- 19.10.Index fällt erneut, die Börse senkt die Tagesverlustgrenze auf 7 %
- April 2027Konsultationsfrist läuft bis April 2027
- Juni 2027Endgültige MSCI-Entscheidung erwartet
Eine Konsultation und ein scharfer Ausverkauf
Am 16. Oktober eröffnete MSCI eine Konsultation darüber, Indonesien von der Kategorie der Schwellenländer in den Status eines eigenständigen Marktes zu verschieben, was das Land aus den globalen Indizes des Anbieters entfernen würde. Der Indexanbieter hatte bereits im Januar mit einer Herabstufung zum Frontier Market gedroht, doch der jüngste Schritt ging weiter, und MSCI erklärte, die Fortschritte bei seinen Bedenken seien unzureichend. Der Jakarta Composite Index fiel an diesem Tag um mehr als 11 %, der stärkste Tagesverlust seit der Asienkrise der späten 1990er-Jahre. Die Börse senkte am 19. Oktober das maximal zulässige Tagesminus für einzelne Aktien auf 7 %, nachdem der Index an diesem Tag erneut nachgegeben hatte.
Verluste und gefährdetes Kapital
Indonesische Aktien haben seit Beginn des Jahres 2026 mehr als 40 % ihres Werts verloren, der schwächste Wert unter den großen Aktienmärkten. Ausländische Anleger haben in diesem Jahr per Saldo rund 4,88 Milliarden US-Dollar indonesische Aktien verkauft, andere Berichte beziffern den Abzug auf nahezu 5 Milliarden Dollar. Würde Indonesien vollständig aus den MSCI-Indizes entfernt, könnten nach Schätzung von Goldman Sachs rund 5,6 Milliarden Dollar automatisch durch indexabbildende Fonds abfließen. Andere aktiv verwaltete Fonds, die MSCI-Indizes als Benchmark nutzen, halten mehr als 8 Milliarden Dollar in indonesischen Anlagen, wobei Verkäufe von den Entscheidungen ihrer Manager abhingen. Die Rupiah schwächte sich am 19. Oktober auf 18.040 je US-Dollar ab, nahe einem Rekordtief.
- Netto-Aktienverkäufe ausländischer Anleger, 2026 seit Jahresbeginn
- 4.88 Mrd. USD
- Geschätzter Abfluss passiver Indexfonds (Goldman Sachs)
- 5.6 Mrd. USD
Daten aus dem Artikeltext
Börse und Aufsichtsbehörden reagieren
Jeffrey Hendrik, Vorstandsvorsitzender der Indonesia Stock Exchange, traf am 19. Oktober Vertreter von MSCI und erklärte, die Börse habe von MSCI oder anderer Seite keinen Hinweis darauf erhalten, dass eine Ankündigung wie die vom 16. Oktober bevorstehe. Die Verantwortlichen wollten bei diesem Treffen Maßnahmen vorstellen, um den Handel an der Börse transparenter zu machen. Auch die Aufsichtsbehörden schritten ein und schlossen Aktien mit stark konzentriertem Aktionärsbesitz aus dem Hauptindex aus. Eine Untersuchung von Barito Renewables ergab, dass 97 % der Aktien von mit dem Mehrheitsaktionär verbundenen Gesellschaften gehalten wurden; das Unternehmen gehörte zu drei Firmen, die am 16. Oktober wegen Handelsverstößen mit Geldstrafen belegt wurden. Hans Kwee, Praktiker und Wirtschaftsdozent an der Universitas Trisakti, sagte, die Aufsichtsbehörden und die Börse hätten vor der endgültigen Entscheidung Handlungsspielraum.
„Die Konsultationsfrist gibt der OJK, der BEI und der KSEI sehr ausreichend Raum und Zeit, die Wirksamkeit der Rechtsdurchsetzung zu belegen.“
Analysten beim Markt gespalten
Ein Kommentar der Financial Times argumentiert, die Marktstruktur Indonesiens sei dysfunktional, während viele der Aktien selbst solide seien. Er verweist auf Banken, die die drei größten Positionen im MSCI Indonesia Index besetzen, wobei die Eigenkapitalrendite bei der Bank Central Asia und der Bank Mandiri in diesem Jahr laut Konsensdaten von Visible Alpha bei 18 bis 20 % erwartet wird. Derselbe Kommentar merkt an, dass die Free Floats der börsennotierten Kreditinstitute unter 50 % liegen, da die meisten Aktien vom Staat oder von Tycoonen gehalten werden. Liza Camelia Suryanata, Leiterin der Research-Abteilung bei Kiwoom Sekuritas Indonesia, warnte, eine Einstufung als eigenständiger Markt berge das Risiko von Kapitalabflüssen, Verkaufsdruck und höherer Volatilität. Die endgültige MSCI-Entscheidung wird für Juni 2027 erwartet, die Konsultation läuft bis April 2027.
Haushalte und die breitere Wirtschaft
The New York Times beschreibt eine breitere Belastung: Die Inflation steigt, und in mehreren Städten breiten sich Kraftstoffengpässe aus – eine Lage, die die Zeitung mit dem Krieg im Iran, amerikanischen Zöllen und einer Politik unter Präsident Prabowo Subianto in Verbindung bringt, die Institutionen schwäche. Ein 28-jähriger Mann, der an einem Jakartaer College einen Abschluss in Informationstechnik gemacht hat, hatte auf eine Stelle als Webentwickler gehofft und arbeitet nun als Motorradtaxifahrer für rund 220 Dollar im Monat. Ein Beschäftigter des privaten Sektors in Jakarta, der seit 2015 in Aktien investiert ist, sagte, die MSCI-Ankündigung habe das Portfolio in Flammen gesetzt, mit Buchverlusten in Höhe eines Drittels der gehaltenen Aktien. Dieser Anleger hatte seine Ersparnisse zuvor auf Gold und Krypto verteilt, und der Golderlös floss später in den Kauf eines Hauses.