
US-Iran-Abkommen beendet 100-tägigen Militärfeldzug – Iraner verbittert, GOP schweigt
Die Unterzeichnung eines US-Iran-Protokollabkommens stößt in Teheran auf verbitterte Erleichterung, in den Reihen der Republikaner im Kongress auf Schweigen und in Israel auf Alarm, da man befürchtet, das Abkommen verschiebe die Atomfrage nur.
Ein Frieden ohne Jubel
Mehr als hundert Tage US-amerikanischer und israelischer Militäroperationen gegen den Iran haben einem am 16. Juni unterzeichneten Protokollabkommen Platz gemacht, das sowohl Teheran als auch Washington als Sieg bezeichnen. Das Abkommen stoppt die Bombenkampagne, geht aber nicht auf den von vielen Iranern erhofften Regimewechsel ein. Auf den Straßen und in der Diaspora ist die Stimmung weit entfernt von Triumph.
Die enttäuschten Hoffnungen der Iraner
Für Iraner, die die Angriffe ertragen haben, schmeckt das Abkommen nach Asche. Ein Exilant, ein iranischer Staatsbürger, der seit Jahrzehnten unter dem Pseudonym Hassan in Frankreich lebt, sagte Le Parisien, der Krieg sei nur erträglich gewesen, weil er die Hoffnung auf den Sturz des Regimes in sich trug.
Dieser Krieg war nur insofern interessant, als er uns die Hoffnung gab, einen Regimewechsel zu erleben. Die Toten waren mit dieser Aussicht leichter zu akzeptieren. Heute erkennen wir, dass diese Toten nichts genützt haben.
Ein Internetnutzer in Teheran, den Le Soir zitiert, während die Internetverbindung des Landes langsam zurückkehrt, äußerte dieselbe Verzweiflung.
Viele Dinge sind zu Ende gegangen, außer unserem Schmerz, unserem Leid und unseren Wunden. Träume und Hoffnungen sind verbrannt und werden nicht zurückkehren.
Israels Atomängste
Israel, das nicht an den Verhandlungen teilnahm, beobachtet das Abkommen mit tiefer Besorgnis. Le Figaro berichtet, dass Premierminister Benjamin Netanyahu befürchtet, das Abkommen verschiebe die iranische Atomfrage lediglich in eine spätere Phase, ohne sie zu lösen. Die israelische Regierung hatte lange argumentiert, dass militärischer Druck nötig sei, um eine endgültige Einigung zu erzwingen, und sieht dieses Druckmittel nun schwinden.
Republikanische Unruhe
Auf dem Capitol Hill fiel die Reaktion auffallend verhalten aus. Der republikanische Flügel im Kongress begrüßte die Unterzeichnung mit dem, was Le Figaro als peinliches Schweigen beschreibt. Das von einer republikanischen Regierung vermittelte Abkommen lässt die Falken der Partei zwischen Loyalität und ihrer Überzeugung hin- und hergerissen zurück, dass jedes Abkommen mit Teheran eine Kapitulation sei. Präsident Donald Trump muss sich noch einer umfassenden internen Revolte stellen, aber die Stille ist zum Zerreißen gespannt.


