
Gehirn von Hunden kann menschliche Angst, Wut und Traurigkeit unterscheiden – fMRT-Studie zeigt
Forscher der Universität Wien nutzten fMRT-Scans, um zu zeigen, dass das Gehirn von Hunden bei Freude, Wut, Angst und Traurigkeit unterschiedliche Aktivitätsmuster aufweist – der erste Beleg dafür, dass Hunde negative menschliche Emotionen trennen können.
Ein erster Blick in das Hundegehirn
Eine am 10. August 2026 in iScience veröffentlichte Studie eines Teams unter der Leitung von Forschern der Universität Wien liefert den ersten Beleg dafür, dass Hunde zwischen verschiedenen negativen menschlichen Gesichtsausdrücken unterscheiden können – nicht nur zwischen positiven und negativen. Mittels fMRT-Scans zeigte das Team, dass das Gehirn von Hunden bei der Betrachtung von Freude, Wut, Angst und Traurigkeit unterschiedliche Aktivitätsmuster aufweist. Die Geschichte der Domestizierung von Hunden begann vor etwa 33.000 Jahren, und seither begleitet die Tiere ein Austausch aus menschlichen Gesten. Ein Gesicht kann eine Liebkosung, eine Belohnung oder eine Bedrohung ankündigen, weshalb Hunde gelernt haben, Gesichtsausdrücke genau zu lesen.
Erstes Experiment: Fröhliche versus neutrale Gesichter
Das erste Experiment umfasste 8 Hunde, darunter 6 Border Collies, 1 Labrador Retriever und 1 Golden Retriever – alles Haustiere, die von ihren Besitzern ohne Entschädigung zur Verfügung gestellt wurden. Den Hunden wurden Fotografien unbekannter menschlicher Gesichter mit entweder fröhlichem oder neutralem Ausdruck gezeigt, jedes 7 Sekunden lang, während der Hund in einem MRT-Scanner lag. Die Gesichter stammten von Fremden, um Vertrautheitseffekte auszuschließen, und hatten dasselbe Geschlecht wie der jeweilige Hauptbezugsperson des Hundes. Jeder Satz von fünf fröhlichen und fünf neutralen Gesichtern wurde pro Hund fünfmal wiederholt. Fröhliche Gesichter aktivierten den temporalen Cortex, der mit höheren kognitiven Funktionen assoziiert ist, und den Nucleus caudatus, der mit Belohnungsverarbeitung assoziiert ist, in der rechten Hemisphäre sowie den piriformen Cortex.
Laura Cuaya, Postdoktorandin an der SCAN-Einheit der Universität Wien, erklärte, dass die Lokalisierung dieser Aktivität von Bedeutung sei: Wenn sie nur in frühen visuellen Arealen aufgetreten wäre, hätte man sie durch Unterschiede in Formen, Farben oder Kontrasten erklären können. Die Beteiligung höherer Hirnregionen deutet darauf hin, dass Hunde emotionale Bedeutung verarbeiten, nicht nur visuelle Merkmale.
Es gibt eine schöne Analogie zur Resonanz. Es ist, als ob das Gehirn aufleuchtet und sich mit Farben füllt.
Zweites Experiment: Trennung negativer Emotionen
Das zweite Experiment umfasste 12 Hunde, denen neue Sätze unbekannter männlicher und weiblicher Gesichter mit vier Ausdrücken gezeigt wurden: Freude, Traurigkeit, Angst und Wut. Die Forscher nutzten maschinelles Lernen, um die Gehirnaktivität zu analysieren. Das Netzwerk aus temporalem Cortex und Nucleus caudatus reagierte ausschließlich auf Freude, während unterschiedliche Aktivitätsmuster im gesamten Gehirn es dem Team ermöglichten, zwischen allen vier Emotionen zu unterscheiden. Der Befund zeigt, dass das Hundegehirn die Welt nicht einfach in gut und schlecht einteilt.
- Experiment 1
- 8
- Experiment 2
- 12
Dies ist die erste Demonstration, dass das Hundegehirn zwischen Emotionen gleicher Valenz unterscheiden kann.
Cuaya fügte hinzu, dass Hunde allein durch das Betrachten von Gesichtern „Emotionen unterscheiden und Erwartungen bilden“ können.
Training und Methodik
Alle 14 Hunde beider Experimente wurden darauf trainiert, still, wach und ungefesselt in einer Sphinx-Position im Scanner zu liegen. Sieben der acht Hunde des ersten Experiments hatten bereits fMRT-Erfahrung; der neue Teilnehmer Molly erhielt das gleiche Trainingsprotokoll. Eine Kinnstütze hielt ihre Köpfe, und Ohrenschützer boten Lärmschutz; die Hunde konnten die Sitzungen jederzeit verlassen. Für einen ordnungsgemäßen Scan war eine Mindestzeit von sechs Minuten im Gerät erforderlich. Der durch fröhliche Gesichter aktivierte Belohnungsschaltkreis ist derselbe Hirnbereich, der auf leckeres Futter oder Lob reagiert.
- 8 Hunde wurden im fMRT-Scanner fröhliche und neutrale menschliche Gesichter gezeigt
- 12 Hunden wurden fröhliche, wütende, ängstliche und traurige Gesichter gezeigt, Analyse mittels maschinellem Lernen
- Studie in iScience veröffentlicht
Raúl Hernández-Pérez, Erstautor der Studie von der Universität Wien, beschrieb die breitere Bedeutung der Arbeit.
Menschen sind wirklich gut darin, kleine Details im Gesicht wahrzunehmen, und Hunde sind es auch. Indem wir ihr Gehirn untersuchen, können wir verstehen, welche Anpassungen entwickelt wurden, um ihr bemerkenswertes soziales und emotionales Verständnis des Menschen zu unterstützen.
Er wies auch auf eine offene Frage hin: „Wir wissen nicht, ob diese Regionen nur mit fröhlichen Gesichtern oder mit emotionalen Gesichtern im Allgemeinen zusammenhängen.“


