Matteo Salvini stoppt Rückübernahmen von Migranten aus Deutschland wegen Rettungsschiffen im Mittelmeer
Der italienische Vizepremier Matteo Salvini kündigte an, dass Rom unter dem neuen EU-Asylpakt die Aufnahme von Sekundärmigranten aus Deutschland verweigern wird, mit Verweis auf deutsche NGO-Rettungsschiffe im Mittelmeer.
Salvini stoppt Überstellungen bei Kundgebung in Trient
Der italienische Vizepremier und Verkehrsminister Matteo Salvini erklärte, dass Italien bis auf Weiteres keine Rückübernahmen von Migranten aus Deutschland akzeptieren werde. Salvini gab die Ankündigung am 22. August 2026 während einer Parteiveranstaltung in der norditalienischen Stadt Trient bekannt. Der Vorsitzende der rechten Lega-Partei, die Teil der regierenden Dreierkoalition unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist, erklärte, Italien werde sich den neu erlassenen EU-Regeln für Migrantenüberstellungen widersetzen.
Deutschland hat kein Recht, auch nur einen einzigen illegalen Einwanderer zu uns zurückzuschicken, solange deutsche NGO-Schiffe im Mittelmeer operieren, um Tausende illegaler Einwanderer an den Küsten Italiens und Europas an Land zu bringen.
Der Streit um Mittelmeer-Rettungsschiffe
Der politische Konflikt zwischen den Regierungen in Rom und Berlin dreht sich um die Behandlung von Sekundärmigranten, die nach Italien einreisen und anschließend über die innereuropäischen Grenzen nach Deutschland weiterziehen. Salvini begründete seine Entscheidung mit direktem Verweis auf deutsche Hilfsorganisationen, die zivile Rettungsschiffe im Mittelmeer betreiben. Diese Schiffe nehmen Flüchtlinge auf See auf und bringen sie zu italienischen Häfen, woraufhin ein Teil der Ankömmlinge ihre Reise nach Norden fortsetzt. Salvini stellte die deutschen Organisationen als aktive Mitverursacher der Ankunftszahlen dar und bestand darauf, dass Berlin keine Asylbewerber zurücknehmen könne, solange deutsche Schiffe weiterhin Migranten auf italienischem Hoheitsgebiet an Land bringen.
- Matteo Salvini ordnet an, ein Migrantenrettungsschiff vor der italienischen Küste zu blockieren.
- Italien beginnt, Rückübernahmeersuchen abzulehnen und weist rund 80.000 Überstellungen aus EU-Staaten zurück.
- Italienischer Oberster Gerichtshof spricht Salvini frei, nachdem die Staatsanwaltschaft eine sechsjährige Haftstrafe gefordert hatte.
- Der neue EU-Asyl- und Migrationspakt tritt in allen Mitgliedstaaten in Kraft.
- Matteo Salvini kündigt an, dass Italien die Rückübernahmen von Migranten aus Deutschland blockieren wird.
Reibereien bei der Durchsetzung des Dublin-Systems
Die Konfrontation folgt auf die Umsetzung des Asyl- und Migrationspakts der Europäischen Union, der Mitte Juni 2026 in Kraft trat. Der Pakt stützt sich auf die Dublin-Verordnung, einen etablierten europäischen Rechtsrahmen, der vorschreibt, dass ein Asylantrag in dem Mitgliedstaat gestellt und geprüft werden muss, den der Migrant zuerst betreten hat. Im Rahmen dieser aktualisierten Mechanismen beabsichtigten Deutschland und mehrere andere Mitgliedstaaten, die Rückführung von Migranten wieder aufzunehmen, die das Mittelmeer nach Italien überquert hatten, bevor sie weiterreisten. Die italienische Regierung in Rom hat jedoch seit Inkrafttreten des neuen Asylpakts keinen einzigen Migranten aus Deutschland zurückgenommen.
Die Weigerung setzt eine mehrjährige Politik der Ablehnung von Rückübernahmeersuchen aus anderen Mitgliedstaaten fort. Offizielle italienische Zahlen zeigen, dass Italien seit 2023 rund 80.000 Rückübernahmeersuchen aus europäischen Partnerländern abgelehnt hat. Rom hat die pauschalen Ablehnungen stets mit dem Argument verteidigt, dass das italienische nationale Aufnahmesystem völlig überlastet und nicht in der Lage sei, zurückgekehrte Migranten aufzunehmen.
Rechtlicher Hintergrund und geplante Ministergespräche
Salvini hatte bereits während seiner früheren Amtszeit als Innenminister aggressive Maßnahmen gegen zivile Rettungseinsätze ergriffen. 2019 verhinderte er das Anlegen eines humanitären Rettungsschiffs mit Flüchtlingen an Bord und ließ das Schiff mehrere Tage vor der italienischen Küste treiben. Dieser Vorfall veranlasste die Staatsanwaltschaft, eine sechsjährige Haftstrafe für Salvini zu fordern, ein Rechtsstreit, der 2025 mit seinem Freispruch durch den italienischen Obersten Gerichtshof endete.
Die Beilegung des bilateralen Zerwürfnisses zwischen Rom und Berlin obliegt nun den Innenministerien beider Länder. Laut italienischen Medienberichten sind der italienische Innenminister Matteo Piantedosi und der deutsche Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von der Christlich-Sozialen Union (CSU) für die nahe Zukunft zu Gesprächen über Sekundärmigration und die Blockade der Rückübernahmeverfahren angesetzt.


