
Hitzewelle in Italien bedroht Parmesan: Milchproduktion um 10 % gesunken, Energiekosten bei Lagerung um 30 % gestiegen
Die Rekordhitze in Norditalien setzt die Parmigiano-Reggiano-Produktion unter Druck: Kühe geben bis zu 10 % weniger Milch, und die Kühlhäuser verbrauchen 30 % mehr Energie, um eine halbe Million Käselaibe im Wert von über 300 Millionen Euro zu kühlen.
Extreme Temperaturen in der Emilia-Romagna
Temperaturen über 40 °C sind in diesem Sommer in den fünf parmesanproduzierenden Provinzen Norditaliens zur Normalität geworden. Landwirte berichten, dass Kühe weniger fressen, mehr ruhen und bis zu 10 % weniger Milch geben, wenn die Thermometer diese Schwelle überschreiten. Die Region erlebt eine Serie von Hitzewellen, und Stallfenster, die früher nur nachts geöffnet wurden, stehen jetzt rund um die Uhr offen. In vielen Ställen wurden Ventilatoren und Wassernebelsysteme installiert, um Hitzestress bei den Tieren zu reduzieren.
Milchmenge und Futter unter Druck
Parmigiano Reggiano wird aus nur drei Zutaten hergestellt: Milch, Salz und Lab. Die Milchleistung sinkt mit steigenden Temperaturen, und das Problem wird durch Dürre verschärft. Die Regeln der geschützten Ursprungsbezeichnung schreiben vor, dass die Rinder nur lokal angebautes Gras und Heu fressen dürfen, sodass fehlender Regen direkt das Futterangebot verringert.
Extreme Hitze beeinträchtigt sowohl die Qualität als auch die Quantität der Milch.
Bertinelli, Präsident des Konsortiums für Parmigiano Reggiano und Besitzer eines von seiner Familie 1895 bei Parma gegründeten Hofes, erklärte, dass die Milch, die für den Käse verwendet wird – der ausschließlich in dieser Region hergestellt wird – schwerer zu gewinnen sei, wenn die Kühe mehr liegen und weniger fressen.
Energiekosten steigen in Käselagern
Der Reifeprozess ist auf klimatisierte Lagerung angewiesen. Die beiden von Magazzini Generali delle Tagliate betriebenen Anlagen in den Provinzen Reggio Emilia und Modena beherbergen mehr als 500.000 Käselaibe mit einem Gesamtwert von über 300 Millionen Euro.
Während der heißesten Perioden dieses Jahres stieg unser täglicher Energieverbrauch um etwa 30 Prozent.
Ravanetti, der Leiter des Unternehmens, erklärte, dass Verbesserungen an Kühlsystemen, Gebäudedämmung und erneuerbarer Energieerzeugung vorgenommen wurden, um die Kosten zu begrenzen.
Eine 4,5-Milliarden-Euro-Branche in Gefahr
Der Parmigiano-Reggiano-Sektor erwirtschaftet schätzungsweise 4,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und sichert Tausende von Arbeitsplätzen entlang der Lieferkette. Der Export macht mehr als die Hälfte des weltweiten Umsatzes dieser Käsesorte aus, wobei die Vereinigten Staaten der wichtigste ausländische Markt sind. Deutschland importierte 2025 italienische Käseprodukte im Wert von rund 913 Millionen Euro, wobei die importierte Menge um fast 14 % auf 11.640 Tonnen stieg.
- Rückgang der Milchproduktion
- 10 %
- Anstieg des Energieverbrauchs
- 30 %
‚Wir wollen nicht die letzte Generation sein‘
Der Käse wird seit mehr als 800 Jahren hergestellt. Paolo Ganzerli, internationaler Vertriebsdirektor der Lebensmittelgruppe GranTerre, äußerte in einem Reuters-Bericht eine tiefe Sorge.
Wir wollen nicht die letzte Generation sein, die ihn isst.
Landwirte und Produzenten investieren in Kühlsysteme, aber die Kombination aus Hitzestress bei den Tieren, höheren Energiekosten und Dürre belastet die gesamte Produktionskette. Bertinelli warnte, dass anhaltende und sich verschärfende Extremereignisse „sicherlich Auswirkungen auf die Menge und Qualität der Milch haben werden und vor allem zu höheren Kosten führen werden“.

