
Iran und Neuseeland trennen sich 2:2 in politisch aufgeladenem WM-Auftakt – überschattet von Protesten und Friedensabkommen
Der Iran kam zweimal zurück und sicherte sich ein 2:2-Unentschieden gegen Neuseeland im Auftaktspiel der WM 2026 im SoFi Stadium. Die Partie fand vor dem Hintergrund regimekritischer Proteste, eines neu unterzeichneten Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran sowie strenger FIFA-Auflagen zu politischen Äußerungen statt.
Eine Mannschaft unter Druck
Die iranische Nationalmannschaft landete am Sonntag, dem 14. Juni, in Los Angeles – am selben Tag, an dem die USA und der Iran eine vorläufige Einigung zur Beendigung monatelanger bewaffneter Konflikte bekannt gaben. Die Spieler, die nach der Absage eines geplanten Aufenthalts in Arizona in Tijuana (Mexiko) stationiert sind, dürfen sich nur 48 Stunden auf US-amerikanischem Boden aufhalten und müssen nach jedem Spiel nach Mexiko zurückkehren. Ihre Ankunft wurde von einer kleineren Gruppe von Demonstranten begleitet, während die große iranisch-amerikanische Gemeinschaft der Stadt (schätzungsweise rund 600.000 Menschen) zwischen der Unterstützung der Nationalmannschaft und der Opposition gegen das Regime in Teheran gespalten blieb.
Wir erleben nicht die schöne Erfahrung, von der wir immer sprechen: Frieden, Freude. Diese Art von Anspannung untergräbt diese Freude.
Das Spiel
Neuseeland, das zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder bei einer WM dabei ist, ging bereits nach sieben Minuten in Führung, als Elijah Just eine Vorlage von Chris Wood im Strafraum verwertete. Der Iran antwortete noch vor der Halbzeit: Ramin Rezaeian reagierte am schnellsten auf einen abgewehrten Schuss und glich aus. Wood und Just kombinierten zu Beginn der zweiten Halbzeit erneut, diesmal zum zweiten Tor von Just. Doch zehn Minuten später köpfte Mohammad Mohebbi eine Flanke von Rezaeian zum 2:2-Endstand ein. In der Schlussphase hatte der Iran die besseren Chancen, konnte aber kein Tor mehr erzielen.
- Iran-Team trifft in Los Angeles ein; USA und Iran geben Friedensabkommen bekannt
- Anpfiff im SoFi Stadium
- Elijah Just erzielt Tor für Neuseeland (7. Minute)
- Ramin Rezaeian gleicht für Iran aus (31. Minute)
- Elijah Just bringt Neuseeland wieder in Führung (47. Minute)
- Mohammad Mohebbi gleicht für Iran aus (64. Minute)
Ich liebe meine Mutter und meinen Vater. Sie beten in schwierigen Zeiten immer für mich, also ist dieses Tor für sie – und auch für meine Leute im Iran.
Proteste und politische Gesten
Vor dem Stadion schwenkten zwischen 300 und 500 Demonstranten vorrevolutionäre Löwen-und-Sonnen-Flaggen und skandierten Parolen gegen die Islamische Republik. Einige Fans buhten die iranische Nationalhymne aus und empfingen die Spieler beim Betreten des Stadions mit höhnischen Rufen. Auf dem Spielfeld machten mehrere iranische Spieler Gesten, die als politisch interpretiert wurden: Rezaeian zog sein Trikot über sein Gesicht und bezeichnete dies später als „etwas Politisches“, während Mohebbi eine Pistole mimte, was er als bloßen Jubel herunterspielte. Die vorrevolutionäre Flagge war von der FIFA als politisches Symbol verboten worden, dennoch gelang es einigen Fans, sie an der Sicherheitskontrolle vorbeizuschmuggeln.
Das ist nicht unsere Nationalmannschaft, das ist die Mannschaft der Islamischen Republik.
FIFA und die Klage des Trainers
FIFA-Präsident Gianni Infantino besuchte nach dem Spiel die iranische Kabine, um – so wird berichtet – die Gemüter zu beruhigen. Die Pressekonferenz vor dem Spiel war geprägt von Fragen zur geopolitischen Situation, Fußballfragen kamen nicht vor. Irans Trainer Amir Ghalenoei beschuldigte den Weltverband später, sein Team zu unterdrücken, und erklärte, ihm sei nach dem Spiel mitgeteilt worden: „Ihr müsst sofort abreisen.“ Er bezeichnete den Iran als das „am meisten unterdrückte Team“ des Turniers.
Gruppe G weit offen
Das Ergebnis bedeutet, dass alle vier Mannschaften der Gruppe G nach dem 1:1-Unentschieden zwischen Belgien und Ägypten nun einen Punkt haben. Neuseeland wartet weiter auf den ersten Sieg bei einer Männer-WM-Endrunde. Der Iran kehrt zur Vorbereitung auf das nächste Spiel unter denselben restriktiven Visumsbedingungen nach Mexiko zurück.


