Regierung · Berlin, Mainz und Wiesbaden
Merz stößt bei Grünen und Kommunen auf scharfe Kritik wegen geplanter Sozialkürzungen
Kanzler Friedrich Merz‘ Vorschlag, Sozialprogramme zu kürzen, um die Kommunalhaushalte zu entlasten, hat heftige Kritik von den Grünen und lokalen Führungskräften ausgelöst. Sie warnen, dass die steigenden Sozialkosten Städte und Gemeinden in den finanziellen Kollaps treiben.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von Frankfurter Allgemeine, Der Tagesspiegel, Bayerischer Rundfunk und weiteren Medien. Geändert . So entsteht er
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Kurz gefasst
Kanzler Merz schlägt Einsparungen beim Unterhaltsvorschuss, der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe vor, um die Kommunalhaushalte zu entlasten.
Grünen-Chef Felix Banaszak sagt, die Kürzungen würden die Kinderarmut verschärfen, und bezeichnet den Ansatz als „sozialpolitischen Irrweg“.
Nach Jahren der Überschüsse erreichte das bundesweite Kommunaldefizit 2025 fast 32 Milliarden Euro und wird 2026 auf 29,7 Milliarden Euro prognostiziert.
Gesetzliche Sozialausgaben – etwa für Eingliederungshilfe und Pflegekosten – sind deutlich schneller gestiegen als die Steuereinnahmen und haben die kommunalen Rücklagen erschöpft.
Am 22. Juni veranstalteten die Kommunen einen koordinierten Aktionstag „Kommunen am Limit“, um vor dem Gipfel am 25. Juni eine Finanzierungsreform zu fordern.
- 21.06.Kanzler Merz kündigt Plan zur Kürzung von Sozialgesetzen zur Entlastung der Kommunen an und nennt drei betroffene Gesetze
- 22.06.Grünen-Chef Felix Banaszak verurteilt die Kürzungen; bundesweiter Aktionstag „Kommunen am Limit“ in ganz Deutschland
- 25.06.Kanzler Merz trifft sich mit den 16 Ministerpräsidenten, um über die Kommunalfinanzen und eine mögliche Reform des Konnexitätsprinzips zu beraten
Die deutschen Kommunen befinden sich in einer akuten Finanznot, mit explodierenden Defiziten und erschöpften Rücklagen. Am 22. Juni fand unter dem Motto „Kommunen am Limit“ ein bundesweiter Aktionstag statt, bei dem die Kommunalspitzen eindringlich ein Eingreifen des Bundes forderten. Ausgelöst wurde die Krise durch sprunghaft gestiegene gesetzliche Sozialausgaben – darunter Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Pflegekosten – die das Steueraufkommen bei weitem übersteigen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte mit einem umstrittenen Vorschlag: Vier große Sozialgesetze zurückzufahren, um die Kommunalhaushalte zu entlasten.
Merz‘ Vorschlag und die sofortige Gegenreaktion
Merz nannte drei der vier zu überprüfenden Gesetze: das Unterhaltsvorschussgesetz, das Jugendhilfegesetz und die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. In seiner Rede am Sonntag, den 21. Juni, äußerte er die Hoffnung auf eine Einigung mit den Ländern vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag, den 25. Juni. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak warf dem Kanzler einen „sozialpolitischen Irrweg“ vor und argumentierte, dass Kürzungen bei der Unterstützung von Alleinerziehenden und Kindern die Kinderarmut verschärfen und die Gesellschaft letztlich teurer zu stehen kommen würden.
