
Whistleblower-Film „Naza“ löst in Israel Empörung über KI-Zielerfassung in Gaza aus
Der Dokumentarfilm „Naza“ zeigt 24 israelische Militärangehörige, die den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Luftangriffen im Gazastreifen schildern – im Ausland mit Preisen geehrt, in Israel von offizieller Seite verurteilt.
Whistleblower-Aussagen über automatisierte Zielerfassung
Der Dokumentarfilm „Naza“, inszeniert von den israelischen Filmemachern Yuval Abraham und Rachel Szor und koproduziert mit The Guardian, präsentiert anonyme Berichte von 24 ehemaligen Angehörigen des israelischen Militärgeheimdienstes und Soldaten. Die Befragten beschreiben die Integration von Systemen künstlicher Intelligenz, darunter die Programme „Lavender“ und „Where's Daddy?“, um die Zielidentifizierung im Gazastreifen zu beschleunigen. Ohne Voiceover-Kommentar zeigt der Film Whistleblower auf Dächern von Tel Aviv, die Algorithmen skizzieren und Farbcodes erläutern, mit denen die Dringlichkeit eines Angriffs auf Verdächtige aus dem Umfeld von Hamas und Palästinensischem Islamischen Dschihad festgelegt wurde. Ein Befragter gab an, 20 zivile Kollateraltote – im Hebräischen mit dem militärischen Akronym „nezek agavi“ oder „Naza“ bezeichnet – hätten als Standardrichtwert gedient, während ein anderer eine genehmigte Obergrenze von 500 zivilen Opfern für ein einzelnes Ziel nannte. Die israelischen Streitkräfte wiesen die Zahl von 500 Opfern als falsch zurück und bestritten, dass KI-Software Angriffsgenehmigungen eigenständig erteilt.
Festival-Echo und politischer Gegenwind
Der Film feierte Anfang September 2026 beim Filmfestival von Venedig Premiere, erhielt 25 Minuten stehenden Applaus und den Spezialpreis der Jury. Internationale Medien rezensierten das Werk: El Mundo nannte es monumental, New York Magazine bezeichnete es als einen der wichtigsten Filme der Epoche. In Israel verurteilten Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Regierungsvertreter den Film als Bedrohung der nationalen Sicherheit und bezeichneten die Regisseure als Staatsfeinde; im Wahlkampf forderten Politiker, Abraham und Szor die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Außerhalb Israels kam es bei der Premiere beim New York Film Festival zu Protesten, bei denen Demonstranten Bodycam-Aufnahmen der Angriffe vom 7. Oktober 2023 zeigten.
In einem Interview äußerte sich Abraham zur öffentlichen Reaktion und zum laufenden Militäreinsatz.
Die Verleugnung und das Ignorieren dauern an, während nur 60 Kilometer entfernt systematische Tötungen und ein Völkermord fortbestehen.
Bodenoperationen und Kollateralschwellen
Vermittelt von der israelischen Veteranenorganisation Breaking the Silence (Shovrim Shtika), gaben drei Soldaten aus dem Militärgeheimdienst und aus Drohneneinheiten weitere Interviews an internationale Medien, aus Jerusalem und über verschlüsselte Signal-Anrufe. Die Angehörigen, die damit rechneten, wegen Landesverrats angeklagt zu werden – worauf im Kriegsrecht die Todesstrafe steht –, bestätigten die während des Feldzugs angewandten Einsatzrichtlinien. Sie nannten konkrete Einsätze, etwa den Angriff vom 31. Oktober 2023 auf Wohngebäude im Flüchtlingslager Jabalia, der dem Bataillonskommandeur der Hamas, Ibrahim Biari, galt. Während das Militär den Angriff vom 7. Oktober (bei dem mehr als 1.200 Menschen getötet und 250 als Geiseln genommen wurden) teilweise Biari zuschrieb, erklärte ein Geheimdienstsoldat, das Kommando habe den Bombenangriff auf Jabalia genehmigt, obwohl mit 300 zivilen Kollateralopfern gerechnet wurde. Die Offensive hat seit Oktober 2023 mehr als 74.000 Tote im Gazastreifen gefordert, darunter 1.417 Menschen, die im Jahr der Waffenruhe getötet wurden.
- Die Hamas greift den Süden Israels an, tötet mehr als 1.200 Menschen und nimmt 250 Geiseln.
- Das israelische Militär greift das Flüchtlingslager Jabalia an, Ziel ist der Hamas-Kommandeur Ibrahim Biari.
- Der Dokumentarfilm Naza feiert beim Filmfestival von Venedig Premiere und erhält den Spezialpreis der Jury.
- Der Film kommt nach der politischen Verurteilung in Israel in die Kinos.


