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Regierung·vor 2 Std.

Islands Walfangflotte sticht trotz Protesten und geplantem Verbot wieder in See

Zwei Walfangschiffe von Hvalur sind nach zweijähriger Pause von Reykjavík aus in See gestochen, während ein Aktivist kurzzeitig einen Mast besetzte und die Regierung für diesen Herbst ein vollständiges Verbot vorschlagen will.

Rückkehr nach zweijähriger Pause

Islands einziges verbliebenes Walfangunternehmen Hvalur hat diese Woche zwei Schiffe auslaufen lassen und damit eine kommerzielle Walfangpause beendet, die 2024 begann. Die Schiffe verließen den Hafen von Reykjavík am Abend des 19. Juni, wie isländische Medien berichten, und sollten am Wochenende in offene Gewässer fahren, um Finn- und Zwergwale zu jagen.

Islands Walfang-Zeitleiste
  1. Ministerin Svandís Svavarsdóttir stoppt den Walfang aus Tierschutzgründen.
  2. Walfang wird zwei Monate später unter strengen Auflagen wieder aufgenommen.
  3. Hvalur erhält eine Genehmigung, entscheidet sich aber aus wirtschaftlichen Gründen und wegen Trump-Zöllen gegen eine Ausfahrt.
  4. Kommerzieller Walfang im zweiten Jahr in Folge ausgesetzt.
  5. Zwei Hvalur-Schiffe verlassen Reykjavík; ein Aktivist kettet sich an einen Mast.
  6. Polizei entfernt den Aktivisten; das Schiff kehrt vorübergehend in den Hafen zurück.
  7. Regierung wird voraussichtlich einen Gesetzentwurf zum Verbot des Walfangs in der Herbstsitzung einbringen.

Die letzte Walfanggenehmigung wurde 2024 erteilt, doch Hvalur entschied sich in jenem Jahr gegen eine Ausfahrt mit Verweis auf die globale wirtschaftliche Unsicherheit und die Auswirkungen der Importzölle von Trump. 2025 blieb die Branche untätig.

Quoten und ein schrumpfender Markt

Vor der Saison, die von Mitte Juni bis Mitte September läuft, empfahl das Isländische Meeres- und Süßwasserforschungsinstitut deutlich niedrigere Fangmengen. Die jährliche Quote wurde auf 150 Finnwale festgesetzt – ein Rückgang um 28 Prozent gegenüber dem Referenzniveau von 2018–2025 – und auf 168 Zwergwale, ein Minus von 23 Prozent.

Joanna Swabe von Humane World for Animals erklärte, es gebe keine humane Methode, einen Wal zu töten, und das Fleisch sei bei den meisten Isländern unerwünscht.

Es ist zutiefst entmutigend zu sehen, wie das isländische Walfangschiff den Hafen verlässt, um eine weitere Saison des Walfangs zu beginnen, trotz überwältigender Beweise, dass es keine humane Art gibt, einen Wal zu töten.

Protest und Polizeieinsatz

Als die Schiffe zur Abfahrt bereit waren, kletterte ein isländischer Aktivist auf den Mast eines Schiffes und kettete sich an die Konstruktion. Von der Captain Paul Watson Foundation verbreitete Bilder zeigten ihn im Ausguck sitzend. Er sagte dem lokalen Medium Vísir, er wisse nicht, was er sonst tun könne, um den Walfang in seinem Land zu bekämpfen. Als das Schiff am 20. Juni vorübergehend in den Hafen zurückkehrte, holte die Polizei ihn mit einem Kran an Land und geleitete ihn ab. Verletzte wurden nicht gemeldet.

Politischer Kurs in Richtung Verbot

Der Walfang ist in Island seit Jahren umstritten. 2023 stoppte die damalige Lebensmittel- und Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir die Praxis aus Gründen des Tierschutzes, gerade als die Schiffe auslaufen wollten, obwohl sie zwei Monate später unter strengeren Auflagen wieder aufgenommen wurde. Die derzeitige Regierung plant, in diesem Herbst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den Walfang vollständig verbieten würde.

Die Meeresschutzexpertin Mona Schweizer von Pro Wildlife beschrieb einen Trend weg vom Walfang, der nicht umkehrbar sei, und stellte fest, dass die isländische Gesellschaft sich gegen die Jagd wende und Japan – einst ein wichtiger Abnehmer – als Exportmarkt an Bedeutung verliere.

Diese Jagd ist seit langem wirtschaftlich unrentabel und politisch nicht mehr zu rechtfertigen.

Globaler Kontext

Island ist neben Norwegen und Japan eines von nur drei Ländern, die noch kommerziellen Walfang erlauben. Die Internationale Walfangkommission verhängte 1986 ein weltweites Moratorium, doch Island und Norwegen setzen die Praxis offen fort, während Japan Wale unter dem Etikett der „wissenschaftlichen Forschung“ jagt, deren Fleisch auf Märkten landet. Die Wiederaufnahme erfolgt Wochen, nachdem bei einer eintägigen Jagd auf den Färöer-Inseln über 700 Delfine und Wale getötet wurden, bei der zwei Sea-Shepherd-Freiwillige festgenommen wurden.

Reykjavík

5 Quellen

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