Hellweg und BayWa Bau & Garten werden abgewickelt: 35 Filialen verkauft, 79 stehen vor der Schließung
Die deutschen Baumarktketten Hellweg und BayWa Bau & Garten werden liquidiert, nachdem für nur 35 von über 110 Filialen Käufer gefunden wurden. Die verbleibenden Märkte sollen bis Ende November 2026 schließen.
Investorenvereinbarungen und Filialnetzaufteilung
Die deutschen Baumarktketten Hellweg und BayWa Bau & Garten werden nach Insolvenzverfahren, die im August 2026 eröffnet wurden, abgewickelt. Die Unternehmen bestätigten, dass für 35 ihrer über 110 Filialen in Deutschland potenzielle Käufer gefunden wurden. Der Wettbewerber Obi kündigte an, bis zu 12 der Standorte in sein eigenes Filialnetz zu integrieren, während die Identitäten anderer Käufer noch nicht bekannt gegeben wurden. Das gerettete Portfolio umfasst 18 Hellweg-Filialen, darunter Standorte in Beckum, Berlin, Dortmund und Essen, sowie 17 BayWa Bau & Garten-Märkte. Für die verbleibenden 79 Standorte wurden bisher keine Käufer gefunden. Sowohl die Markennamen Hellweg als auch BayWa werden eingestellt, sobald Drittbetreiber die erworbenen Immobilien übernehmen.
- Filialen mit potenziellen Käufern
- 35 Filialen
- Filialen ohne Käufer
- 79 Filialen
Co-Restrukturierungsmanager Gerrit Hölzle, Partner der Anwaltskanzlei Görg, bewertete die teilweise Filialübertragung als positiven Schritt unter angespannten Marktbedingungen.
Unser vorrangiges Ziel war und ist es, möglichst viele Standorte und damit möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
Insolvenzeröffnung und wirtschaftlicher Druck
Die Unternehmen beantragten Mitte Juni 2026 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Essen und nannten mehrere strukturelle Marktbelastungen. Die Geschäftsführung führte den finanziellen Zusammenbruch auf anhaltende Lieferkettenengpässe, geopolitische Unsicherheiten, allgemeine Kaufzurückhaltung, steigende Einzelhandelsmietkosten und inflationsbedingte Ausgabensteigerungen zurück. Hellweg hatte die süddeutsche Kette BayWa Bau & Garten 2012 vom Agrarkonzern BayWa übernommen und unter einem Lizenzabkommen betrieben. Das Amtsgericht Essen eröffnete das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung offiziell am 27. August 2026 und bestellte Rechtsanwalt Stefan Denkhaus zum Insolvenzverwalter.
- Hellweg und BayWa beantragen Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Essen
- Amtsgericht Essen eröffnet das Insolvenzverfahren offiziell
- Geschäftsführung gibt Verkauf von 35 Filialen bekannt und spricht vorsorgliche Kündigungen aus
- Zieltermin für verbleibende Filialschließungen und Auslaufen der Lohnfinanzierung
Auswirkungen auf die Belegschaft und Filialschließungen
Die Liquidation betrifft tausende Mitarbeiter im Einzelhandel und in der Verwaltung in ganz Deutschland. Hellweg beschäftigt rund 2.900 Mitarbeiter in 68 Filialen, hauptsächlich in den Regionen Rhein-Ruhr und Berlin, während BayWa Bau & Garten etwa 1.300 Mitarbeiter in 46 Filialen beschäftigt, mit durchschnittlich 30 bis 35 Mitarbeitern pro Filiale. Zudem werden rund 340 Verwaltungsmitarbeiter durch die geplante Schließung der beiden Unternehmenszentralen in Dortmund und Garching ihre Arbeitsplätze verlieren. Die Geschäftsführung hat vorsorgliche Kündigungen an das Personal aller Filialen ausgesprochen, für die derzeit keine Kaufverpflichtungen bestehen, darunter Standorte in Mettmann, Monheim, Bonn-Beuel und Sankt Augustin.
Co-Restrukturierungsmanager Karl-Friedrich Curtze erläuterte die formale Notwendigkeit der Ausstellung der Kündigungen während laufender Restrukturierungsgespräche.
Die vorsorglichen Kündigungen sind notwendig, um die erforderliche Planungssicherheit für alle Beteiligten im Hinblick auf das laufende Verfahren zu schaffen.
Nächste Schritte vor der Novemberfrist
Die Betriebsfinanzierung für die Baumarktketten bleibt für die kommenden Wochen gesichert. Hellweg und BayWa werden die Löhne und Gehälter bis Ende November 2026 weiterzahlen, nach Ablauf der gesetzlichen Insolvenzgeldperiode. Die Übertragungen der 35 gesicherten Standorte bleiben teilweise von Vermietervereinbarungen und kartellrechtlichen Genehmigungen abhängig. In Bayern wurden für 11 BayWa-Filialen potenzielle Käufer gefunden, während die Zukunft von 22 weiteren bayerischen Standorten ungeklärt bleibt. Unternehmenssprecher Thomas Feldmann bestätigte, dass die Gespräche mit Interessenten für unverkaufte Standorte fortgesetzt werden, aber alle Filialen ohne vereinbarte Übernahme bis Ende November 2026 endgültig schließen werden.


