Wirtschaft · Ostia, Rom und Neapel
Italien beginnt mit der Auflösung privater Strandclubs, während EU-Regeln und lokaler Unmut die 7.500 km lange Küste neu gestalten
Bagger zerstören den Strandclub 'Shilling' in Ostia bei Rom, während die Behörden die privatisierte Küste zurückerobern. Die Maßnahmen folgen einer EU-Richtlinie von 2006 und wachsender Frustration über Tagesgebühren von durchschnittlich 40 Euro für zwei Liegen und einen Sonnenschirm.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von ZEIT ONLINE, Der Tagesspiegel und DIE WELT. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Die Behörden reißen die Clubs 'Shilling' und 'Sporting Beach' in Ostia ab, Roms Bürgermeister will den freien Strandzugang von 1,2 km auf 6,5 km der 11,3 km langen Küste erweitern.
Eine EU-Richtlinie von 2006, die öffentliche Ausschreibungen für staatliche Strandkonzessionen vorschreibt, wird zwei Jahrzehnte nach ihrer Einführung endlich durchgesetzt.
Betreiber zahlen eine durchschnittliche jährliche Konzessionsgebühr von 8.200 Euro, während sie einen durchschnittlichen Umsatz von 260.000 Euro erzielen, so das Centre for European Policy.
Der durchschnittliche Mietpreis für zwei Liegen und einen Sonnenschirm erreichte in dieser Saison etwa 40 Euro pro Tag, mit deutlich höheren Preisen in der Toskana.
Aktivisten in Neapel besetzten kostenpflichtige Strandbereiche mit eigenen Handtüchern, und die römische Mutter Isabella Pedrelli sagte, eine normale Familie könne sich die Gebühren nicht mehr leisten.
Der Abriss in Ostia
Anfang August ist der Strand von Ostia, Roms traditionellem Badeort, ungewöhnlich leer. Beim 'Shilling', einem der bekanntesten Stabilimenti Balneari in der 90.000-Einwohner-Stadt, reißen Abrissmannschaften Toilettenblöcke nieder. Der Club wurde wegen Bauverstößen und anderer Vorwürfe gegen den Betreiber beschlagnahmt, und Winterstürme hatten ihn so schwer beschädigt, dass er zur Ruine zu werden drohte. Nebenan wird auch der 'Sporting Beach' abgerissen.
Roms sozialdemokratischer Bürgermeister Roberto Gualtieri plant, sie durch eine Spiaggia Libera, einen kostenlosen öffentlichen Strand, zu ersetzen. Die Stadt hat bereits einem anderen Club, dem 'Village', während einer Mafia-Ermittlung die Konzession entzogen und sie einer Genossenschaft übergeben. Ziel ist es, Ostias freie Küstenlinie von nur 1,2 Kilometern von insgesamt 11,3 Kilometern auf 6,5 Kilometer zu erweitern und die Zahl der Konzessionen von 70 auf 35 zu halbieren.
Eine 20 Jahre alte EU-Richtlinie
Italiens Küste ist wie der Rest Europas Staatseigentum. Per Gesetz muss der Strand für alle frei und offen zugänglich sein. Doch mehr als die Hälfte der Strände des Landes sind privat verpachtet, oft informell und zu Spottpreisen. Die durchschnittliche jährliche Konzessionsgebühr beträgt 8.200 Euro, während der durchschnittliche Umsatz, berechnet vom Centre for European Policy (CEP), bei 260.000 Euro liegt. Andere Schätzungen gehen weit höher.
Der Vorstoß zur Rückgewinnung der Strände wird teilweise durch eine EU-Richtlinie von 2006 vorangetrieben, die vorschreibt, dass staatliche Konzessionen für Strandabschnitte regelmäßig ausgeschrieben werden müssen, da das Land öffentlich ist. Nach zwei Jahrzehnten langsamer Umsetzung beginnen die italienischen Behörden nun zu handeln.
Die Kosten eines Tages am Meer
Offiziell gibt es in Italien mehr als 7.300 Stabilimenti Balneari; die tatsächliche Zahl liegt vermutlich um mehrere Tausend höher. Die meisten sind Familienbetriebe, wobei der Begriff 'Familie' weit ausgelegt wird und die organisierte Kriminalität in einigen Gebieten involviert ist. In dieser Saison liegt der durchschnittliche Mietpreis für zwei Liegen und einen Sonnenschirm bei etwa 40 Euro pro Tag, wobei einige Regionen wie die Toskana deutlich mehr verlangen.
„Eine normale Familie kann sich das überhaupt nicht mehr leisten.“
Die römische Mutter von zwei Kindern war mit ihren Kindern nach Ostia gekommen. Ausländische Touristen sind häufig verärgert über die Liegengebühren, und Italiener, die das System lange gewohnt waren, sind zunehmend frustriert. In Neapel besetzten Aktivisten kürzlich kostenpflichtige Bereiche mit eigenen Handtüchern und Sonnenschirmen. Vielerorts versperren hohe Zäune und Mauern, die von den Stabilimenti errichtet wurden, den Zugang zum Meer vollständig.
Eine breitere Offensive
Ostia ist nicht allein. Bürgermeister entlang der italienischen Riviera in Ligurien und in der südlichen Region Apulien haben ebenfalls begonnen, Strände wieder kostenlos zu machen. Der Wandel markiert einen Bruch mit einer jahrzehntealten italienischen Tradition und stellt die lokalen Behörden gegen Betreiber, die durch das Konzessionssystem reich geworden sind. Der Abriss des 'Shilling' und des 'Sporting Beach' ist das sichtbarste Zeichen dafür, dass das alte Modell abgebaut wird.
- Aktueller freier Strand
- 1.2 km
- Geplanter freier Strand
- 6.5 km
- Gesamtküstenlinie
- 11.3 km
Daten aus dem Artikeltext
- Konzessionsgebühr
- 8200 EUR
- Umsatz (CEP-Schätzung)
- 260000 EUR
Daten aus dem Artikeltext
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- Roberto Gualtieri
- Sozialdemokratischer Bürgermeister von Rom, der den Plan zur Rückgewinnung des Ostia-Strandes überwacht.
- Orte
- Rom
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