
Italien fordert Antworten nach Infantino-Scherz über 228 Teams für WM-Qualifikation
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat mit einem Scherz im Fernsehen, Italiens Nationalmannschaft brauche eine WM mit 64 oder gar 228 Teams, um sich zu qualifizieren, scharfe Reaktionen des italienischen Sportministers und des Fußballverbandes ausgelöst. Damit hat er die Wunde der dritten verpassten WM-Teilnahme in Folge wieder aufgerissen.
Der Witz, der für Empörung sorgte
In einem Interview mit dem brasilianischen Sender CazéTV nach dem Eröffnungsspiel der WM 2026 sprach FIFA-Präsident Gianni Infantino über eine mögliche weitere Aufstockung des Turniers. Die Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr erstmals mit 48 Mannschaften in Mexiko, Kanada und den USA ausgetragen wird, könnte erneut wachsen. Infantino sagte, der FIFA-Rat habe bereits ein 64-Team-Format erörtert, die Priorität liege jedoch zunächst in der Analyse des 48-Team-Modus. Dann fragte er grinsend mit Blick auf Italiens Fehlen: „Vielleicht qualifiziert sich Italien mit 64 Teams. Wer weiß, vielleicht mit 208“ — nach anderen Quellen „vielleicht sollten wir auf 228 Teams gehen.“ Der Spruch, während Italien die dritte WM in Folge von der Seitenlinie aus verfolgt, verbreitete sich rasend schnell.
Sofortige politische und institutionelle Kritik
Italiens Sportminister Andrea Abodi reagierte als einer der Ersten und erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA, dass angesichts der Entfernung zwischen Rom und Mexiko ein Telefonat das beste Mittel sei: „Ich bin daran interessiert, seine direkten Gedanken zu hören“, so Abodi. Der Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung, Gaetano Amato, griff den FIFA-Präsidenten scharf an. Auch aus dem italienischen Fußballverband kam eine deutliche Antwort. FIGC-Quellen teilten ANSA mit:
Der Verband fügte hinzu, dass der Fußball in Sieg und Niederlage Werte vermittele, „angefangen mit Respekt.“Es war ein unglücklicher Patzer, ein Stilbruch, der die Gefühle der gesamten italienischen Sportgemeinschaft verletzt hat.
Die drei verpassten Turniere
Italiens Abwesenheit bei der WM 2026 folgt auf das Scheitern der Qualifikation für die Turniere 2018 und 2022. Der viermalige Weltmeister ist nun zum dritten Mal in Folge nur Zuschauer, während das Turnier von 32 auf 48 Teams aufgestockt wurde. Der scheidende FIGC-Präsident Gabriele Gravina bleibt nur noch für dringende Angelegenheiten im Amt, sodass sich der Verband während der laufenden WM in einer Übergangsphase befindet.
- Infantino erklärt CazéTV, Italien könne sich qualifizieren, wenn die WM auf 64 oder 228 Teams aufgestockt wird
- Sportminister Abodi sagt, er wolle ein Telefonat mit Infantino
- FIGC bezeichnet Infantinos Äußerung als 'unglücklichen Patzer' und Stilbruch
- Infantino postet Instagram-Foto mit Rivera und verspricht, Italien werde 'bald zurück sein'
Infantinos Instagram-Versöhnungsversuch
Stunden nach Ausbruch der Kontroverse veröffentlichte Infantino auf Instagram ein Foto mit der italienischen Fußballlegende Gianni Rivera, aufgenommen im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt — dem Austragungsort des legendären Jahrhundertspiels von 1970 zwischen Italien und Westdeutschland.
Das Turnier 1970 war außergewöhnlich, genauso wie dieses hier im Jahr 2026 sein wird, auch ohne den viermaligen Weltmeister Italien. Aber die Azzurri werden bald zurück sein, und ich kann es kaum erwarten, sie bei der Jahrhundert-Qualifikation 2030 wieder als Protagonisten zu sehen.
Geteilte Reaktionen in den italienischen Medien
Die italienischen Kommentare reichten von Empörung bis zu Selbstironie. Il Giornale geißelte Infantino als „Diener vieler Herren“ und meinte, der Witz habe Salz in die Wunde einer „angeschlagenen“ Fußballnation gestreut. Corriere della Sera schlug einen leichteren Ton an und bemerkte, der Witz ähnele dem Kneipen- und Social-Media-Humor, der bereits unter Italienern kursiere, die sich beim globalen Fußballfest „als einzige im Fasten“ wiederfänden. Der Vorfall unterstreicht die tiefe Frustration im italienischen Fußball und das schwierige Verhältnis zwischen der FIFA und einem ihrer historischen Schwergewichte.

