
Krieg und Proteste überschatten Irans WM-Auftakt in Los Angeles
Geopolitische Spannungen und eine unruhige Diaspora drohen Irans erstes WM-Spiel 2026 gegen Neuseeland im SoFi Stadium in Inglewood, Kalifornien, zu dominieren.
Ankunft in Los Angeles
Irans Nationalmannschaft, bekannt als Team Melli, landete am Sonntag, dem 14. Juni, nach einem 20-minütigen Flug von Tijuana, Mexiko, in Los Angeles, wo sie ein kurzfristiges Trainingslager eingerichtet hatte. Die USA hatten rund 15 Mitgliedern des iranischen Betreuerteams Visa verweigert, was die Verlegung vom ursprünglich geplanten Stützpunkt in Tucson, Arizona, erzwang. Eine Pressekonferenz ist für 15:45 Uhr Ortszeit im SoFi Stadium in Inglewood geplant, einer 70.000 Sitzplätze fassenden Arena nahe dem internationalen Flughafen. Die Mannschaft muss laut FIFA bereits einen Tag vor ihrem ersten Spiel in der Gastgeberstadt sein.
Geopolitische Spannungen
Die Ankunft des Teams erfolgt inmitten eines Krieges, der durch US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran am 28. Februar ausgelöst wurde. Bis vor kurzem war Irans Turnierteilnahme ungewiss. Das Spielen auf US-amerikanischem Boden während des anhaltenden Konflikts hat zusätzliche politische Reibungen geschaffen. Irans Sportministerium und Fußballverband mussten immer wieder logistische und diplomatische Hürden überwinden.
Protestpläne der Diaspora
Los Angeles, oft "Tehrangeles" genannt, beheimatet eine auf etwa 500.000 geschätzte iranische Diaspora. Viele von ihnen lehnen die Islamische Republik ab, insbesondere nach ihrem brutalen Vorgehen gegen einen neuen Volksaufstand im Januar, bei dem laut NGOs Tausende getötet wurden. Damals brachen in LA gewaltige Proteste aus, bei denen die vorrevolutionäre Flagge mit Löwe-und-Sonne-Motiv die Straßen überflutete. Nun, da die Weltöffentlichkeit auf die WM blickt, haben Organisatoren Busse aus ganz Kalifornien gechartert, um Demonstranten nach Inglewood zu bringen. Sid Mohasseb, ein 65-jähriger Ingenieurprofessor, der die Koordination unterstützt, rechnet mit 40.000 bis 50.000 Menschen rund um das Stadion.
Ich finde keinen Schlaf wegen der Gräueltaten, die sie erleiden.
Einige Aktivisten planen zudem, ins Stadion zu gehen und die iranische Hymne auszubuhen, ähnlich wie in Katar 2022.
Der Flaggenstreit und die Gefahr eines Spielabbruchs
Der zentrale Zankapfel ist die Flagge von vor 1979, die die Demonstranten zeigen wollen. Sara Barahman, eine 22-jährige iranisch-amerikanische Politikstudentin, sagte gegenüber AFP: "Es ist uns egal, ob sie das Spiel abbrechen. Es ist nicht einmal unsere Mannschaft. Es ist nicht die Nationalmannschaft, sondern die Mannschaft der Islamischen Regierung. Ob sie gewinnen oder verlieren, ist uns egal." Irans Sportminister Ahmad Donyamali erklärte, sein Land werde "Flaggen und Parolen" genau beobachten und das Spiel abbrechen, wenn feindselige Symbole auftauchen. Am Samstag erinnerte Mehdi Taj, Präsident des iranischen Fußballverbands, die FIFA daran, dass nur die offizielle Flagge der Islamischen Republik in den Stadien gezeigt werden dürfe. FIFA-Regularien verbieten politische Accessoires, doch die Durchsetzung war in früheren Turnieren uneinheitlich, sodass unklar ist, wie mit Protestierenden mit Eintrittskarten umgegangen wird.
Es ist uns egal, ob sie das Spiel abbrechen. Es ist nicht einmal unsere Mannschaft. Es ist nicht die Nationalmannschaft, sondern die Mannschaft der Islamischen Regierung. Ob sie gewinnen oder verlieren, ist uns egal.
Der weitere Weg
Iran trifft am Montag, dem 15. Juni, in seinem ersten Gruppenspiel der Gruppe G auf Neuseeland. Anschließend spielt es am 21. Juni im selben Stadion gegen Belgien und am 26. Juni im Lumen Field in Seattle gegen Ägypten. Das Team hat bei einer Weltmeisterschaft noch nie die Gruppenphase überstanden.
- USA und Israel starten Angriffe auf den Iran; Irans WM-Teilnahme ist fraglich.
- Irans Team trifft in Los Angeles ein, nachdem es von seinem Stützpunkt in Tijuana, Mexiko, anreiste.
- Pressekonferenz im SoFi Stadium.
- Iran gegen Neuseeland, Auftakt der Gruppe G im SoFi Stadium; Proteste erwartet.
- Iran gegen Belgien im SoFi Stadium.
- Iran gegen Ägypten im Lumen Field, Seattle.


