Hitzewelle in Deutschland gefährdet Obdachlose: NRW-Outreach-Teams sagen, verdoppeltes Budget reicht nicht aus
Outreach-Teams in Nordrhein-Westfalen haben Mühe, Obdachlose vor der zunehmenden Sommerhitze zu schützen, während das NRW-Sozialministerium sein Budget für Hitzeschutz auf 500.000 Euro verdoppelt und die Mitarbeiter vor Ort sagen, dass das Geld immer noch nicht ausreicht.
Outreach auf den Straßen Duisburgs
An einem Sommermorgen stehen mehrere Männer vor einem weißen Van, dem Kältebus, in der Nähe des Schäferturms in der Duisburger Innenstadt an. Susanne Wittenborn und Volker Hirschfeld vom Verein Gemeinsam gegen Kälte Duisburg verteilen frisch belegte Brötchen und Getränke. „Mit jedem Kaffee geben wir eine Flasche Wasser aus“, sagt Wittenborn und stellt fest, dass viele Obdachlose dehydriert ankommen. Der Bus ist seit mehr als 25 Jahren unterwegs und erreicht täglich bis zu 70 Menschen. Von Montag bis Donnerstag fährt er um 9:00 Uhr los und macht an drei Standorten in der Stadt halt. Die Schubladen des Vans sind mit Sonnencreme, Hüten, leichter Sommerkleidung und dünnen Schlafsäcken bestückt.
Wittenborn sagt, der Name Kältebus sei metaphorisch zu verstehen und beziehe sich nicht auf das Wetter, sondern auf die soziale Kälte in der Gesellschaft. Die Arbeit geht über die Verteilung von Hilfsgütern hinaus. Wittenborn und Hirschfeld wollen zuverlässige Ansprechpartner für die Menschen sein, die sie betreuen.
Wir versuchen, mit den Betroffenen zu sprechen, sie zu beraten und zu unterstützen.
DWD warnt vor extremer Hitzebelastung
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) berichtet, dass die diesjährigen Hitzewellen eine extreme thermische Belastung für die Menschen darstellen. Nach einer Mitteilung des DWD werden die Hitzewellen heißer und dauern länger an, wobei die Belastung in Städten größer ist als auf dem Land. Für Obdachlose bergen die extremen Temperaturen ein besonderes Risiko.
Iris Niewind vom Wetterschutzteam in Münster bestätigt das Muster aus ihrer eigenen Arbeit. Krankheiten seien bei solch hohen Temperaturen schwerer zu managen, sagt sie, und Wunden entzündeten sich leichter. Ihr Team fährt zu Plätzen in der Münsteraner Innenstadt, an denen Obdachlose sich aufhalten, und verteilt Wasser, Kühltücher und Sonnencreme.
Mehr Nachfrage, weniger Ressourcen pro Person
In Düsseldorf fährt ein Team des Gute-Nacht-Busses während Hitzeperioden aus, um Menschen in Not in der Innenstadt zu unterstützen. Nikolai Karrasch, der das Team leitet, berichtet, dass die Zahl der Hilfesuchenden stetig wächst. Die Folge, sagt er, sei weniger Zeit und weniger Ressourcen für jeden Einzelnen.
Ein weiteres Problem, so Wittenborn, sei der Mangel an Rückzugsorten. Kühle Innenräume wie Einkaufszentren und Museen gebe es in der Stadt, aber sie seien für obdachlose Klienten praktisch unzugänglich. Sie fordert die Kommunen auf, Sonnensegel und zusätzliche öffentliche Trinkbrunnen zu installieren und mehr Bänke in schattigen Bereichen aufzustellen. Die Gemeinden seien für solche Maßnahmen zuständig, sagt sie, aber es fehle ihnen an Geld, um sie umzusetzen.
Im Bereich der Sozialarbeit fehlt sehr viel Geld.
Landesförderung verdoppelt, aber immer noch unzureichend
Das NRW-Sozialministerium hat sein Budget für den Hitzeschutz von Obdachlosen und wohnungslosen Menschen verdoppelt, so ein Ministeriumssprecher. In diesem Jahr wurde die Fördersumme auf 500.000 Euro erhöht. Trotz der Erhöhung besteht Wittenborn darauf, dass das Geld nicht ausreicht, und dass trotz staatlicher Zuschüsse und Spenden dringend ein Wandel nötig ist, wie die Gesellschaft ihre Schutzbedürftigsten während extremer Hitze schützt.


