
Livio Berruti, Olympiasieger über 200 m von Rom 1960, stirbt mit 87 Jahren in Turin
Livio Berruti, der erste italienische Sprinter, der mit seinem 200-m-Sieg bei den Spielen von Rom 1960 Olympiagold gewann, ist im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in einer Turiner Klinik gestorben.
Tod des „Engels“
Livio Berruti, wegen seines anmutigen Schritts „L'Angelo“ genannt, starb am 9. August 2026 im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in einer Turiner Klinik. 1939 in Turin geboren, entdeckte er 1955 am Liceo Cavour die Leichtathletik, nachdem er zuvor Tennis bevorzugt hatte. Er hinterlässt seine Frau Silvia, die er im Alter von 60 Jahren heiratete. Seine Beerdigung findet im privaten Kreis statt. Nach seiner Wettkampfkarriere arbeitete Berruti im Kommunikationsbereich. 2006 war er einer von acht Italienern, die bei der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Turin die olympische Fahne trugen.
Das Gold von Rom 1960
Berrutis entscheidender Moment kam am 3. August 1960, als der 21-Jährige die Kurve der 200 Meter im Stadio Olimpico angriff und bei den Spielen in Rom zum Olympiasieger stürmte. Auf einer Aschenbahn und mit seiner charakteristischen Sonnenbrille laufend, wurde er zum ersten Europäer, der die amerikanische Dominanz im olympischen Sprint brach, und zum ersten italienischen Sprinter, der Olympiagold gewann. Mit der Staffel hätte er seine Medaillenausbeute beinahe verdoppelt. Sein Sieg machte ihn zum Gesicht eines Italien im Wirtschaftswunder; als Belohnung erhielt er einen Fiat Cinquecento, mit dem er zurück nach Turin fuhr und unterwegs den jungen Journalisten Gian Paolo Ormezzano mitnahm. Die Olympischen Spiele von Rom, die Berruti selbst als magisch und unwiederholbar bezeichnete, krönten auch Legenden wie Cassius Clay und Nino Benvenuti. Ein romantischer Mythos verband Berruti mit der amerikanischen Sprinterin Wilma Rudolph, die drei Goldmedaillen über 100 m, 200 m und in der 4x100-m-Staffel gewann; Fotos der „Schwarzen Gazelle“ mit Berruti blieben in der italienischen Vorstellungskraft haften.
- Geboren in Turin
- Entdeckte die Leichtathletik am Liceo Cavour, nachdem er Tennis bevorzugt hatte
- Gewann Olympiagold über 200 m im Stadio Olimpico, Rom, im Alter von 21 Jahren
- Trug die olympische Fahne bei der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Turin
- Starb mit 87 Jahren nach langer Krankheit in einer Turiner Klinik
Reaktionen aus der Leichtathletik-Welt
Stefano Mei, Präsident des italienischen Leichtathletikverbandes Fidal, erfuhr in Birmingham vom Tod Berrutis, wo am 10. August die Europameisterschaften beginnen. Mei bat European Athletics, der italienischen Mannschaft zu erlauben, am ersten Wettkampftag mit einem Trauerflor auf den Trikots anzutreten.
Dieser Tag hat die Geschichte der italienischen Leichtathletik verändert. Er war der erste Italiener, der das Sprint-Tabu bei den Olympischen Spielen brechen konnte und bewies, dass auch ein italienischer Junge die oberste Stufe des Podiums im Weltsprint erklimmen kann.
Marcell Jacobs, Olympiasieger über 100 m von Tokio 2020 und derzeit in Birmingham am Start, sagte, er werde bei den Europameisterschaften für Berruti laufen. Jacobs, der wie Berruti der Sportgruppe Fiamme Oro angehörte, erinnerte an Berrutis Worte nach seinem Tokio-Sieg.
Ich verneige mich vor der Erinnerung an seine großartige Leistung, die er mit nur 21 Jahren vollbracht hat, wie ich bei den Fiamme Oro. Ich bin ihm auch dankbar für seine Worte nach meinem Sieg in Tokio: 'Es war ein aufregendes Rennen, es hat mich sechzig Jahre zurückversetzt. Ich habe einen würdigen Erben gefunden.' Ich werde für ihn laufen, in Birmingham.
Institutionelle Würdigungen
Luciano Buonfiglio, Präsident des CONI, ordnete an, die Flaggen am CONI-Hauptsitz am Foro Italico auf Halbmast zu setzen, und forderte alle nationalen Sportverbände auf, bei den kommenden Wettkämpfen eine Schweigeminute einzulegen.
Keiner von uns wird jemals seinen Sieg in Rom 1960 vergessen. Berruti war ein unerreichbarer Champion, dessen Taten in der Geschichte unseres Sports bleiben werden: Er hat Italien träumen lassen und uns mit seinem Gold bei den Spielen in Rom stolz und froh über unsere italienische Identität gemacht.
Turins Bürgermeister Stefano Lo Russo erinnerte an Berrutis Rolle beim Entzünden der olympischen Fackel in Turin 2006 und betonte, dass er die olympischen Werte der Brüderlichkeit und des Friedens verkörpert habe.


