leistung, die zuvor nur dem Sowjet Valeriy Borzov und dem Briten Linford Christie gelungen war. Beim Einlaufen vor dem Finale, während er die Startblöcke testete, verspürte Jacobs einen stechenden Schmerz im linken Adduktor – dasselbe Problem, das ihn bereits im Juli zur Absage des Diamond-League-Meetings in Monte Carlo gezwungen hatte.
Er nahm trotzdem seinen Platz im Block ein. Nach etwa 40 Metern gab der Adduktor vollends nach. Jacobs verlangsamte abrupt und trabte die restliche Strecke, überquerte die Ziellinie als Siebter in 12,26 Sekunden. Der Brite Romell Glave gewann Gold in 10,09, sein Landsmann Azu holte Silber und der Deutsche Owen Ansah Bronze. Der Belgier Simon Verherstraeten, ebenfalls verletzt, landete hinter Jacobs.
Jacobs' Reaktion
Gegenüber italienischen Medien nach dem Rennen äußerte Jacobs Frustration über den Zeitpunkt der Verletzung, die nach einem Halbfinale kam, das er vollständig kontrolliert hatte.
Dieses Finale konnte ich leider nicht einmal laufen. Eine Verletzung vor dem Start hat mich wieder gestoppt. Es tut weh. Sehr weh. Besonders, wenn man weiß, dass man da ist, dass es einem gut geht und man um den Sieg kämpfen kann.
Gegenüber Rai Sport sagte er, er sei bereit gewesen, alles zu geben.
Ich bin in den Block gegangen, ich war bereit, für dieses Rennen alles zu zerreißen. Es gehört zum Spiel, ich bin keiner, der aufgibt und verzweifelt.
Jacobs erklärte, eine Ultraschalluntersuchung werde das Ausmaß der Verletzung bestimmen, und seine Teilnahme an der 4x100-Meter-Staffel am Samstag, den 15. August, sei ernsthaft gefährdet. Er hatte die Hallensaison ausgelassen, um sich gezielt auf diese Meisterschaft zu konzentrieren, und Gedanken an einen Rücktritt beiseitegeschoben.
Eine vielversprechende Saison vor dem Rückschlag
Die Verletzung unterbrach eine Saison, die Jacobs' stärkste seit seinem Olympiasieg gewesen war. Nach der erneuten Zusammenarbeit mit Trainer Paolo Camossi lief er am 20. Mai in Savona 10,01, beim Golden Gala in Rom 9,99 und am 28. Juni in Paris 9,96. Am 1. Juli in Eisenstadt, Österreich, stoppte er die Uhr bei 9,84 und 9,67 in zwei dicht aufeinanderfolgenden Rennen – beide mit Rückenwind, die letztgenannte Zeit die drittschnellste der Geschichte. Einziger Warnhinweis war eine leichte Muskelermüdung am 8. Juli, die ihn zur Absage in Monte Carlo zwang, bevor er bei den italienischen Meisterschaften in Florenz zurückkehrte und dominierte.
- Savona, 20. Mai
- 10.01 s
- Golden Gala, 4. Jun
- 9.99 s
- Paris, 28. Jun
- 9.96 s
- Eisenstadt I, 1. Jul
- 9.84 s
- Eisenstadt II, 1. Jul
- 9.67 s
- Birmingham SF, 11. Aug
- 10.08 s
- Birmingham Finale, 11. Aug
- 12.26 s
Weitere italienische Sorgen
Das italienische Team steht vor größeren Problemen vor der Staffel. Chituru Ali, der im Finale in 10,34 Sechster wurde, brach nach dem Zieleinlauf zusammen und hielt sich die Rückseite des linken Oberschenkels. Seine Teilnahme in Birmingham war bereits aufgrund von Fitnesssorgen während der Saison fraglich gewesen. Bei nur drei Tagen Erholungszeit vor der Staffel am 15. August ist die Verfügbarkeit von Jacobs und Ali ungewiss. Das italienische Quartett gewann Staffelgold bei den Europameisterschaften 2024 in Rom in 37,82 Sekunden.
- Jacobs gewinnt Halbfinale in 10,08 Sekunden, schnellste Zeit des Durchgangs
- Verspürt stechenden Schmerz im linken Adduktor beim Blocktraining vor dem Finale
- Stoppt nach 40 Metern, wird Siebter in 12,26; Glave gewinnt Gold in 10,09
- 4x100-m-Staffel geplant; Teilnahme von Jacobs und Ali fraglich
Ansonsten gewann am zweiten Wettkampftag in Birmingham Nadia Battocletti Gold über 5000 Meter in 15:37,84, während Micol Majori Bronze für einen italienischen Doppelsieg holte. Eloisa Coiro stellte mit 1:57,56 in den 800-Meter-Vorläufen einen neuen italienischen Rekord auf und unterbot damit die Marke von Gabriella Dorio, die seit dem 5. Juli 1980 Bestand hatte. Vier Italiener, darunter der amtierende Meister Gianmarco Tamberi, qualifizierten sich für das Hochsprung-Finale – ein Novum für Italien bei einer Europameisterschaft.
