
Italienischer Astronaut Luca Parmitano in die Artemis-3-Crew berufen – lässt deutsche Kandidaten hinter sich
NASA und ESA haben den italienischen Astronauten Luca Parmitano in die Artemis-3-Crew berufen und dabei die deutschen Kandidaten Alexander Gerst und Matthias Maurer übergangen. Grund ist eine Neuausrichtung der Mission, die statt einer Mondlandung nun Erdorbit-Kopplungstests vorsieht.
Mannschaftsbekanntgabe in Houston
NASA-Administrator Jared Isaacman gab am 9. Juni 2026 die Artemis-3-Crew bekannt und ernannte den italienischen ESA-Astronauten Luca Parmitano zum Piloten, neben Kommandant Randy Bresnik und den Missionsspezialisten Andre Douglas und Frank Rubio. Bob Hines wurde als Ersatzmann benannt. Die Auswahl markiert das erste Mal, dass ein europäischer Astronaut auf einer NASA-Artemis-Mission fliegt, obwohl sich das Flugprofil im Vergleich zu früheren Plänen erheblich geändert hat.
Ich fühle mich geehrt für die Rolle, die mir übertragen wurde. Vor allem bin ich dankbar.
Parmitano, 49, ist ein ehemaliger Testpilot der italienischen Luftwaffe und wurde 2009 zum ESA-Astronauten ausgewählt. Er war bereits zweimal auf der Internationalen Raumstation, 2013 und 2019, und verfügt über umfangreiche Erfahrung in Andockmanövern. In Bezug auf seine Familie sagte er bei der Veranstaltung in Houston: „Ihr seid die Energie, die meine Seele nährt, und eure Liebe ist der Funke, der jede Leidenschaft entfacht.“
Eine Überraschung für Deutschland
ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher hatte Ende 2025 erklärt, dass der erste Europäer auf einer Mondmission ein Deutscher sein werde, gefolgt von französischen und italienischen Astronauten. Die deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst (50) und Matthias Maurer (56) hatten wiederholt ihre Bereitschaft bekundet, diesen Platz einzunehmen. Aschbacher erklärte nicht, warum stattdessen Parmitano ausgewählt wurde, sondern sagte lediglich: „Wir hätten uns keinen besseren Piloten wünschen können.“
Hier bei der ESA herrscht echter Stolz darüber, dass ein europäischer Astronaut zusammen mit dem NASA-Kommandanten an der Steuerung dieser Mission beteiligt sein wird.
Es bleibt unklar, ob ein deutscher Astronaut auf Artemis 4 fliegen wird oder ob der Sitz mit der NASA neu verhandelt werden muss. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass frühestens ab Artemis 4 ein Europäer dabei sein sollte.
Missionsneugestaltung: keine Mondlandung
Isaacman gab Ende Februar 2026 eine Strategieänderung für Artemis bekannt. Artemis 3, die nun für 2027 geplant ist, wird nicht zum Mond fliegen. Stattdessen wird das Orion-Raumschiff im niedrigen Erdorbit (LEO) operieren, während die Crew das Andocken an ein oder zwei Mondlandesystemen testet. Isaacman begründete dies mit Wettbewerbsdruck: „Angesichts einer stetig zunehmenden glaubwürdigen Konkurrenz durch unseren größten geopolitischen Gegner müssen wir schneller handeln, Verzögerungen vermeiden und unsere Ziele erreichen.“
- ESA-Chef Aschbacher sagt, der erste Europäer auf einer Mondmission werde ein Deutscher sein, dann Franzose und Italiener
- NASA-Chef Isaacman kündigt Strategiewechsel für Artemis 3 an: keine Mondlandung, stattdessen Andocktests im Erdorbit
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Wie es weitergeht
Die NASA will mit dem Artemis-Programm eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond aufbauen. Zwei Mondlandemissionen, Artemis 4 und Artemis 5, könnten bereits 2028 folgen, obwohl das Programm in der Vergangenheit mehrfach von Verzögerungen betroffen war. Artemis 2 flog Anfang April 2026 mit einer Besatzung von drei Amerikanern und einem Kanadier in die Mondumgebung, ohne zu landen – die erste derartige Reise seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Schweizer und andere europäische Rollen
Der Schweizer ESA-Astronaut Marco Sieber hat noch kein festes Datum für seinen ersten Flug, wie die ESA der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Aschbachers Zusage von 2025 sah deutsche, französische und italienische Astronauten als die ersten drei Europäer auf Mondmissionen vor, doch die neu zusammengestellte Artemis-3-Besetzung lässt die Reihenfolge ungeklärt.


