Knapp 7 Millionen deutsche Fahrzeuge tragen reaktivierte ‚Heimatkennzeichen‘, Studie zeigt
Eine Studie der Hochschule Heilbronn zeigt, dass seit 2012 knapp 7 Millionen Fahrzeuge mit 336 reaktivierten regionalen Kennzeichen zugelassen wurden, während der Bundesrat eine Ausweitung des Modells auf weitere Gemeinden vorantreibt.
Bundesweite Verbreitung
Seit 2012 dürfen deutsche Landkreise und kreisfreie Städte zusätzliche Buchstabenkombinationen als Ortskennzeichen auf Fahrzeugkennzeichen zulassen. Eine kürzlich von der Hochschule Heilbronn vorgelegte Zählung, die auf Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes beruht, zeigt, dass bundesweit knapp 7 Millionen Autos, Motorräder und Anhänger seitdem mit 336 reaktivierten „Heimatkennzeichen“ zugelassen wurden. Deutschland hat insgesamt rund 59 Millionen zugelassene Fahrzeuge, die rund 800 verschiedene Ortskennzeichen tragen.
Das bundesweit am häufigsten ausgegebene reaktivierte Kennzeichen ist MO für Moers mit rund 128.000 Zulassungen. MY für Mayen in Rheinland-Pfalz liegt mit 96.217 Zulassungen bundesweit auf Platz drei.
- MO (Moers)
- 128000 Zulassungen
- MY (Mayen)
- 96217 Zulassungen
- GN (Gelnhausen)
- 78226 Zulassungen
- DI (Dieburg)
- 73200 Zulassungen
- HU (Hanau)
- 57299 Zulassungen
- BIN (Bingen)
- 34733 Zulassungen
- BKD (Bernkastel-Kues)
- 28795 Zulassungen
Regionale Aufschlüsselung
In Hessen wurden seit 2012 rund 587.400 Fahrzeuge mit reaktivierten Heimatkennzeichen zugelassen. Spitzenreiter ist GN für Gelnhausen mit 78.226 Zulassungen, gefolgt von DI für Dieburg (73.200) und HU für Hanau (57.299). Tausende Kennzeichen wurden auch für WZ (Wetzlar), SWA (Bad Schwalbach) und WA (Waldeck) ausgegeben. Weitere reaktivierte hessische Kennzeichen sind BÜD für Büdingen, SLÜ für Schlüchtern und ZIG für Ziegenhain.
In Rheinland-Pfalz tragen rund 266.400 Fahrzeuge Heimatkennzeichen. MY für Mayen führt mit 96.217 Zulassungen, gefolgt von BIN für Bingen am Rhein (34.733) und BKD für Bernkastel-Kues (28.795). PRÜ für Prüm, DIZ für Diez und ROK für Rockenhausen wurden ebenfalls in tausenden Fällen ausgegeben. Weitere Kennzeichen im Bundesland sind SAB für Saarburg, GOA für Sankt Goar und ZW für Zweibrücken.
In Niedersachsen gehören zu den begehrtesten Kennzeichen OHA für Osterode am Harz, NOR für Norden und BRV für Bremervörde. Weitere reaktivierte Kennzeichen im Bundesland sind RI für Rinteln im Landkreis Schaumburg, SY für Syke im Landkreis Diepholz und EIN für Einbeck im Landkreis Northeim.
Identität auf dem Kennzeichen
Studienautor Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn sagt, die reaktivierten Kennzeichen fänden bei den Bürgern auf persönlicher Ebene Anklang. Die wiedereingeführten Kennzeichen sind in der Regel alte Bezeichnungen, die bei Gebietsreformen abgeschafft wurden. Neben den bereits genannten Bundesländern gehören zu den reaktivierten Kennzeichen auch TP für Templin in Brandenburg und SLG für Saulgau in Baden-Württemberg.
Gerade durch das Kennzeichen und die damit verbundene Individualität gibt es einen Identitätsbezug, der vielen Menschen wichtig ist.
Reformvorstoß des Bundesrates
Der Bundesrat hat eine Ausweitung des Systems gefordert. Auf Initiative Hessens und Niedersachsens beschloss die Länderkammer, dass Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern eigene Kennzeichen ausgeben dürfen sollen. Der Vorschlag wurde der Bundesregierung zur Umsetzung zugeleitet. Ob und wann die Regierung ihn übernimmt, ist unbekannt.
Nach den derzeitigen Regeln erforderte die Wiedereinführung eines alten Kennzeichens die Einrichtung eines neuen unabhängigen Kraftfahrzeug-Zulassungsbezirks. Der Vorschlag des Bundesrates würde diese Auflage streichen und es kleineren Gemeinden erleichtern, ihre historischen Kennzeichen zurückzuerhalten.
Die Studie der Hochschule Heilbronn stützt sich auf Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes und dokumentiert seit 2012 ein anhaltendes Interesse an der Wiedereinführung früherer Ortskennzeichen in vielen Regionen.


