
Italien warnt vor steigenden Schuldenkosten, während Giorgetti EU-Energiesteuer und Defizitentlastung fordert
Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti sprach über höhere Anleiherenditen und forderte die europäischen Amtskollegen auf, Steuern auf Ölgewinne zu koordinieren, während Rom auf überarbeitete Defizitzahlen wartet.
Steigende Schuldenlast und Anleiherenditen
Der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti sprach am 18. September 2026 über die zunehmenden fiskalischen Belastungen, während er per Videoverbindung von den informellen EU-Finanzministertreffen in Dublin zur Portofino-Talks-Konferenz zugeschaltet war. Giorgetti erklärte, dass die Kosten für den Schuldendienst Italiens infolge der geopolitischen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten rapide zu steigen begonnen hätten. Die Kreditkosten stiegen bei einer jüngsten Staatsanleihen-Auktion, bei der die Rendite der dreijährigen BTP-Anleihe 3,43 % erreichte (der höchste Stand seit Juni 2024) und die siebenjährige BTP-Anleihe 3,98 % erzielte (der höchste Stand seit November 2023). Der jüngste Haushaltsplan Italiens prognostiziert, dass die Staatsverschuldung in diesem Jahr mit knapp 139 % des Bruttoinlandsprodukts ihren Höhepunkt erreichen wird, womit Italien Griechenland als das am höchsten verschuldete Land des Euroraums überholt.
Ich habe eine Botschaft zu den Zinssätzen gesendet, oder vielmehr zur Schuldenlast, die in alarmierendem Tempo zu steigen begonnen hat.
- 3-jährige BTP
- 3.43 %
- 7-jährige BTP
- 3.98 %
Energiekosten und geldpolitische Kritik
Giorgetti kritisierte die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Federal Reserve und argumentierte, dass restriktive geldpolitische Maßnahmen die durch internationale Versorgungsstörungen verursachten Verbraucherpreissteigerungen nicht wirksam eindämmen könnten. Gegenüber seinen europäischen Amtskollegen bezeichnete der Minister die Energiepreise als die größte Herausforderung für italienische Haushalte und Industrieunternehmen. Italien und Deutschland verwalten aufgrund ihrer Produktionsstandorte erhebliche Energiemengen, was beide Volkswirtschaften Preisschwankungen bei Importen aussetzt, die durch die Nahostkrise und die Schließung der Straße von Hormus verursacht werden.
Die Inflation ist die Folge eines Angebotsschocks, nicht einer überhitzten Wirtschaft und einer Nachfrage, die durch eine restriktive Geldpolitik abgekühlt werden muss.
Koalitionsvorstoß für europäische Übergewinnsteuern
Während des informellen Eurogruppen-Treffens in Dublin schlossen sich Italien, Deutschland, Spanien, Portugal, Polen und Österreich zusammen, um eine koordinierte EU-Abgabe auf Übergewinne von Unternehmen der fossilen Brennstoffe und Ölraffinerien zu fordern. Giorgetti merkte an, dass bestimmte europäische Raffinerien überdurchschnittliche Gewinne erzielt hätten, indem sie Rohöl innerhalb des Blocks verarbeiteten und Kraftstoffprodukte zu erhöhten Weltmarktpreisen exportierten. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis erklärte, dass die Mitgliedstaaten derzeit befugt seien, außergewöhnliche Gewinne im Inland zu besteuern, und bestätigte, dass die Europäische Kommission bereit stehe, die nationalen Regierungen zu unterstützen, jedoch keinen EU-weiten Vorschlag vorgelegt habe. Der irische Finanzminister Simon Harris bestätigte, dass der Vorschlag bei der Ecofin-Sitzung am 9. Oktober 2026 in Luxemburg erneut formell erörtert werde.
Defizitrevisionen und innerstaatliche fiskalische Maßnahmen
Im Inland bereitet die italienische Regierung ihr Herbsthaushaltspaket mit gezielten Steuererleichterungen für die Mittelschicht und Verwaltungsdigitalisierung vor. Um die finanzielle Belastung der Verbraucher zu mildern, kündigte Rom an, ab nächstem Jahr die Kfz-Steuer für 14,5 Millionen Autos und Motorräder zu streichen, was Kosten von 2,4 Milliarden Euro verursacht, sowie 2,8 Milliarden Euro für vorübergehende Senkungen der Kraftstoffverbrauchsteuer bereitzustellen. Die Regierung strebt zudem an, bis 2028 im Rahmen der nationalen Ausweichklausel der Europäischen Union 14 Milliarden Euro (0,6 % des BIP) an Haushaltsflexibilität zu nutzen, um Energiekosten auszugleichen. Die nationale Statistikbehörde Istat und Eurostat sollen am 22. September 2026 überarbeitete Defizitzahlen für 2025 veröffentlichen. Eine Senkung von vorläufigen 3,1 % auf unter die EU-Obergrenze von 3,0 % würde es Italien ermöglichen, aus dem Verfahren bei übermäßigem Defizit auszusteigen.
- Istat meldet Italiens Defizit-BIP-Verhältnis für 2025 bei 3,1 %
- Giorgetti nimmt an informellen Eurogruppen- und Ecofin-Treffen in Dublin teil
- Istat und Eurostat veröffentlichen überarbeitete Defizitzahlen für 2025
- EU-Finanzminister treffen sich in Luxemburg, um über Energie-Übergewinnsteuern zu debattieren


