
Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien nach 60.000 Migranten in Ceuta aus
Die italienische Regierung kündigte am Freitag eine einmonatige Aussetzung der offenen Grenzregelung mit Spanien an, mit Verweis auf einen Zustrom von rund 60.000 Migranten in die Enklave Ceuta, während Frankreich seine Grenze zu Spanien verstärkte.
Zustrom in Ceuta
Schätzungsweise 60.000 Migranten sind in den letzten Tagen von Marokko in die spanische Enklave Ceuta gelangt, überforderten die örtlichen Aufnahmezentren und veranlassten Madrid, das Ereignis als "Angriff" auf seine territoriale Integrität zu bezeichnen. Die örtlichen spanischen Behörden erklärten den humanitären Notstand, da die Zentren ihre Kapazitätsgrenze erreicht hatten, und die Regierung entsandte zusätzliches Militär- und Polizeipersonal in das Gebiet. Der Zustrom belastete schnell Spaniens Migrationsinfrastruktur und löste scharfe Reaktionen in ganz Europa aus.
Italiens Reaktion und Wahlhintergrund
Am 31. Juli kündigte der italienische Außenminister Antonio Tajani an, dass Rom die offenen Schengen-Grenzregeln mit Spanien ab dem 1. August für einen Monat aussetze.
Die vorübergehende Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien ist eine notwendige Entscheidung, um die Sicherheit unserer Bürger zu schützen und die Grenzen Europas zu verteidigen. Es ist eine in den Verträgen vorgesehene Maßnahme und heute unvermeidbar geworden.
Das italienische Innenministerium stellte klar, dass die Kontrollen "gezielt" gegen Nicht-EU-Bürger gerichtet sein würden, die aus Spanien auf dem See- und Luftweg anreisen, und den Reiseverkehr spanischer oder anderer EU-Bürger nicht beeinträchtigen würden. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, deren Partei Fratelli d'Italia eine rechte Koalition mit Matteo Salvinis Lega und Tajanis Forza Italia anführt, hatte die Bilder aus Ceuta als "schockierend" bezeichnet und auf der Maßnahme bestanden.
Um die nationale Sicherheit zu schützen und mögliche Auswirkungen auf Italien zu verhindern.
Der Schritt erfolgt, während Italien in die Vorwahlkampfsaison für die Parlamentswahlen 2027 eintritt. Meinungsumfragen zeigen, dass 73 % der Italiener eine strengere Handhabung der irregulären Einwanderung befürworten, was die Krise für die Regierung zu einer Gelegenheit macht, Härte zu demonstrieren. Madrid konterte, wobei Ministerpräsident Pedro Sánchez auf Frontex-Daten verwies, die 478.600 irreguläre Ankünfte in Italien zwischen 2021 und 2026 gegenüber 234.760 in Spanien zeigen.
- Italien
- 478600 Personen
- Spanien
- 234760 Personen
Frankreich verstärkt die Grenze
Frankreich kündigte in Abstimmung mit Italien eine deutliche Verstärkung seiner Landgrenze zu Spanien an. Innenminister Laurent Nuñez erklärte, die Zahl der eingesetzten Polizisten und Gendarmen werde bis Samstag verfünffacht und erreiche 334 Einsatzkräfte. Drei Grenzpolizeiflugzeuge würden eingesetzt und die Patrouillen auf der französisch-spanischen Schienenachse verstärkt. Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor den Innenminister angewiesen, bei Bedarf vier mobile Einsatzkräfte, Flugzeuge und Drohnen zu entsenden. Das französische Innenministerium erklärte, die Maßnahmen ergänzten die bestehenden Grenzkontrollen.
Rückführungen und spanische Zusicherungen
Der spanische Außenminister José Manuel Albares betonte, dass die Integrität des Schengen-Raums intakt bleibe, und wies darauf hin, dass die überwältigende Mehrheit der nach Ceuta eingereisten Migranten bereits nach Marokko zurückgekehrt sei. Bis 18:00 Uhr am 31. Juli waren mehr als 48.300 Rückführungen registriert worden.
Fast alle, die nach Ceuta eingereist sind, sind bereits nach Marokko zurückgekehrt. Es ist nicht möglich, von Ceuta und Melilla auf die Halbinsel zu gelangen, ohne sich an einem Polizeikontrollpunkt auszuweisen. Die Integrität des Schengen-Raums ist absolut gewährleistet.
Spanien betonte, dass zwischen den nordafrikanischen Enklaven und dem europäischen Festland ohne polizeiliche Identitätskontrollen keine Freizügigkeit besteht. Die Europäische Union erklärte, sie habe keinen Migrantenstrom von Ceuta auf den Rest des Kontinents beobachtet.
Breitere Spannungen mit Marokko
Die Episode belebt periodische Migrationskonfrontationen zwischen Madrid und Rabat wieder, die oft mit zugrunde liegenden diplomatischen Spannungen verbunden sind. Dieser jüngste Zustrom erfolgte, nachdem Pedro Sánchez am 20. Juli Algerien, den Rivalen Marokkos, besucht hatte. Spanische Medien berichteten auch über Todesfälle unter Migranten während der Überfahrt, was die Gefahr der Route unterstreicht.
- Mehr als 48.300 Migranten sind nach Angaben der spanischen Behörden nach Marokko zurückgekehrt.
- Italien kündigt Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien an, wirksam ab 1. August; Frankreich kündigt eine Verfünffachung der Grenzpolizei an.
- Italienische gezielte Kontrollen an See- und Lufteinreisepunkten treten für einen Monat in Kraft.


