
Huthi-Rebellen greifen zwei saudische Öltanker im Roten Meer an – Brent-Rohöl nähert sich 96 US-Dollar, während die Blockade der Bab al-Mandab die regionale Krise verschärft
Jemens Huthi-Rebellen erklären, sie hätten zwei saudische Tanker mit Raketen und Drohnen im Roten Meer getroffen, was einen Brand auslöste und Schiffe zur Umleitung zwang. Brent-Rohöl stieg um 2,6 % auf knapp 96 US-Dollar pro Barrel, während die USA eine zwölfte Nacht in Folge Luftangriffe auf den Iran durchführten.
Angriff auf saudische Tanker
Am 23. Juli erklärten Jemens Huthi-Rebellen, sie hätten zwei saudische Öltanker, die Encelia und die Layla, mit Raketen und Drohnen im Roten Meer getroffen. Die britische Seeverkehrsbehörde (UKMTO) bestätigte, dass ein Schiff 70 Seemeilen südwestlich von Al-Shuqaiq von einem Projektil getroffen wurde, was einen Brand am Bug verursachte. Alle Besatzungsmitglieder wurden in Sicherheit gebracht, es wurden keine Verletzten oder Umweltschäden gemeldet. Ein Tanker trieb später manövrierunfähig. Die Huthis behaupteten, die Schiffe hätten eine Seeblockade verletzt, die sie am 21. Juli verhängt hatten. Laut Bloomberg wurden damit erstmals direkt Öltanker im Roten Meer angegriffen, was neben der Straße von Hormus eine zweite Risikozone für die globale Ölversorgung eröffnet.
Blockade und Störung der Schifffahrt
Die Huthi-Blockade richtet sich gegen alle Schiffe mit saudischer Fracht, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren, einen engen Engpass zwischen Jemen und dem Horn von Afrika. Täglich werden fast 9 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge transportiert, Analysten schätzen, dass fast 4 Millionen Barrel nur schwer umgeleitet werden können. Seit der Ankündigung haben mindestens acht Schiffe mit saudischen Verbindungen ihren Kurs geändert. Am 22. Juli kehrte der chinesische Autotransporter Liu Jiang Kou im Golf von Aden um, und drei Tanker, die in Dschidda saudisches Rohöl geladen hatten, begannen einen Umweg über den Suezkanal, eine Route, die pro Schiff über das Kap der Guten Hoffnung geschätzte 2 Millionen US-Dollar an Mehrkosten verursacht. Die niederländische Reederei Marwave bestätigte, dass ihr Tanker Lia umkehrte, weil die Sicherheit der Besatzung nicht gewährleistet werden könne. Die EU-Marinemission Aspides warnte israelische, amerikanische und saudische Schiffe, das Gebiet zu meiden. Der Militärsprecher der Huthis sagte im jemenitischen Staatsfernsehen, die Blockade sei eine Reaktion auf die „ungerechte und unterdrückerische Belagerung unseres geliebten Volkes seit fast zwölf Jahren“ durch Saudi-Arabien. Die Blockade folgt auf einen saudisch unterstützten Bombenangriff auf den Flughafen von Sanaa in der vergangenen Woche, der nach Angaben der Huthis gegen ein vier Jahre altes Abkommen verstößt. Die Huthis hatten zuvor als Vergeltung Raketen auf einen saudischen Flughafen abgefeuert.
- Huthis kündigen Seeblockade von Schiffen mit saudischen Verbindungen über die Bab al-Mandab an.
- Mehrere Schiffe kehren um; der chinesische Autotransporter Liu Jiang Kou dreht ab.
- EU Navfor Aspides warnt israelische, US-amerikanische und saudische Schiffe, das Gebiet zu meiden.
- Huthis greifen zwei saudische Tanker mit Raketen und Drohnen an; auf einem Schiff bricht Feuer aus.
- Brent-Rohöl steigt um 2,6 % auf knapp 96 US-Dollar pro Barrel, ein Sechswochenhoch.
Öl- und Gaspreise springen nach oben
Brent-Rohöl stieg im frühen Donnerstagshandel um 2,6 % auf knapp 96 US-Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit sechs Wochen. Der niederländische Richtpreis für Euro95-Benzin kletterte auf 2,62 Euro pro Liter und näherte sich damit dem Rekord von 2,646 Euro von Anfang Mai. Die europäischen Erdgaspreise erreichten 63 Euro pro Megawattstunde, etwa 50 % höher als vor einem Monat. Goldman-Sachs-Analyst Daan Struyven warnte, dass Brent 120 US-Dollar pro Barrel übersteigen könnte, wenn die Störung anhält. Versicherer verlangen höhere Prämien, und einige Reeder legen ihre Schiffe vor Anker.
Dies ist eine ernsthafte Eskalation. Wenn diese Route über einen längeren Zeitraum gestört wird, wird die Knappheit auf dem Ölmarkt nur noch zunehmen.
- Brent-Rohöl
- 2.6 %
- Erdgas
- 50 %
USA bombardieren Iran in der 12. Nacht
Unabhängig davon führten die Vereinigten Staaten eine zwölfte Nacht in Folge Luftangriffe auf die militärische Infrastruktur des Iran durch. Centcom erklärte, der Befehl sei direkt von Präsident Donald Trump gekommen. Iranische Sicherheitsbeamte teilten der Nachrichtenagentur SNN mit, dass bei einem Angriff auf den Grenzübergang Schalamtscheh zum Irak zwei Menschen getötet wurden. Kuwait meldete, dass seine Luftabwehr Drohnen abgeschossen habe, die wahrscheinlich als Vergeltung für die US-Angriffe vom Iran gestartet worden seien. Das US-Militär erklärte, die Angriffe zielten darauf ab, iranische Angriffe auf „unschuldige Zivilisten und die Handelsschifffahrt in der Region“ zu reduzieren.
Ein zweiter Engpass unter Bedrohung
Die Blockade der Bab al-Mandab verschärft die bestehende Schließung der Straße von Hormus, die der Iran blockiert hat. Saudi-Arabien hatte die Ost-West-Pipeline genutzt, um täglich 4–5 Millionen Barrel über den Rotmeerhafen Yanbu zu exportieren, etwa 5 % der globalen Nachfrage. Da nun beide Meerengen bedroht sind, stehen die Ölexporte des Königreichs vor ernsthaften Einschränkungen. Einige Schiffe passieren die Bab al-Mandab weiterhin; mindestens drei Tanker mit saudischen Verbindungen überquerten oder näherten sich der Meerenge am 22. Juli, so die Schifffahrtsanalysefirma Windward. Viele Schiffe haben jedoch ihre AIS-Transponder ausgeschaltet, sodass das Gesamtbild unklar bleibt. Die iranischen Revolutionsgarden behaupteten, drei Tanker hätten versucht, eine Route zu nehmen, auf der Seeminen verlegt sind.