„Jede notwendige Unterstützung, die ausbleibt, wird uns später doppelt oder dreifach zurückzahlen.“
„Wer den Unterhaltsvorschuss kürzt, spart nicht im Haushalt, sondern auf Kosten der Chancen von Kindern.“
Das Ausmaß der kommunalen Not
Zahlen der Frankfurter Allgemeinen veranschaulichen die Verschlechterung: Nach Jahren der Überschüsse explodierte das Kommunaldefizit von 6 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf fast 32 Milliarden Euro zwei Jahre später. Bundesweit wird das Defizit für das laufende Jahr auf 29,7 Milliarden Euro prognostiziert. In Bayern stiegen die Steuereinnahmen 2024 um 340 Millionen Euro, doch die Sozialausgaben sprangen um 1,1 Milliarden Euro in die Höhe und machten den Zuwachs damit dreimal wieder zunichte, wie der Präsident des Bayerischen Landkreistags, Thomas Karmasin, berichtete. Die Rücklagen sind erschöpft, und die Kommunalvertreter warnen, dass bereits im nächsten Jahr Leistungen wie die Kinderbetreuung, Schulbusse, Schwimmbäder und Kulturprogramme gekürzt werden könnten.
Wer trägt die Verantwortung?
Die Kommunen machen die Bundes- und Landesregierungen dafür verantwortlich, immer mehr gesetzliche Pflichtaufgaben zu erlassen, ohne dafür eine ausreichende Finanzierung bereitzustellen – ein Verstoß gegen das sogenannte Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt“). „Der Bund kauft sich mit der Kreditkarte der Kommunen Wohlwollen“, sagte Karmasin. Der Präsident des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl, stellte fest, dass Politiker aller Ebenen in den letzten 15 bis 20 Jahren Versprechungen gemacht hätten, um Stimmen zu gewinnen, „unabhängig davon, ob das Geld da war.“
In Nordrhein-Westfalen veranstaltete der Städte- und Gemeindebund einen symbolischen Aktionstag und stellte ein sinkendes Schiff mit einem wachsenden Loch im Rumpf dar. Der Sprecher der Grünen in der Düsseldorfer Koalition, Robin Korte, sagte, der Bund müsse endlich für die von ihm geschaffenen Sozialaufgaben zahlen, darunter Jugendhilfe und Pflegeunterstützung. Die NRW-Landesregierung verwies auf ihre eigenen neun Milliarden Euro schweren Altschuldenhilfe, doch die Kommunalvertreter errechneten, dass diese nur ein paar Jahre Luft verschafft.
Aktionstag und der Weg zum Gipfel am Donnerstag
In Hessen und Rheinland-Pfalz waren ähnliche Rufe zu hören. In Mainz forderten die Spitzen eine zügige Evaluierung des kommunalen Finanzausgleichssystems. Hessens Innenminister Roman Poseck zeigte Verständnis, betonte aber, dass „in erster Linie der Bund gefordert ist“. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, versprach, sich auf Bundesebene für die Verantwortung des Bundes bei den Sozialkosten einzusetzen. Der bundesweite Aktionstag diente als dramatischer Auftakt für das Treffen zwischen Kanzler Merz und den 16 Ministerpräsidenten am 25. Juni, bei dem die Zukunft der Kommunalfinanzen – und möglicherweise Merz‘ umstrittener Sparplan – die Tagesordnung dominieren wird.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- Frankfurter AllgemeineLiveblog Bundespolitik: Rentenkommission legt ihren Bericht vor
- Der Tagesspiegel"Sozialpolitischer Irrweg": Banaszak kritisiert Sparpläne von Merz
- Frankfurter AllgemeineFinanznot der Kommunen: Was tut die Bundesregierung?
- Bayerischer RundfunkKommunen-Notruf: Was für Kita, Busse, Freizeit und Kultur droht
- Friedrich Merz
- Bundeskanzler (CDU), schlug Kürzungen bei Sozialgesetzen zur Entlastung der Kommunalhaushalte vor
- Felix Banaszak
- Co-Vorsitzender der deutschen Grünen, kritisierte Merz‘ Sozialausgabenpläne scharf
- Uwe Brandl
- Präsident des Bayerischen Gemeindetags (CSU), warnte, die Kommunen stünden „zwei Minuten vor zwölf“
- Thomas Karmasin
- Präsident des Bayerischen Landkreistags (CSU), hob die explodierenden Sozialkosten hervor, die die Steuerzuwächse übersteigen
- Gordon Schnieder
- Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (CDU), versprach, sich beim Bund-Länder-Treffen für die Kommunen einzusetzen
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